Neuer Kreisvorsitzender gewählt:

Harte Arbeit, keine Bezahlung bei den Gartenbauern

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Der neue Vorstand des Kreisverbands für Gartenbau und Landespflege (von links): Vorsitzender Werner Weber, Geschäftsführerin Susann-Kathrin Huttenloher, Schriftführerin Elisabeth Haltmayr, Kassenprüferin Elisabeth Hanglberger, 2. Vorsitzender Christian Hanglberger und Kassier Manfred Haltmayr; im Hintergrund: Wahlleiter Alfons Löffler.

Landkreis – Der Kreisverband für Gartenbau und Landespflege hat einen neuen Vorsitzenden. Er heißt Werner Weber, kommt aus Geltendorf, saß bisher im Beirat des Kreisvorstands und hat nach eigener Aussage schon sein ganzes Leben mit Gärten, Natur und Pflanzen zu tun – beruflich ebenso wie ehrenamtlich. Neben Weber wurde bei der Jahreshauptversammlung des Kreisverbands auch das Amt des 2. Vorsitzenden neu besetzt, und zwar mit Christian Hanglberger aus Erpfting.

Die Wahlen waren nach dem Tod des langjährigen Vorsitzenden Herbert Feyrsinger notwendig geworden. Und auch das zweite Vorstands-Urgestein, Heinz Drott, verkündete nun nach 33 Jahren seinen Rückzug. Damit gehe eine Ära zuende, bedauerte Kreisverbands-Geschäftsführerin Susann-Kathrin Huttenloher vor einem gut besetzten Auditorium im Sitzungssaal des Landratsamts.

Weber wurde mit 110 Ja-Stimmen in sein neues Amt gewählt, vier Mitglieder votierten gegen ihn und fünf enthielten sich. Hanglberger erhielt die Unterstützung von 112 Stimmberechtigten – bei vier Gegenstimmen und elf Enthaltungen. Drei weitere Posten wurden einstimmig vergeben: Manfred Haltmayr ist neuer Kassier, Ehefrau Elisabeth neue Schriftführerin und Susann-Kathrin Huttenloher alte und neue Geschäftsführerin.

Der neue Vorstand werde sich nun erst einmal „zusammenraufen“ müssen, kündigte Huttenloher an. Deshalb sei der Aktionsplan für das laufende Jahr schlanker ausgefallen als üblich. Neben Fachvorträgen, Ausflügen und Kursen bildet jedoch die Jugendarbeit einen Schwerpunkt. Unter dem Motto „Streuobst-Vielfalt – Beiß rein“ soll dem Nachwuchs die Bedeutung von Streuobstwiesen und Biodiversivität nahegebracht werden. Aber nicht nur das. Man hofft, junge Menschen für altes Wissen zu begeistern und Kenntnisse in Obstbau, Handwerk und Brauchtum weiterzugeben. Großes Stichwort hierbei sind generationenübergreifende Aktionen, zum Beispiel das gemeinsame Ernten und Verwerten des Streuobstes.

Auch Werner Weber kündigte an, auf Jugendarbeit großes Gewicht zu legen. Hier hat er im neuen 2. Vorsitzenden einen kongenialen Partner, denn Hanglberger war bis dato Jugendreferent im Kreisverband.

Seminare im Angebot

Weber möchte darüber hinaus jedes Jahr ein zweitägiges Gartenseminar zur Weiterbildung aller Mitglieder anbieten und den Ortsvereinen laufend Impulse geben. „Die Vereine brauchen Initiative“, so der ehemalige Geschäftsführer eines Gartencenters. Im übrigen freue er sich auf den Neustart im Vorstand – trotz der „Stellen­beschreibung“, die da laute, „harte Arbeit, keine Bezahlung“.

Der scheidende Heinz Drott rief die Versammlung zu Selbstbewusstsein auf. „Lassen wir uns nicht unterkriegen, auch wenn wir ‚nur‘ Gartler sind“, so der 75-Jährige. Denn der Beitrag der Gartenbauvereine zum öffentlichen Leben sei beträchtlich. „Wir fühlen uns verantwortlich für die Umwelt und sind der Motor für ein schönes Ortsbild.“ Dies unterstrich auch der stellvertretende Landrat Peter Ditsch. „Wir freuen uns im Landkreis Landsberg sehr über gepflegte Flächen und blühende Gärten.“ 

Mehr Blüten für Biene&Co.

Manchmal sind es makabre Kleinigkeiten, die schleichende Veränderungen mit einem Schlag ins Bewusstsein rufen. Dass man zum Beispiel bei längeren Autofahrten nicht mehr so oft die Windschutzscheibe reinigen muss, weil kaum noch Insekten daran kleben – das hat vermutlich nicht nur Dr. Ulrich Hampl festgestellt. Der Pflugdorfer Bauernhofpädagoge und Berater für ökologischen Landbau sprach jüngst im Landratsamt über das Thema Insektensterben und seine schwerwiegenden Folgen.

Fordert neue Blühflächen und -inseln im Landkreis: Bauernhofpädagoge Dr. Ulrich Hampl aus Pflugdorf.

Der Vortrag bildete Abschluss und Mehrwert der Jahreshauptversammlung des Kreisverbands für Gartenbau und Landespflege. Insofern sprach Hampl als Vertreter des Netzwerks „Blühende Landschaft“ vor Multiplikatoren – mit dem Ziel zu zeigen, was Landwirte, Kommunen und jeder einzelne dafür tun können, damit die Landschaft wieder bunt wird für blütenbesuchende Insekten. Denn ohne sie fehlt 70 Prozent der Kulturpflanzen die Bestäubung, auf die sie angewiesen sind.

Was also ist zu tun, damit die Landschaft wieder blütenreicher wird? Hampl appelliert unter anderem an die Bauern, zum Beispiel am Rande von Feldern Blühstreifen mit Ackerwildkräutern wie Mohn und Kornblumen anzulegen. Auch als Unterteilung von Äckern seien diese sinnvoll. Mehrjährig stillgelegte Flächen könnten mit entsprechenden Blühmischungen in regelrechte „Bienenweiden“ verwandelt werden. Posi­tiver Nebeneffekt: „Aus den Blüh­mischungen kann man später Biogas machen.“

Natürlich können auch Balkon- und Gartenbesitzer viel für Insekten tun. Hier gilt es, auf ursprüngliche Saaten zurückzugreifen – sprich auf Blumen mit offenen statt geschlossenen Blüten, da letztere keinen Nektar enthalten. Von Geranien haben Bienen und Hummeln also nichts – besser sind laut Hampl Fächerblumen im Balkonkasten sowie Kräuterbeete, blühende Stauden und blühendes Gemüse im Garten. Nahrung für Insekten bieten zum Beispiel Ringelblumen, Gänseblümchen, wilder Wein und Efeu.

Ebenso können Hecken und Streuobstwiesen mit Insektennährgehölzen wertvolle Lebens- und Rückzugsräume bieten. Das öffentliche Grün auf Randstreifen und Kreisverkehren sollte im Sinne der Artenvielfalt in „öffent­liches Bunt“ umgewandelt werden, forderte Hampl.

Generell wichtig für Insekten sind zusammenhängende Blühflächen statt vereinzelter Blüh-Inseln. Denn viele Arten haben Flugradien von nur wenigen hundert Metern. Die Honigbiene, die ohne Nahrung kilometerweit kommt, ist die große Ausnahme.

Ulrike Osman

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