Oberbürgermeisterknadidaten im Porträt

Die Landsberger OB-Kandidaten: Mathias Neuner (CSU)

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Der amtierende Oberbürgermeister Mathias Neuner mit seiner Frau Renate – hier ganz privat bei einem der wenigen ruhigen Urlaube.

Landsberg – Es liegt in der Familie: Sein Großvater war Bürgermeister, ein Cousin ist Bürgermeister, beide Großväter seiner Frau waren Bürgermeister und Mathias Neuner selbst ist momentan auch noch im Amt. Von sechs Uhr morgens bis abends um zehn sei er manchmal unterwegs, auch am Wochenende. Und jetzt noch der Wahlkampf, denn der CSUler möchte auch nach dem 1. Mai Oberbürgermeister sein. „Ich habe viel begonnen. Und das will ich auch zu Ende führen“, begründet er seine erneute Kandidatur. Einerseits fühle er sich dazu verpflichtet. „Aber ich freue mich auch sehr darauf.“

Eines, das Neuner auf jeden Fall zu Ende bringen will, ist der umstrittene Lady-Herkomer-­Steg. „Der Lechsteg ist mein Lieblingsprojekt. Das wird klasse!“ Eine Meinung, die nicht alle Bürger Landsbergs teilen. Was macht ein OB, wenn ihn verärgerte Menschen auf der Straße ansprechen? „Mit ihnen reden. Ich merke, dass es oft auch ein Informationsdefizit ist.“ Nach dem Gespräch seien manche dann überzeugt, „dass es doch gar nicht so schlecht ist“.

Der 53-Jährige hat auch vor seiner Zeit als OB viel gebaut. Denn nicht nur das Amt des (Ober-)Bürgermeisters, auch der Beruf des Bauingenieurs liegt in der Familie: beim Vater, bei ihm und demnächst auch beim Sohn. Und alle heißen Mathias.

Nach seiner Schullaufbahn – erst Spitalschule, bis zur Zehnten IKG, danach Fachoberschule in Kaufbeuren – fing er mit dem Bauingenieurs-Studium an der Fachhochschule München an. Da war der 1966 geborene Landsberger gerade mal 18 Jahre alt geworden. Seinen Abschluss machte er mit 22. Doch anstatt arbeiten zu können, musste er zum Bund. Kein Grund für Neuner, sich nicht gleich für ein zweites Studium einzuschreiben: Wirtschaftsingenieurwesen. Parallel zum Militärdienst? „Ich hab da Wache geschoben und meinen Urlaub aufgehoben.“ Und deshalb war er schon nach zwölf statt nach 15 Monaten durch – und konnte 1992 den Wirtschaftsingenieur abschließen.

Ein Werdegang, der eine Eigenschaft zeigt, die Neuner als seine Stärke bezeichnet: Durchhaltevermögen. Und Entscheidungsfreudigkeit. Wichtig seien ihm aber auch andere ‚preußische‘ Eigenschaften wie Pünktlichkeit und Disziplin. Seine Schwäche sieht er in einem ständigen Streben nach Veränderung. „Eine Sehnsucht nach Neuem, was ab und zu zur Belastung wird.“

Um das zweite Studium zu finanzieren, arbeitete er nebenher als Bauleiter bei einer Münchener Firma. Ein Projekt war da der Münchener Flughafen, „unglaublich spannend“, erinnert Neuner. Der andere große Pluspunkt dieses Jobs: Seine jetzige Frau Renate arbeitete dort im Sekretariat. Kennengelernt haben sie sich 1991, verheiratet waren sie im Oktober 1993. Aber vor der Heirat musste Renate noch einen Test bestehen: „Ich bin mit ihr einen Monat durch Indien gereist“, lacht Neuner. Mit dem Rucksack, ohne Luxus. „Wir sind super zurechtgekommen. Da wusste ich: Das klappt.“

Als seine Frau 1994 schwanger wurde, machte sich Neuner selbstständig. Und baute sein erstes Haus für die Familie, in Inning: „Wir waren bis über beide Ohren verschuldet. Aber es hat geklappt.“ Beim Bauen habe seine Frau mit angepackt, erzählt Neuner. Fliesenlegen, Bad-Einbau, Fußböden. Und so folgten dem ersten Do-it-yourself-Hausbau noch sechs weitere. „Wir sind viel umgezogen, fast wie Nomaden“, erinnert Neuner. Und lacht: „Aber jetzt habe ich seit acht Jahren kein Haus mehr gebaut.“

Seine politische Karriere startete 2011, als er zum Ortsvorsitzenden der CSU Landsberg gewählt wurde und ein Jahr später als OB-Kandidat antrat. „Eigentlich habe ich nicht damit gerechnet, OB zu werden“, sagt Neuner heute. Die Stichwahl gegen Ludwig Hartmann (Grüne) ging allerdings auch denkbar knapp (51,4 zu 48,6 Prozent) zugunsten Neuners aus.

Von seiner achtjährigen Amtszeit ist Neuner auch noch der Anfang in Erinnerung. „Es war ein neues Berufsbild, Dinge, die ich mir erst erarbeiten musste.“ Er sei auch in Fettnäpfchen getreten: „Dem Blumenladen würde ich heute nicht mehr kündigen.“ Schwierig sei auch der Moment gewesen, als Stadtkämmerer Peter Jung letztes Jahr gegangen sei. Mit ihm habe es eine gute Zusammenarbeit gegeben. Dass sich Jung für weniger Arbeit, somit für die Familie entschieden habe, könne er aber vollauf verstehen.

Die Entscheidung zur OB-Kandidatur wurde vorher im Familienrat besprochen. Besprechungen, die auch heute mit den drei Kindern – 12, 22 und 24 Jahre alt – noch regelmäßig stattfinden. Ob zum Beispiel der Kleinste damit zurechtkommt, dass der Vater wenig Zeit hat. Wie es ist, in der Öffentlichkeit zu stehen. Denn was Neuner trägt, ist seine Familie. „Es gibt nichts Wichtigeres. Und ohne meine Frau würde es überhaupt nicht gehen.“

Was er gerne mehr machen würde, ist das Reisen. Früher war er mit dem Rucksack fast überall, in Thailand, Singapur oder auch den USA. Vor allem Mexiko ist ihm im Kopf geblieben: „Als ich einmal auf einem Hochhaus in Chihuahua stand, ganz vorne an der Kante, und ein Gewitter aufkam.“ Oder als er den Popokatépetl mit seinen 5.452 Metern bestiegen hatte: „Da oben zu stehen, das war Glück.“

Hobbys habe er keine mehr. Keine Zeit. „Ich versuche, dreimal pro Woche zu laufen.“ Ab und zu lese er, Philosophie und Historisches. Für Romane fehle ihm die Ruhe, auch wenn er gerne mal wieder in eine Geschichte eintauchen würde. Zum Beispiel in seinen Lieblingsroman „Der Wüstenplanet“, Science-Fiction auf knapp 900 Seiten.

Der Wahl sieht Neuner gespannt entgegen. Aber: „Wie auch immer es ausgeht, meine Familie ist für mich da.“
Susanne Greiner

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