Der Bürgermeister und die Kultur

Was die Landsberger OB-Kandidaten zum Thema Kultur zu sagen haben

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Der amtierende OB Mathias Neuner (links) war der letzte in der ‚Kulturserie‘: Alle vier Kandidaten hatte Detlev Möller (rechts) zum Kulturgespräch in seine Ausstellung geladen.

Landsberg – Kultur steht nie an vorderster Stelle, wenn es um politische Ziele geht. Weshalb das Thema auch in den diversen Podiumsdiskussionen meistens nur am Rande gestreift wird. Was genau welcher Oberbürgermeister-Kandidat zur Kultur in Landsberg zu sagen hatte, fand im Rahmen der ‚textlichen‘ Ausstellung „Ins Leben greifen“ des ehemaligen Landsberger Pfarrers Detlev Möller statt: Bei vier Afterwork-Lesungen mit vier Kandidaten und vier Absichtserklärungen. Der Ort: die Säulenhalle, die jedem Aussteller offensteht. Und deshalb wohl einer der demokratischsten Kulturorte Landsbergs ist.

Am ersten Abend herrscht leichte Verunsicherung: Wo genau findet das Kulturgespräch jetzt statt? Dazu kommt, dass nur wenige Menschen anwesend sind – rund 15 Personen. Liegt es am mangelnden Interesse? Oder an mangelnder Werbung? Nicht viele wussten von der Veranstaltung. Und manch einer lief fälschlicherweise zur Wandelhalle.

Moritz Hartmann

Der OB-Kandidat der Grünen bedauert, dass sich nicht alle vier Kandidaten an einem Abend dezidiert der Kultur gewidmet hätten: „Der Austausch wäre spannend gewesen. Denn wenn eine Stadt wächst, müssen auch die Kulturangebote mitwachsen.“ Der Schwerpunkt des ehemaligen Kreisjugendring-Vorsitzenden: die Jugendkultur. Er bemerke oft, dass Wünsche der Jugendlichen, die eher nicht in das normale Kultur-Schema passten, an der Stadtverwaltung scheiterten. „Das Ordnungsamt ist da eher ein ‚Verhinderer‘“, sagt Hartmann. Er sehe die Stadt in der Pflicht, mehr Orte für kleinere Aktionen zu bieten, beispielsweise Musikbands. „Da fehlen in Landsberg einfach kleinere Bühnen.“ Dazu könne die Stadt leerstehende Gebäude zeitweise anmieten. Insgesamt wünsche er sich mehr Förderung seitens der Stadt. So denkt er an einen „Risiko-Topf“ für Open-Air-Veranstaltungen, der bei schlechtem Wetter greift. „Dazu ist ja kein immenser Betrag notwendig.“

Zweiter Schwerpunkt des Grünen-Kandidaten: die Erinnerungskultur. Die müsse man jetzt dringend angehen, da die Möglichkeit, Zeitzeugen zu befragen, schwinde. Die bisherige Arbeit sei absolut unzureichend. Ebenfalls dringend sei die Sanierung des Stadtmuseums: „Es sind jetzt schon zweieinhalb Generationen an Schülern, die ohne die Dauerausstellung aufwachsen.“ Auch in Bezug zur Landesausstellung sei Handeln nötig. Es gebe Pläne, wie man rechtzeitig fertig werden könne. „Meine Angst ist aber, dass alle Themen, die schon mal diskutiert wurden, jetzt nochmal aufgemacht werden.“

Doris Baumgartl

Das Herz der Kultur sieht die UBV-Kandidatin im Stadttheater. Bei dem es an der Zeit sei, baulich einiges auszubessern, sei der Bau doch nun auch schon 25 Jahre alt. Auch die Klosterkirche müsse dringend saniert werden.

In der Jugendkultur sei die Stadt mit der ‚Jungen Bühne‘ des Stadttheaters einen großen Schritt weitergekommen. Das neue Jugendzentrum werde hier ergänzen. Besonders stark sei die Stadt in Sachen Musik mit ihren qualitativ hochwertigen Konzertformaten und der Nachwuchsausbildung in der Musikschule. Auch die beiden Stadtkapellen würden die Musiker stark an die Stadt binden: „Das ist gelebte Jugendarbeit.“ Ansonsten fehle es aber an Jugendkultur. Insbesondere Angebote, die nicht so viel Geld kosteten. Auch die Öffnungszeiten diverser Gaststätten könne man im Sommer eventuell verlängern.

Dass diese Sparten ihr Format halten könnten, dazu müsse die Stadt die Rahmenbedingungen liefern. Mit dem Kulturbüro und Claudia Flörke habe man einen guten Ansprechpartner. Sie wünsche sie sich einen Überblick am Jahresanfang. Eventuell könne man auch jedem Jahr einen Schwerpunkt geben wie beispielsweise das Dominikus-Zimmermann-Jahr. Zudem solle man die Fördermöglichkeiten für Kulturschaffende besser nach außen tragen. Wobei hier eine Besucherin anmerkte, dass sie sich mehr lokale Künstler in den diversen Formaten wünsche.

Die Sanierung des Stadtmuseums müsse kommen, ebenso wie die Landesausstellung. Sie unterstütze Museumsleiterin Sonia Fischers Konzept der Dauerausstellung, auch, da beim Thema Erinnerungskultur nationale und internationale Experten mitarbeiteten. Ex-OB Franz-Xaver Rößle sprach sich dagegen aus, der Zeitgeschichte eine ganze Etage zu widmen. Er sehe darin die Absicht, der Europäischen Holocaustgedenkstätte Kaufering VII „das Wasser abzugraben“. Baumgartl entgegnete, dass sich beides nicht ausschließe. Aber: „Erinnerungskultur funktioniert nur vor Ort. Und da ist es mit ein paar Tafeln nicht getan.“

Felix Bredschneijder

Auf einer Skala von eins (schlecht) bis zehn gibt der SPD-OB-Kandidat Bredschneijder Kultur in Landsberg eine gute acht: Bunt und hochwertig sieht er das Angebot, zum Beispiel beim „sensationellen Theater- und Kinoprogramm“. Für ihn besteht die Aufgabe darin, dieses „kulturelle Feuer“ am Leben zu erhalten. Dabei könne die Stadt nicht selbst Kultur machen. Aber sie müsse die Rahmenbedingungen bereitstellen: „Die Kulturschaffenden machen lassen, ihnen Raum und Möglichkeiten geben.“

Was fehle, sei die Nutzung von Orten, an denen Kultur nicht unbedingt erwartet werde, „Räume für nicht Alltägliches“. Zum Beispiel die Nutzung der Altstadt als Bühne. Auch Jugendkultur könne hier wieder mehr Raum finden. Dabei „grätschen die Verwaltungsvorschriften aber manchmal hinein“. So zum Beispiel beim Soundlaster, der bereits nach dem dritten mal aufgeben musste. „Wir dürfen die Leidenschaft für Kultur nicht durch Vorschriften ersticken.“

Wichtig sei auch der Erhalt und die Gestaltung der Kulturräume. Wie mit der Säulenhalle umgehen? Was passiert mit dem Kulturbau im ULP? Da man erst nach Fertigstellung der Aula in der Mittelschule gemerkt habe, dass diese nicht für Konzerte geeignet sei, brauche Landsberg dringen einen größeren „Konzertsaal, der diesen Namen verdient“. Auch die Sanierung des Stadtmuseums sieht Bredschneij­der dringend: „Stadtgeschichte, das verwurzelt einen.“ Landsberg sei „so häufig von der Geschichte berührt“ worden wie selten eine Stadt dieser Größe. Zeitgeschichte sei wichtig, auch die nach dem Zweiten Weltkrieg. Auf die Frage der Finanzierung der Kulturbauten räumt Bredschneijder ein, dass „Neuverschuldung kein Schreckgespenst“ sei. „Landsberg geht es finanziell ziemlich gut.“

Landsberg werde wachsen. Und für diese neuen Landsberger müsse man auch die Kultur wichtig machen, um ihnen Landsberg als Lebensmittelpunkt zu bieten: „Man muss ihnen zeigen: Auf diese Stadt kannst du dich einlassen. Es ist für jeden etwas da.“

Mathias Neuner

Den Abschluss macht Amtsinhaber Neuner am Samstag. Zur Unterstützung – und zum professionellen Gedichtelesen – hat er MdL Alex Dorow mitgebracht. Seine kulturelle Beteiligung beschränkte sich momentan aus Zeitgründen aufs Lesen: „Wer wir sein könnten“, von Robert Habeck. Neuner benotet die Kultur der Lechstadt mit einer neun. Kultur sei nicht nur „Geigen und Gedichte“. Dazu gehöre auch die Gestaltung durch Bauten – „die baulichen Voraussetzungen schaffen, das ist Aufgabe der Stadt“ – und das Brauchtum: Lumpiger Donnerstag, die Wiesn, das Aufstellen des Maibaums – „alles, was Menschen zusammenführt und die Kommunikation fördert.“

Auch er sieht die Stadt als ‚Strukturschaffer‘ für die Kultur. So habe bei ULP von Anfang die Aussage gestanden: „Wir müssen einen Kulturraum schaffen.“ Dort entstehe nun ein „Veranstaltungssaal für 400, 500 oder 600 Leute“, in dem „nicht nur Messen, sondern auch Konzerte“ Platz fänden. Baukultur biete dabei der neue Europaplatz und auch die neue Lechbrücke, die zwei Bereiche der Stadt verbinde. Auch den Hauptplatz habe man durch die Umgestaltung zur Bühne für die Landsberger gemacht, „das ist gelebte Kultur“.

Mehr Raum für Kultur gebe es auch in der „bewusst an den Landkreis verkauften“ Lechturnhalle, die einen Raum für kulturelle Nutzung biete. Und auch im neuen Jugendkulturzentrum – „es heißt nicht mehr nur Jugendzentrum“ – könnten Jugendliche ihre Kultur verwirklichen. Auch wenn Neuner einen Wandel im Ausgehverhalten der Jugendlichen sieht: „Viele jungen Leute treffen sich mit Freunden zuhause.“

Auffallend bei allen vier Kulturgesprächen mit den Kandidaten: Am Ende kommt immer die Frage seitens der Zuschauer nach bezahlbarem Wohnraum. Vielleicht ist das mit ein Problem der Kultur: Das anderes immer wichtiger oder zumindest dringender zu sein scheint. Dabei wurde gerade das in allen vier Gesprächen deutlich: Kultur ist Lebensqualität.
Susanne Greiner

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