»Was ich für immer machen will«

Landsberger Singer/Songwriter Malik Harris startet durch

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Malik Harris startet im Moment voll durch: als Support für James Blunt oder auch die Simple Minds – wie hier bei seinem Konzert in der Mainzer Zitadelle am 27. Juli.

Landsberg – Malik Harris ist jung. Und wortgewaltig, nicht nur in seinen Liedtexten. Entspannt sitzt er im Café, obwohl er allen Grund hätte, richtig müde zu sein. Denn der Singer/Songwriter kommt gerade erst aus Coburg zurück. Am Tag vorher war er in Aschaffenburg, davor in Bochum. Drei Festivals, drei Konzerte, drei Tage vor Zuschauermassen: Der gerade mal 21-Jährige Landsberger ist zwar „nur“ Support für den Hauptact. Aber das ist kein Geringerer als James Blunt. Dass Maliks Karriere steil nach oben geht, beweist auch seine erste Single: „Say the Name“, samt in London gedrehtem Profi-Video.

Jeder der drei Blunt-Supports habe seine Qualitäten gehabt, erzählt Harris. „Bochum war sehr cool“, ein Zeltfestival, Menschenmassen, klasse Akustik. In Aschaffenburg hat er Open Air gespielt, tagsüber. „Das war schön, weil ich auch mal die Gesichter meiner Zuhörer sehen konnte.“ Sonst blenden die Scheinwerfer, die Masse versinkt im Dunkel. Aber auch Coburg sei spannend gewesen. Schwierig, denn die Zuhörer saßen auf Stühlen. „Die Leute zu bewegen, ist da doch um einiges schwieriger. Aber ich hatte das Gefühl, dass meine Songs angekommen sind.“ Jetzt steht noch Blunt in Berlin aus, am 2. September im Sommergarten der Messe. 10.000 Zuschauer haben da Platz.

Natürlich gibt es noch Anfangsschwierigkeiten. Dass man dem sitzenden Publikum sagen muss, dass sie aufstehen sollen, „weil sie es sonst nicht dürfen“, sagt Harris. Aber egal, er macht Eindruck. „Ich durfte wahnsinnig viele Autogramme geben.“ Und Komplimente empfangen. Auch der Neuen Coburger Presse hat er gefallen: „Malik Harris faszinierte mit einer tollen Stimme und virtuosem Gitarrenspiel. ... Ein Name, den man sich schon einmal merken sollte.“ Na also.

Der Weg zum Erfolg

Maliks Musiktalent liegt in der Familie. Der Großvater war Opernsänger in den USA, sein Vater könne aus fast jedem Instrument Musik hervorlocken, erzählt er. Mit 13 fängt Malik an Gitarre zu spielen, bringt sich autodidaktisch Songs bei. „Mir fiel es leicht, meine Stimme zu verändern“, mal rau, mal soft. Um damit „aus jedem Song etwas Eigenes zu machen“. Bis zum wirklich ersten eigenen Song „Next Step“. Passender Titel. Denn er sei oft unsicher, gesteht der 21-Jährige, habe Angst, den nächsten Schritt zu gehen. „Aber mit dem Song habe ich die Angst zur Waffe gemacht.“

2017 spielt Harris auf dem Sammersee-Festival, danach öfter im aQuadrat, wo er neben der Musik und dem Französisch- und Spanischstudium arbeitet. „Dann habe ich ganz viel Glück gehabt“: Im aQuadrat sieht ihn Marie Kobylka, die Sängerin der Münchener Band Cosby. Die lässt Malik beim Schlagzeuger Robin Karow vorspielen – und schon ist er Support für Cosby. Im März steht er in Leipzig das erste Mal auf einer großen Bühne: „Ich war unfassbar aufgeregt, hab extrem gezittert. Und hab gleich vor der ersten Aktion einen Fehler gemacht“, lacht Malik. Anstatt gespielt cool drüber wegzuspielen, hat er den Zuschauern seine Aufregung gestanden. Und das Publikum sofort auf seiner Seite gehabt.

Das erste Highlight sei der Auftritt von Cosby in der Hamburger Prinzenbar gewesen. „Ein wahnsinnig kleiner Raum, voll, und ich saß mittendrin“, erzählt Malik, winkelt dabei die Arme eng an. Und dann sei da dieses grandiose Gefühl gekommen: Das Gefühl, genau das zu machen, „was ich für immer machen will.“

Mehrere Booker hören ihn, holen ihn als Support. Für Jeremy Loops, für die amerikanische Sängerin LP. Oder für die Simple Minds. Ist das nicht ein völlig anderes Publikum? Eigentlich schon, erzählt Malik. Aber es hat trotzdem funktioniert. „Ich wusste gar nicht, dass die Leute noch so abgehen können“, grinst er. Mit „die“ meint er Ältere – Leadsänger Jim Kerr ist 59.

Und dann kommt Blunt

Schließlich meldet James Blunt Interesse an. „Da bin ich ausgerastet.“ Am Tag des ersten Blunt-Konzerts in Deutschland erscheint auch Maliks erste Single. Das Video dazu hat er mit Karow in London gedreht, in der Brick Lane, bei vollem Publikumsverkehr. „War schon seltsam, zwischen den Fußgängern zu tanzen, aber irgendwann war es ganz normal“. Schon zwei Tage nach Singleveröffentlichung läuft sein Song auf Bayern 3. „Das war ein unglaubliches Gänsehautfeeling: Man findet statt in der Musikwelt.“ Sogar seinen Namen habe der Moderator richtig ausgesprochen: Malik, Betonung auf der zweiten Silbe.

Als Support steht Malik eine halbe Stunde auf der Bühne. „Ich bringe fünf Songs. Und rede ziemlich viel.“ Zum Inhalt der Songs oder auch darüber, warum er Britney Spears covert: „Ist ja nicht gerade mein Stil.“ Der liegt eher zwischen Singer/Songwriter und Rap. Obwohl Malik selbst die Bezeichnung Rapper nicht mag, auch wenn Eminem eines seiner Idole ist: „Ich singe einfach ein bisschen schneller.“

Sprache der Musik

Seine Musiksprache ist Englisch: Der Landsberger ist zweisprachig aufgewachsen, Vater Amerikaner, Mutter Deutsche. „Aber im Deutschen fehlen mir manchmal die Worte. Englisch bringt es auf den Punkt.“ Auch wenn er von Goethes Faust hingerissen ist: „Man kann offensichtlich auch auf Deutsch geil schreiben.“

Er schwärmt auch für einen deutschsprachigen Rapper, Käptn Peng. Dessen Texte seien poetisch, tiefgründig, psychologisch. Er will, dass man seine Songs nicht nur hört, sondern auch versteht. „Es ist mehr als nur Klang.“ Wenn Malik über seine Texte spricht, geht es viel um Phonetik und Bedeutung: Es muss klanglich passen und eine Verbindung zu ihm haben, „eine Geschichte erzählen.“

Malik ist ein Phonetik-Freak. Nicht nur das Zeilenende soll sich reimen, „alles soll eine phonetische Wortgruppe bilden und Sinn haben“. So passt in „Say the name“ der neuseeländische Ort Lower Hut phonetisch, aber „zudem ist es der Ort, der am weitesten von hier entfernt ist“. Ein Ort, in dem er „Say the Name“ – also seinen Namen – auch gerne hören würde.

Manchmal grübelt Malik tagelang nach diesem einen, fehlenden Wort. Ed Sheeran schreibe fünf Songs am Tag. Zuerst habe ihn das demotiviert. „Aber es ist ok, dass ich länger brauche. Ich mag jeden Song, stehe hinter jeder Zeile.“ In die er auch gerne Referenzen einbaut. Natürlich von Eminem. Aber auch das „I solemnly swear that I‘m up to no good“ aus Harry Potter.

Der nächste Auftritt in München ist am 14. Oktober im Milla-Club, als Support für Pish von der norwegischen Indie-Pop-Band mit dem einprägsamen Namen Kakkmaddafakka. Und dann? Support für Ed Sheeran wäre toll. „Aber ich versuche, nicht zu hoch zu träumen.“ Malik weiß, dass es auch Zeiten geben wird, wo das Glück ihm nicht so breit lacht.

Wie seine Zukunft konkret aussieht, kann er nicht sagen. Aber er hat eine Vision davon: „Ich will einfach auf der Bühne stehen, eine Menschenmenge vor mir. Ich spiele einen Ton und sie singen den Text, den ich in meinem Schlafzimmerchen geschrieben habe. Das ist mein Traum. Tausend Leute, die meine Songs singen.“

Susanne Greiner

das Video zu Malik Harris' Singel "Say the Name"

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