Wundertüte voller Kunst

Die zweite Freiluft-Vernissage des Landsberger Kunstautomaten

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Kunsthistorikerin Urte Ehlers bei der 12. Vernissage des Landsberger Kunstautomaten.

Landkreis – Er ist schon ziemlich leer: Ein Schacht des Kunstautomaten beherbergt nur noch acht Unikate. Und das nur wenige Tage nach der Vernissage zur zwölften Spielzeit. Bei lauem Sommerwetter hielt am Freitagabend Kunsthistorikerin Urte Ehlers die Einführung. Christian Rogotzki und Erik Müller begleiteten mit Text und Songs. Und zahlreiche Neugierige warteten geduldig, bis sie endlich an die Schächte durften.

Authentizität, Originalität und handwerkliches Können: Drei Aspekte, die laut Neuer Züricher Zeitung im Gleichgewicht sein müssen, wie bei einem gleichseitigen Dreieck. Sind sie es nicht, ist die Kunst schlecht – das Dreieck grinst schief. Ehlers zitiert die NZZ. Aber ihr greift der Ansatz zu kurz: „Kunst und Umfeld gehören zusammen.“ So auch der Spitalplatz zum Kunstautomat, der Zwang des Formats zum Kunstwerk. Der Mix Amateure/renommierte Künstler, den der Automat beherbergt, gefällt Ehlers: „Ich möchte die Kunst nicht vom Sockel stoßen, aber den Zugang zur Kunst erleichtern.“

Zur zwölften Spielzeit können Kunstneulinge und Kunstfans eine sich streckende, räkelnde Scherenschnittfrau von Barbara Manns ziehen – die „Kleine Verbogene“. Oder tierische Linoldrucke mit Elke Jordans „Viechereien“. Chris Sommer bietet „kräftige Landschaften und Abstraktes“ und Svenja Reithner kreiert mit „Gehen“ eine Serie: Ein Mensch auf seinem Weg, mit unterschiedlichsten Stationen. Schondorfblogger Leopold Ploner ist mit dabei – als Initiator: Er hat via Facebook dazu aufgerufen, unter dem Stichwort „confined“ – beschränkt – Kunst für den Automaten zu produzieren. Und bekam Zusendungen aus Brasilien, Japan, den USA. Kunstwerke, die jetzt als „Wundertüte“ einen Schacht füllen. Kunstautomatenbetreiber Gregor Netzer und Schauspielerin Monika Calla füllen den sechsten Schacht mit dem „Kunstfehler des Alfred Brehm“: Filmsequenzen über den nicht tierliebenden Tierforscher. Wer sich für diesen Schacht entscheidet, bekommt einen USB-Stick mit Film. Auf einer Webseite kann die Sequenz freigeschalten werden. Oder man behält „seinen“ Film für sich. Ein Projekt, das die Frage „Wem gehört die Kunst?“ stellt.

Auch die zweite Vernissage im Freien hat sich bewährt: Die Songs von Rogotzki und Müller, laue Temperatur, das Plätschern des Brunnens und das Gemurmel der Gäste samt vorbeifahrenden Autos kreieren eine besondere Stimmung. Die nächste Spielzeit startet im September. Man darf gespannt sein, wie Herbstwetter, Spitalplatz und Automat kooperieren.

Susanne Greiner

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