Trister, leerer Bauernmarkt

Stadt Landsberg verlegt Märkte aus der Altstadt heraus

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Landsberg - Am 11. Juni überraschte die Stadtverwaltung Marktbesucher und Händler aus Landsberg und der Umgebung mit einer Hiobsbotschaft: Vom 13. Juni bis zum 3. August finden alle Wochen- und Bauernmärkte nicht in der Altstadt, sondern auf der Waitzinger Wiese statt. Der Grund: "Das Ruethenfest steht vor der Tür." Das erste Ergebnis konnte man heute betrachten: Der an den Rand der Festwiese verbannte Bauernmarkt fand praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Nach Recherchen des KREISBOTEN ist bei diesem Thema eine Menge schiefgelaufen. Das erste Problem ist das Timing. Die Entscheidung zur Verlegung fiel nämlich bereits Mitte Mai, wie Petra Freund aus dem Presseamt der Stadt auf Anfrage mitteilte. Auf die Nachfrage: Wieso haben wir, die Medien, denn erst am 11. Juni darüber eine Information erhalten, antwortete Freund kryptisch: "Die Pressemitteilung wurde in Absprache mit der Fachabteilung verfasst und versendet. Dies erfolgte im Rahmen der üblichen Arbeitsorganisation." Wenn das die übliche Arbeitsorganisation in der Stadtverwaltung ist, dann ist mit ihr etwas nicht in Ordnung.

Keine Absprachen

Das zweite Problem besteht in der fehlenden Absprache. Die Verwaltung stimmte sich nicht mit dem Marktreferenten des Stadtrats, Hans-Jürgen Schulmeister (Landsberger Mitte) ab, ja sie informierte ihn noch nicht einmal über den beabsichtigten Schritt. So hatte Schulmeister keine Möglichkeit, die Fraktionen zu unterrichten und das Thema auf die Tagesordnung des Stadtrats zu setzen.

Auch mit dem Ruethenfestverein scheint es keine Diskussionen gegeben zu haben. "An der Entscheidung, an welchen Platz der/die Märkte verlegt werden sollen, waren wir als Ruethenfestverein nicht involviert", erklärte der Vorsitzende des Ruethenfest-Vereins, Tobias Wohlfahrt, auf Anfrage des KREISBOTEN.

Händler wurden ebenfalls im Vorfeld nicht befragt: "Die Händler wurden vergangene Woche schriftlich über die Verlegung des Marktes informiert", schreibt Petra Freund. Erst danach, als einige von ihnen entsetzt reagierten, "wurden Gespräche persönlich mit einigen Händlern geführt, um Sachlage und Beweggründe im Einzelnen zu erläutern".

Was bedeutet dann im Statement der Stadtverwaltung der Satz "Die Entscheidung ist das Ergebnis umfassender Abwägungen unter Einbeziehung aller Rahmenbedingungen. Dabei galt es, die beste Lösung für alle Interessen zu finden"? Von außen sieht die Sache eher nach einer einsamen Entscheidung der Stadtverwaltung aus.

Hellmair-Platz möglich

Die Recherche des KREISBOTEN hat auch gezeigt: Es wäre möglich, alle Märkte für vier der sechs Wochen an den Georg-Hellmair-Platz zu verlegen. Vom Hauptplatz bis dorthin sind es 140 Meter. Große Schilder an Mittwochen, Donnerstag und Samstagen auf dem Hauptplatz könnten den Weg zum vorübergehenden neuen Standort weisen. Den kennt im Übrigen fest jeder.

Die Stadt hatte in ihrer Pressemitteilung geschrieben, eine Verlegung zum Georg-Hellmair-Platz sei nicht möglich, da er zum Ruethenfest ebenfalls "bespielt" werde. Richtig ist nach Auskunft des Ruethenfest-Vereins, dass dort Bewirtungsflächen vorgesehen sind. Hier reicht aber eine einwöchige Aufbauzeit und eine dreitägige Abbauzeit aus. Selbst wenn man den Hellmair-Platz während des Ruethenfests komplett an den Verein übergibt, wären die Markttage 13.06., 15.06., 19.06., 20.06., 22.06., 26.06., 27.06., 29.06., 03.07., 04.07., 06.07., 24.07., 25.07., 27.07., 31.07., 01.08. und 03.08. dort durchführbar. 

Werner Lauff

Kommentar

Die Lehre aus der Leere

In Sachen Einzelhandel und Märkte hat die Stadt Landsberg einen Hang zur Dramatik. Ähnlich wie im Fall der komplett gesperrten Schloßberggarage hat sie auch hier viel zu spät informiert, sich zu wenig abgestimmt und dazu mit einer unnötigen Härte entschieden.

Es trifft wieder einmal die Altstadtbewohner. Dass sie Gemüse, Kartoffeln, Milchprodukte und Blumen nun sechs Wochen lang zu Fuß durch die halbe Innenstadt tragen, ist kaum anzunehmen. Ebenso unwahrscheinlich ist, dass sie für den Marktbesuch ihr Auto in Bewegung setzen. Sie werden sich Alternativen suchen. Marktbeschicker und Einzelhändler verlieren in der Altstadt einen Teil ihrer Kunden. Und auf Rosen gebettet sind sie alle ja nicht.

Das kann man anders machen, ohne das Ruethenfest auch nur einen Deut zu behindern. Die Lösung besteht darin, den Markt nur zwei Wochen lang aus der Altstadt zu verlagern und ihn in der übrigen Zeit auf dem Hellmair-Platz durchzuführen. Es ist der geborene Ort für unsere Märkte. Und ein gelernter allemal.

Die Stadt sollte aus der heutigen Leere (beim Bauernmarkt) eine Lehre ziehen und die Entscheidung vom Mai zügig revidieren. 

Werner Lauff

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