Oberbürgermeisterkandidaten im Porträt

Die Landsberger OB-Kandidaten: Moritz Hartmann (Grüne)

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Moritz Hartmanns Auto steht eher still. Denn der OB-Kandidat der Grünen fährt die meisten Strecken mit dem Rad.

Landsberg – Menschen oder Computer – so lauteten für Moritz Hartmann nach der Schule die beruflichen Alternativen. Er war gut in Mathe und den Naturwissenschaften, hatte Praktika bei Hirschvogel und einem Elektrobetrieb gemacht und überlegte, Informatik zu studieren. Doch dann kam der Zivildienst, den er bei der Lebenshilfe leistete. „Danach wusste ich: Ich will mit Menschen arbeiten“, sagt der OB-Kandidat der Grünen.

Die Familie Hartmann nicht zu kennen, ist in der Lechstadt kaum möglich. Die inzwischen verstorbene Mutter Uschi war in der Friedensbewegung aktiv und gehörte zu den Mitbegründern der Landsberger Grünen, Vater Andreas war bei der Organisation „Ärzte gegen Atomkraft“ und sitzt bis heute im Stadtrat, Bruder Ludwig ist Fraktionsvorsitzender der Grünen im Bayerischen Landtag. Und Moritz Hartmann ist quasi eine öffentliche Person, seit er in seiner Schulzeit begann, sich politisch zu engagieren. Einzig Franz, der jüngste der drei Brüder, steigt erst jetzt in die aktive Politik ein – er hat in Vilgertshofen die Grüne Gemeinderatsliste mitbegründet, die sich im März erstmals zur Wahl stellt.

„Wir sind absolut politisch aufgewachsen“, sagt Moritz Hartmann. „Bei uns zu Hause wurde schon am Frühstückstisch über Politik diskutiert.“ Die Lektüre mehrerer Tageszeitungen war für alle Familienmitglieder normal.

Seine erste politische Aktion war ein Schulstreik. Er war in der achten Klasse des Ignaz-Kögler-­Gymnasiums, als dort bei Umbauarbeiten Asbest aus den Treppenhäusern entfernt wurde. Mit einer Handvoll Mitschüler demonstrierte der damals 14-Jährige dafür, dass die Arbeiten nicht während der Unterrichtszeit stattfinden sollten – sondern dann, wenn niemand sich im Gebäude aufhielt. Schnell bekam die anfangs kleine Demo immer mehr Zulauf, auch von Lehrern. Irgendwann stand die ganze Schule vor der Tür. Ergebnis: Alle bekamen ein paar Tage unterrichtsfrei, während die Asbestarbeiten liefen. Die versäumten Stunden wurden an den folgenden Samstagen nachgeholt. „Das war uns vorher klar und es war völlig okay“, sagt Hartmann. Es ging ja nicht ums Blaumachen.

In der zehnten Klasse wurde er dann aber doch mal ins Direktorat bestellt und gefragt, „was das soll“, als er sich gegen eine Schul-Veranstaltung mit dem damaligen CSU-Europa-Abgeordneten Otto von Habsburg aussprach. Sie sollte für alle Zehntklässler verpflichtend sein und am Abend stattfinden. Hartmann wehrte sich gegen die parteipolitische Einfärbung einer Schulveranstaltung. Außerdem hätte kein Zehntklässler die Möglichkeit gehabt, abends noch mit dem Bus nach Hause zu kommen – und das Einzugsgebiet des IKG reichte damals noch bis zum Ammersee. Ergebnis des Gesprächs im Direktorat war ein Kompromiss: „Die Veranstaltung fand statt, aber man bekam keinen Ärger, wenn man nicht hinging.“

Wissen was läuft, mitreden und sich beteiligen – das war dem heute 43-Jährigen schon als Schüler wichtig. Hartmann gehörte ab 1993 dem ersten Landsberger Jugendbeirat an („das war eine Plattform, um Politik zu lernen, und für mich damals extrem spannend“), kämpfte für die Belange seiner Altersgenossen und ließ sich auch dann nicht aus dem Konzept bringen, wenn die kommunalpolitischen Mühlen extrem langsam mahlten. Die Genehmigung einer legalen Feuerstelle – die eigentlich am Lech liegen sollte, dann aber am Bolzplatz entstand – dauerte fünf Jahre. „Und dann gab es nach zwei Wochen die erste Anwohnerbeschwerde.“

Hartnäckigkeit und Kompromissbereitschaft in Verbindung mit einer scheinbar unerschütterlichen guten Laune haben ihn den Spaß am Ehrenamt nie verlieren lassen. Gemeinschaft war ihm schon immer wichtiger als Wettkampf – vielleicht hat er deshalb das Fußballspielen früh wieder aufgegeben und sich den Pfadfindern zugewandt, wo er lange Jugendleiter war.

Daneben machte Moritz Hartmann in der Stadt und im Landkreis offene Jugend-Kulturarbeit, er leitete 14 Jahre lang den Kreisjugendring, sitzt aktuell im Kreistag und im Stadtrat. Beruflich leitet der Diplom-Sozialpädagoge die Offene Ganztagsschule in Fuchstal, wohin er jeden Tag fährt – natürlich mit dem Fahrrad.

„Ich werde oft gefragt, ob ich überhaupt ein Auto habe“, sagt der langjährige Vegetarier. Die Antwort: Ja, er hat eins, aber es steht meistens still. „Ich fahre im Jahr 1.200 Kilometer Auto und 10.000 Kilometer Fahrrad“, stellt Hartmann die Relation klar. „Radeln ist einfach wahnsinnig angenehm und gut zum Runterkommen.“

Dass er als OB-Kandidat quasi in die Fußstapfen seines Bruders Ludwig tritt, der vor acht Jahren in der Stichwahl gegen Mathias Neuner nur knapp unterlag, stört ihn nicht. „Dass man verglichen wird, ist logisch, aber wir sind komplett unterschiedlich.“ Während es den jüngeren Bruder früh auf höhere politische Ebenen zog, fühlt sich Moritz Hartmann an der Basis am wohlsten. „Auch bei den Pfadfindern habe ich immer am liebsten die Gruppenarbeit gemacht.“

Seine Kandidatur hat er sich gut überlegt. Fest steht sie schon seit über einem Jahr – nach intensiven Diskussionen innerhalb der Landsberger Grünen. „Man braucht Zeit und Energie für den Wahlkampf“, sagt Hartmann. „Aber meine Arbeit kann ich ja deswegen nicht runterfahren.“ Dass er beides mit gleicher Ernsthaftigkeit betreiben würde, stand für ihn von Anfang an außer Frage.

Ob der Wahlkampf für ihn am 15. März endet oder in die Verlängerung geht, bleibt abzuwarten. „Ich hoffe, dass ich in die Stichwahl komme.“
Ulrike Osman

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