Bayernpartei schützt vor Strafe nicht!

Der Kommunalpolitiker, das Bier und der verschwundene Dachs

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Seit November ohne Führerschein und jetzt erneut von der Polizei erwischt: Ein 62-jähriger Lechrainer, Kreis- und Gemeinderat der Bayernpartei, wurde am Amtsgericht Landsberg zu einer Geldstrafe verurteilt.

Landsberg/Lechrain – Betrunken setzte sich ein Bayernpartei-Kreisrat aus dem südlichen Landkreis Landsberg im vergangenen November hinters Steuer, rammte ein Verkehrsschild – und wurde erwischt. Der Führerschein war erstmal weg. Trotzdem stieg der Kommunalpolitiker wieder in sein Auto. Und damit kam er nicht ungestraft davon.

Es waren gleich zwei Straftaten, deretwegen sich der 62-Jährige jetzt vor dem Amtsgericht Landsberg verantworten musste. Die erste war die Trunkenheitsfahrt am 1. November. Er sei von einem Eishockeyspiel der Riverkings in Landsberg vorzeitig nach Hause gefahren, berichtete der Ruhe­stands-Landwirt, der sich bei der Kommunalwahl am Sonntag erneut um ein Mandat im Kreistag und darüber hinaus im Gemeinderat seines Heimatortes bewirbt.

„Ich hatte an dem Tag gar nichts getrunken“, beteuerte er vor Richter Alexander Kessler. Es müsse sich um Restalkohol gehandelt haben. „Das ist nicht möglich“, erteilte Kessler dieser Theorie eine Absage. Immerhin wurden bei dem Mann um 21.45 Uhr 1,8 Promille festgestellt – zu viel, um auf Alkohol­genuss vom Vortag zurückzuführen zu sein. „Das funktioniert rein rechnerisch nicht“, stellte Kessler klar. Die „absolute Fahr­untüchtigkeit“ beginnt laut Gesetz bei 1,1 Promille.

Der ehemalige Landratskandidat der Bayernpartei wollte mit seinem Mercedes in Landsberg von der Schongauer Straße auf die B17neu auffahren. In einer scharfen Linkskurve hinter dem Tierheim kam er von der Fahrbahn ab und rammte ein Verkehrsschild. „Dann ist er mit seinem Wagen auf einem Stein aufgesessen“, berichtete der ermittelnde Polizeibeamte im Zeugenstand. Offenbar hatte der Fahrer daraufhin versucht, sein Auto von dem Hindernis zu schieben. Er sei verdreckt gewesen, als die Polizei eintraf.

Der 62-Jährige habe behauptet, einem Dachs ausgewichen zu sein. Doch weder fanden die Polizisten in der Nähe ein verletztes Tier noch Spuren eines Wildunfalls am Wagen. Was sie aber deutlich wahrnahmen: Der Fahrer roch nach Alkohol. Folglich war er seinen Führerschein vorläufig los.

Ende Januar geriet der Mann dann in eine Verkehrskontrolle in Kaufering. Er saß nicht angeschnallt am Steuer seines Autos, auf dem Weg zu einem Arzttermin. Seine Frau sei an jenem Tag krank gewesen und habe ihn nicht fahren können, gab er vor Gericht an. „Und die Kinder waren in der Arbeit.“ Den Polizisten gegenüber behauptete er, seinen Führerschein zu Hause vergessen zu haben, was sich jedoch schnell als Schutzbehauptung herausstellte.

Richter Kessler wertete das Ganze „als Riesenmist und eine Frechheit“. Er fragte sich auch, ob die Fahrt Ende Januar die erste seit dem Führerscheinverlust gewesen sei. „Da ist ein gewisser Argwohn angebracht.“ Im übrigen könne der Angeklagte von Glück reden, dass bei seiner Trunkenheitsfahrt nur ein Verkehrsschild dran glauben musste. „Wenn Sie auf der B17 in den Gegenverkehr geraten wären, hätte es Verletzte oder Tote geben können.“

Zugunsten des Angeklagten sprach, dass er nicht vorbestraft war und auch keine Punkte in der Verkehrssünder-Datei mitbrachte. Die Kosten für das beschädigte Verkehrszeichen – 210 Euro – hat er bereits beglichen. Kessler verurteilte den 62-Jährigen zu einer Geldstrafe in Höhe von 75 Tagessätzen à 50 Euro, zusammen also 3.750 Euro. Außerdem muss er noch weitere zehn Monate auf seinen Führerschein verzichten.
Das Urteil ist rechtskräftig.
Ulrike Osman


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