Oberbürgermeisterkandidaten im Porträt

Die Landsberger OB-Kandidaten: Doris Baumgartl (UBV)

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„Wenn man etwas bewegen will, muss man es selbst machen“, ist die UBV-Kandidatin Doris Baumgartl überzeugt.

Landsberg – Im Rathaus arbeiten – das war Doris Baumgartls Ziel, lange bevor sie OB-Kandidatin der Landsberger UBV wurde. Sie hatte damals gerade ihr Studium als Diplom-Verwaltungswirtin abgeschlossen. Und zwar so gut, dass sie sich ihren Aufgabenbereich bei der Stadt München praktisch aussuchen konnte. Sie wusste, was sie wollte – ins Rathaus eben, um möglichst breit gefächerte Aufgaben zu bekommen.

Die Bereiche, die man der damals 23-Jährigen anvertraute, standen weit mehr im Fokus der Öffentlichkeit als vieles andere kommunale Tun. Baumgartl war für das Personal an den städtischen Kliniken zuständig und für die Münchener Philharmoniker. Dafür brauchte es nicht nur Fachkompetenz, sondern auch Fingerspitzengefühl. „Weder Chefärzte noch Musiker haben eine große Affinität zu Verwaltungssachen“, sagt Baumgartl und lacht. Dafür zu sorgen, dass alles richtig lief und alle sich wohlfühlten – das lag ihr. Und lange Stadtratssitzungen können sie seitdem auch nicht mehr schrecken.

Bevor sie sich für das Verwaltungsstudium entschied, hatte die gebürtige Münchnerin an der Ludwig-Maximilians-Universität zwei Semester Politologie studiert. „Aber das war mir zu wenig praxisorientiert“, erzählt sie. Der Wechsel an die Beamten­fachhochschule entpuppte sich als die richtige Wahl. „Das hat mir viel Spaß gemacht, weil man Einblick in so viele Bereiche bekam – von Personalwesen über Steuern und Standesamt bis hin zu Bausachen und Bestattungswesen.“

Baumgartl ist die ältere zweier Töchter eines konservativ geprägten Elternhauses. Die Mädchen waren zwölf und zehn, als plötzlich die Mutter starb und das Leben sich schlagartig änderte. Die Schwestern kamen auf eine Klosterschule in Garmisch-­Partenkirchen.

An die Zeit im Internat hat die 57-Jährige gute Erinnerungen, zu manchen der inzwischen hochbetagten Klosterschwestern heute noch Kontakt. „Sie waren fürsorglich und liebevoll. Wir wurden sehr behütet.“ Gewisse Freiräume habe man sich als Teenager trotzdem schaffen können, erzählt sie augenzwinkernd – ist aber viel zu diskret, um Details zu verraten.

Auch ihre eigenen Kinder hat Baumgartl an eine kirchliche Schule geschickt – nach St. Ottilien. Auch wenn IKG und DZG viel näher gewesen wären. Die christliche Prägung, die Vermittlung von Werten, die Sozialkompetenzen und auch die Wertschätzung, die man den Kindern in St. Ottilien entgegenbringe, betrachtet sie als mindestens ebenso wichtig wie die Lerninhalte. „Und ich finde Schulen schön, wo jeder Schüler auf dem Gang mit Namen gegrüßt wird.“

Inzwischen sind die Kinder erwachsen und studieren in Öster­reich, doch den Spagat, den alle berufstätigen Mütter kennen, hat Baumgartl noch gut in Erinnerung. Sie arbeitete inzwischen nicht mehr im Münchener Rathaus, sondern im Klinikverbund, wo sie zunächst für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit und dann für Kongressorganisation zuständig war. Ihre Tochter ging damals schon in den Kindergarten, der Sohn bekam einen Platz in der Krippe des Klinikpersonals – einen Steinwurf von Baumgartls Büro. „Das war ein großes Glück. Luxus pur.“

Den Vater ihrer Kinder, den Endokrinologen und Nuklearmediziner Hans-Joachim Baumgartl, lernte die OB-Kandidatin über ihre Arbeit kennen, war sie doch unter anderem für den Ärztlichen Dienst am Schwabinger Krankenhaus zuständig. Schnell stellte sich jedoch heraus, dass es eine gemeinsame Vergangenheit gab, die weit zurückreichte – die beiden waren in der Grundschule in einer Klasse gewesen. „Manche Dinge sind einfach Schicksal“, sagt Doris Baumgartl und schmunzelt.

Beruflich wurde ihr die Verwaltungsarbeit irgendwann zu eng. Sie wollte gestalten, etwas bewegen – die Chance dazu bekam sie im Städtischen Klinikverbund in München, wo sie zunächst Marketing und Öffentlichkeitsarbeit aufbaute und dann für Kongressorganisation zuständig war.

2001 zog die Familie nach Landsberg, wo Baumgartl für ihren Mann das Praxismanagement übernahm. Ihre erste Fahrt die Neue Bergstraße hinunter hat sie noch lebhaft vor Augen – „diesen gigantischen Blick auf Landsberg, den vergisst man nicht“.

Zur Kommunalpolitik kam die Tennis- und Golfspielerin über die Bekanntschaft mit Alt-OB Franz-Xaver Rössle. An der UBV gefällt ihr die Unabhängigkeit, die dadurch unterstrichen wird, dass es sich um einen Verein und keine Partei handelt. Zu ihrer ersten Stadtratskandidatur 2014 motivierte die zweite Bürgermeisterin unter anderem das, was sie als fehlende Transparenz der Stadtpolitik empfand, gerade in Zeiten der Derivat-Affäre. „Ich konnte nicht verstehen, warum man im Internet nichts über die Stadtratssitzungen nachlesen konnte.“ Dass das heute anders ist, „war ein hartes Stück Arbeit gegen stärkste Widerstände – und heute hat das Kind viele Väter“, sagt sie schmunzelnd.

Privat mag Baumgartl Fußball und Eishockey, Theater, Museen, den Fasching und ihre drei Katzen. „Und Stadtführungen“, fügt sie hinzu. „Ich liebe Stadtführungen.“ Mochte die Familie nach acht Stunden Sankt Petersburg streiken – in die Eremitage ging sie dann eben alleine.

Dass Doris Baumgartl nun für den Chefsessel im Rathaus kandidiert, hat sie sich lange überlegt. Und lange mit ihrem Mann und ihren Kindern diskutiert, die sie voll unterstützen. Denn es ist halt so: „Wenn man etwas bewegen will, muss man es selber machen.“
Ulrike Osman

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