Bad der Worte

Splishy Splashy Poetry Slam im Inselbad

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Einmalige Stimmung beim Splishy Splashy Poetry Slam im Inselbad.

Landsberg – Sie stehen am Rand des Abgrunds und dichten um ihre Ehre. Unter ihnen die Massen, deren Urteil die Poeten gnadenlos ausgeliefert sind. Hie und da pflügt ein Hai durch die Wogen. Natürlich aus Plastik. Aber dennoch: Man braucht Mut, um sich beim Splishy Splashy Poetry Slam im Landsberger Inselbad auf dem Fünfmeter-Sprungbrett zu präsentieren. Denn schließlich gibt es etwas zu verteidigen: Die Ehre der trockenen Badehose.

18 Uhr. Jetzt dürfen nur noch Poesie-Begeisterte ins Inselbad. Und sie strömen. Nicht so viele wie letztes Jahr. Aber die Wiesen füllen sich. Das Publikum ist jung. Alle sehr entspannt, gutgelaunt, lässig. Kein Wunder: Der letzte Schultag ist vorüber, die Sonne brutzelt am Azurhimmel und der Abend lockt mit dem Versprechen perfekt vorgetragener Poesie.

Es ist das dritte Mal, dass die Stadtwerke mit der Agentur „helle Tage“ und der Sparkasse Landsberg zum Poetryslam laden. „Ich hab mir das vor drei Jahren ausgedacht“, erzählt Christina Pichler von den „hellen Tagen“. Organisation und Öffentlichkeitsarbeit liegen auf ihren Schultern. Und es klappt. Reibungslos. Die Eintrittsgelder gehen an einen guten Zweck – heuer werden es 500 Euro für die Tafel Landsberg.

Acht Poeten sind geladen. Mit in der ersten Runde ist Yannik Sellmann, amtierender bayerischer Meister. Schon beim ersten Satz weiß man warum: Jedes Wort sitzt, jede Tonlage, jede Emotion. Auch wenn’s mal lauter wird. Seine „Reihenhausromantik“ erzählt von Menschen, „die Sparkassenwerbung atmen“. „Wer Reihenhaus bestellt, bekommt Nachbarschaft frei Haus!“ Und wenn das Gartenhaus die drei Erdbeeren des Nachbarn – „Sie Unkrautnazi!“ – beschattet, dann muss das eben weg. Einer der zwei Gewinner in Runde eins.

Denn die Zuschauer können sich nicht entscheiden. Weshalb auch Mannheimerin Sylvie de Bonheur mit ihrem „Jahresrückblick“ ins Finale einzieht. Zurück bleiben Youtube-Star Bybercap aka Herr Schmied und Rettungsschwimmerin Eva Stepkes – die ersten, die den Sprung wagen und den typischen Splishy-Splashy-Sound erzeugen. In der zweiten Gruppe punktet Fee, U-20 Meisterin, die schon 2016 mit „Heidis Horror Picture Show“ den Sieg einheimste. Heuer setzt sie auf ein „Mutmachgedicht“. Mut wird belohnt. Fee setzt sich gegen, den bayerischen U20-Meister Darryl Kiermeier, die Augsburgerin Ezgi Zengin und Mate Tabula aus Germering durch.

Im Finale schwirren die Mücken um die Poeten: „Ich hab grad eine ausgespuckt, die ist weitergeflogen“, lacht Moderatorin Kathie Möck. „Die sehen aus wie Leuchtplankton“, findet Sylvie. Und spricht mit Insektenunterbrechungen über die Mähr der Prostituierten, die ihren Job gerne machen. Fee kämpft darum, ihren bayerischen Dialekt behalten zu dürfen: „Plüschsessel – eine Kritik der Spracherziehung oder wer bin ich“. Denn Sprache ist Identität, ist Heimat. „Ich bin, dass ich bayerisch rede“. Den Sieg trägt Yannik davon. Mit einem Text über Gefühle, die er auf der Bühne zeigt, die sonst aber wie Schaffner bei fahrkartenlosen Zuggästen sind: „Sie werfen mich aus der Bahn.“ Yannik, der Meister der trockenen Badehose. Fast. Zum Abschluss springt er mit Kathi in die Tiefen des Inselbads.

Susanne Greiner

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