Zum Auftakt gibt‘s die Wasserszene

Landsberger Krippe eröffnet mit neuer Szene: Jona und der Wal

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Die Krippe startet dieses Jahr mit einer ganz besonderen Szene: „Der Fisch speit Jona aus“ – eine Szene, die bisher noch nicht zu sehen war. Der Fisch lag lange im Fundus. Jetzt schwimmt er wieder.

Landsberg – Die Krippe in Mariä Himmelfahrt öffnet dieses Jahr mit einer fantastischen Szene – und zugleich einer, die bisher noch nicht zu sehen war: „Der Fisch speit Jona aus.“ Die alttestamentarische Geschichte um den Propheten, der im Walfischbauch gefangen ist und nach drei Tagen und Nächten wieder ausgespuckt wird. Kreisheimatpflegerin Dr. Heide Weißhaar-Kiem und ihr Mann Bernhard – Experte für das Alte Testament – haben den Fisch schon lange im Visier. Und dieses Jahr schwimmt er endlich in der Stadtpfarrkirche über die tobenden Wogen.

Vor dem Bild steht ein Sandsack. Der wird das Meeresufer bilden. Daneben eine Schachtel mit Muscheln, „aus der Sammlung der Familie“, lacht Weißhaar-Kiem. Denn einzelne Utensilien der Krippenszenen dürfen aktuell sein, wenn sie der Anschaulichkeit dienen. Die 160 Figuren und 100 Tierskulpturen sind jedoch historische Artefakte. So auch der Fisch. Der lag aufgerollt im Fundus und stammt von circa 1850, vielleicht auch früher. „Es muss diese Szene also gegeben haben“, sagt Weißhaar-Kiem. Ein Fisch in dieser Größe passe zu keiner anderen Geschichte. Ein Restaurator hat ihn nun konservatorisch sicher auf Spanplatten aufgezogen. Das hält. Der passende Jona zeichnet sich durch die vollrunde Ausarbeitung aus. Denn viele der anderen Figuren haben Drähte, mit denen die Gliedmaßen am Körper befestigt sind. Jona nicht. Man habe ihn entkleidet und mit „diesem diskreten Textil versehen“, schmunzelt die Heimatpflegerin.

Das erste Mal, dass eine Krippe in Mariä Himmelfahrt erwähnt wird, ist 1627. Da waren Lorenz Luidl und sein Sohn Johann noch nicht geboren. Da sie aber die Figuren reparierten und zahlreiche weitere beisteuerten, wird die Krippe der Luidl-Werkstatt zugesprochen. Mitte der 1990er Jahre wurde Weißhaar-Kiem vom damaligen Stadtpfarrer und vom Diözesenbauamt mit der Restaurierung beauftragt. Eine Aufgabe, die sie gemeinsam mit ihrem Mann, mit Restauratoren und mit Mesmer Torsten Poth ehrenamtlich ausübt. Und jetzt bis auf einen „wertvollen Rest“ abgeschlossen hat.

Dass alle mit Leidenschaft bei der Sache sind, sieht man an der detaillierten Ausgestaltung der Szenen. „Der Aufbau allein ist schon ein Kunstwerk“, sagt Weißhaar-Kiem. Aber wenn dann die Großeltern mit ihren Enkeln vor der Krippe stehen und begeistert die Szenen besprechen, „dann ist das Lohn genug.“ Ihr sei es wichtig, dass die didaktische Tradition der Jesuiten Bestand habe. Die beabsichtigten schon damals, durch Anschaulichkeit das Bibelwissen zu vermitteln. Und brachten den Alltag in die Bilder. Wofür es auch in der Landsberger Krippe zahlreiche Beispiele – Töpfe, Werkzeuge oder auch ein Kronleuchter – gibt.

Rätselraten

Einfach war das Restaurieren nicht. Denn vorhanden war nur ein kunterbunter Fundus. „Wir hatten da einen übergroßen Kopf und wussten nicht, wo der hin sollte“, erzählt die Heimatpflegerin. Bis sie dann, dank des passenden Körpers, David und Goliath erkannten. Bernhard Weißhaar berichtet von einem seltsamen Esel: „Der kniet, schaut nach hinten und streckt die Zunge heraus.“ Um zu erkennen, dass das Tier zu „Bileam und die Eselin“ gehört, muss man im Alten Testament schon zuhause sein.

Spannend seien auch die vielen Teufel gewesen. Hörner, Klauen, ausdrucksstarke Fratzen. Aber zu welcher Szene? Irgendwann entdeckten sie, dass hinten am Wagen, der von mächtigen schwarzen Pferden gezogen wird und eigentlich den Heiligen drei Königen zugeordnet ist, eine „ziemlich hässliche Fratze“ prangte. Und irgendwann tauchte hinter einer Bretterwand der Höllenschlund auf – Herodes Fahrt in denselben war komplett.

Der Raum, in dem die Krippe aufgestellt werden dürfe, sei natürlich hervorragend, sagt die Heimatpflegerin. „Der entspricht eigentlich einer ganzen Kapelle.“ Beim Aufbau gelte es dann immer, „die Luft oben anzubringen“: ein blauer Stoff, der wie ein Himmel das Gewölbe nach oben abschirmt. Der Hintergrund, gemalt von Franz Kugelmann, ersetzt frühere Konstruktionen, in denen Tannenzweige die Elektrostecker verdeckten. Und vorne links steht noch ein Tempelchen mit Geldschlitz. Rollt eine Münze, startet die Beleuchtung. Und setzt die Szenen von Morgen- bis Abenddämmerung ins rechte Licht.

Nach Jona und dem Wal folgen ab dem 7. Dezember „Verkündigung an Maria“ – eine Szene, die Kinder sehr gefällt, weiß Weißhaar-Kiem – , ab 21. Dezember das „Hirtenfeld“, über Weihnachten die „Heilige Familie“, bis zum 2. Januar die „Hirten an der Krippe“ und zum Abschluss ziehen die Heiligen drei Könige über das Krippengelände. Alles wundervolle Szenen, findet die Heimatpflegerin. Wenn sie aber zeigen wollten, was sie hätten, dann in der Szene „Die Königin von Saba besucht den König Salomon“. Massenweise Personal. Elefanten, Leoparden und dank Salomons Pferdezucht auch viele dieser Tiere. „Das ist eben unsere Spitzenszene“, lacht Weißhaar-Kiem. „Da können wir alles auffahren.“
Susanne Greiner

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