Oberbürgermeisterkandidaten im Porträt

Die Landsberger OB-Kandidaten: Felix Bredschneijder (SPD)

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Genießt sein Leben in der Altstadt: Der SPD-OB-Kandidat Felix Bredschneijder.

Landsberg – Manchmal sitzt Felix Bredschneijder auf der Straße. Nun, nicht ganz. Er nennt es sein Wohnzimmer: eine Tapete direkt aus den 70ern und davor zwei Sessel, die noch etwas älter sind. Zusammen ergibt das Bredschneijders OB-Wahlkampflokal. Werden die honigorangenen Sessel mal nicht politisch eingesetzt, haben sie eine mindestens ebenso kommunikative Rolle: Sie stehen an Bredschneijders Küchentisch. Zusammen mit seiner Frau Luisa – auch ‚die Schuhmacherin‘ – und dem Hund Anda – auch ‚Bumpy, Der Bump oder Giselar – genießt er sein Leben in der Landsberger Altstadt: im Haus der ehemaligen Schuhmacherei Schmid.

Am Tag seines 42. Geburtstages hat Bredschneijder ein großes Problem – wörtlich: Die Wohnung bekommt ein neues Sofa. Das steht dank engem Treppenhaus im Hinterhof und muss jetzt via Seil über die Dach­terrasse des Hauses in die gute Stube; die Freunde zum Ziehen sind schon da. „Wird schon klappen“, sagt Bredschneijder. Der Mann ist offensichtlich Optimist. Und einer, der Probleme lieber angeht, als sie aufzublasen.

Lösungsorientiert muss Bredschneijder sein. Schließlich arbeitet er als Anwalt. Seine Leidenschaft für Jura entdeckte er früh: „Das begann mit einer Schulexkursion ins Gericht“, erzählt er. Die Schule war das IKG, das Gericht das Landsberger Amtsgericht. „Und der Richter damals war Dieter Völkel.“ Ihm habe das „Gewese“ da gefallen. Und dass Jura einem so viele Möglichkeiten offenlasse.

Während des Studiums an der LMU genoss er mehrere Jahre Dreier-WG-Erfahrung. Danach kam das Referendariat als Anwalt. „Und da habe ich gemerkt, dass das genau mein Ding ist.“ 2006 startet er als Angestellter in einer Landsberger Kanzlei, inzwischen ist er selbstständig .

Zwar ist Bredschneijder in München geboren. Aber schon nach einer kurzen Interimszeit am Wörthsee schlugen seine Eltern mit dem damals Sechsjährigen in Pflugdorf auf, über Stoffen ging es nach Landsberg: Da war Bredschneijder 14. Und ein Jahr später schon bei den Jusos. „Ich war immer ein politischer Mensch. Und habe inzwischen eine Leidenschaft für die Kommunalpolitik.“ Bis er mit 18 zum ersten Mal als Stadtrat kandidieren wird, ist er Schulsprecher und Mitglied im Jugendbeirat, „damals hieß das noch Ring politischer Jugend“. Mit dabei waren auch Moritz Hartmann und Thomas Eichinger, „es war ein Freundeskreis“. 2014 schließlich schafft er den Sprung in den Stadtrat, anschließend auch in den Verwaltungsrat der Stadtwerke.

Und wie kommt man in Bayern zur SPD? Schon seine Eltern seien eher alternativ gewesen: „In dem Sinne von ‚Man kann auch mal neue Wege gehen‘“, erzählt Bredschneijder. Sein Vater, ein Holländer, zog zu seiner Mutter nach München und blieb dann als Hausmann mit dem Kind daheim, während die Frau das Geld verdiente. Die Entscheidung für die SPD haben auch zwei Persönlichkeiten beeinflusst: Willy Brandt und Helmut Schmidt. Wie Schmidt bei der Entführung der ‚Landshut‘ die Verantwortung übernommen habe, seine Prinzipientreue, Geradlinigkeit und Standhaftigkeit, „das ist für mich ein Vorbild“.

Der Jurist entschied sich gegen das Militär und für 13 Monate Zivildienst, den er in der Sozialstation St. Martin ableistete. „Ich habe mich bewusst für die Altenpflege entschieden“, erzählt er. Nicht Essen fahren, sondern im direkten Kontakt mit den Menschen sein. „Wir waren damals eine tolle Truppe.“ Man habe sich morgens beim Bäcker zur Lagebesprechung getroffen, Touren so gelegt, dass der eine dem anderen helfen konnte. „Diese Zeit hat mir eine neue Sicht aufs Altwerden verschafft“, sagt er. Dass da Menschen mit so vielen Geschichten waren. Einer habe als Gedächtnistraining Balladen rezitiert, „da habe ich Chamisso kennengelernt“. Und gelernt, in schwierigen Situationen ruhig zu bleiben, „den Menschen ihre Würde zu lassen“.

Landsberg ist Bredschneijders Lebensmittelpunkt. Er liebt es zu Angeln, im Lech zwischen Pitzling und Dornstetten: „Um sieben morgens auf den See fahren, das ist Glück pur.“ Dort kann er sitzen, stundenlang – auch ohne Fang. Am Wochenende gehen er und Luisa raus, in die Berge oder auch nur in den Wildpark. Bredschneijder liebt den Lokalsport, spielte früher Basketball und ist oft im Sportzentrum zu finden, „eher laut im Stehbereich“. Entspannen kann er auch abends auf der Couch mit der Lieblingsserie. Oder beim Lesen. Gerade ist es Kehlmanns „Tyll“.

Wie schön die Lechstadt sei, habe er nochmals entdeckt, als er Luisa kennenlernte. Und anschließend Landsberg mit ihren Augen, später, als es ernst wurde, auch mit den Augen ihrer Eltern gesehen habe. „Landsberg hat sich da von seiner Angeberseite gezeigt.“ Die Hochzeit 2019 fand in Maßschuhen der Schuhmacherin statt: taubenblaues Leder, weiße Schnürsenkel. Landsberg sei für ihn Lebensqualität, sagt der 42-Jährige: „Du hast hier alles“.

Dass das auch verlorengehen könne, habe er als Stadtrat bemerkt. „Damit Landsberg so bleibt, dafür müssen wir etwas tun. Wir tun so vieles nicht.“ Die Vereine platzten aus den Nähten, der Wohnungsmarkt sei eng. „Landsberg soll wachsen, wir wollen junge Leute, Familien. Aber die müssen ihren Lebensmittelpunkt hier finden.“ Im Moment fehle ihm in der Lokalpolitik ein gewisser Weitblick, „das ist eher so ein Durchgewurschtel“. Bredschneijders Devise ist Leute zusammenbringen, Mittler sein, auch zwischen Verwaltung und Bürgern. Er will den Diskurs fördern, das Miteinander. Denn: „Ich habe nicht für alles eine Lösung. Aber ich weiß, dass man zusammen eine finden kann.“

Wenn er nochmal von vorn anfangen könnte, was würde Bredschneijder anders machen? „Tatsächlich nichts“, lacht der OB-Kandidat. Obwohl, etwas gebe es: „eine Ausbildung zum Schumacher.“
Susanne Greiner

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