Ergreifendes Uraufführung und mehr

Glockenklang zur Orgelgala

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Ergreifende Schlusspunkt der Jubiläumsgala: die von Johannes Skudlik dirigierte Aufführung des Werks von Enjott Schneider mitten im Kirchenschiff. An der Orgel rechts Jürgen Geiger, der aus Apfeldorf stammende und nun in Weilheim aktive Kirchenmusiker.

Landsberg – Eine Vielfalt an Werken, Interpreten, Instrumenten und Klangfarben, wie sie nur selten zu hören ist, bekamen am Samstag die Besucher der Orgelgala in Landsberg vermittelt. Eine Rarität war das Glockenspiel aus Amsterdam. Das dreieinhalb Tonnen schwere Carillon gehört dem holländischen Musiker Boudewijn Zwart. Höhepunkt der Gala anlässlich des 30. Landsberger Orgelsommers war um Mitternacht die ergreifende Uraufführung des Werkes „Prophezeiung – Die vier apokalyptischen Reiter“ des Münchner Komponisten Enjott Schneider mit 20 namhaften Instrumentalisten aus vielen Ländern.

In der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt, zehn Minuten nach Mitternacht: Johannes Skudlik, Motor der Veranstaltung und Dirigent im Finale, senkt langsam den Taktstock. Der Klang der vier Hörner aus dem 19-köpfigen Orchester ist verklungen. Das Publikum ist ergriffen, manche Besucher sind regelrecht aufgewühlt; da vergehen mehrere Sekunden, ehe der Beifall zunächst zart einsetzt, dann kräftiger wird.

„Prophezeiung – Die vier apokalyptischen Reiter“ für vier Trompeten, genauso viel Hörner, Orgeln, Streicher sowie für Flöte und Pauken ist ein gewaltiges Werk des 1950 geborenen Enjott Schneider. Es nimmt Bezug auf die Offenbarung des Johannes, die in einem Kapitel die vier Reiter als Boten der nahenden Apokalypse zeigt. Und sie verkünden drastisch den Schrecken der Endzeit der Menschheit und das kommende Gottesreich.

Konzentriert dirigiert Johannes Skudlik die Musiker, die im Mittelschiff der großen Kirche im Halbkreis vor ihm sitzen. Links die Trompeter und die Pauken, vor und hinter ihm die Orgeln, das Streichquartett rechts die Hörner. Links hinter beziehungsweise über ihm steht Lukasz Dlugosz auf der Kanzel. Er trägt die durchdringenden Einwürfe auf der Flöte und auf dem Piccolo bei. Mit ausgestreckter rechter Hand und Blick nach oben verlangt Skudlik den Einsatz der großen Schmid-Orgel auf der Empore. Ein imposanter Schlusspunkt, dieses Werk mit teils furchterregenden Passagen, teils friedlichen Abschnitten.

Zuvor erklingen zwei kürzere festliche Stücke, als sich zirka 400 Besucher zum Finale in Mariä Himmelfahrt einfinden. Zunächst ist dies eine Sonata von Alphonso Albertini. Hervorzuheben ist der weiche Klang der routinierten Blechbläser, die das Piano pflegen und im Forte nie zu dick auftragen. Aber rhythmisch hakt es mitunter. Johannes Skudlik schlägt mit Rücksicht auf die Akustik ein gemäßigtes Tempo an. Freilich: Die Darbietung bleibt viele Takte schwammig; Trompeten, Hörner, Orgeln und Pauken sind an mehreren Stellen nicht synchron. Skudlik verzichtet – leider – auf die klare Anzeige per Taktstock. Die lässigen Einsätze mit der linken Hand sind wenig präzise.

Besser ist das schon im Konzert a-moll von Johann Sebastian Bach, das der große Meister des Barock nach einer Vivaldi-Fassung bearbeitet hat. In diesem Werk kommen die Streicher hinzu, die virtuos spielen. Von Vorteil wäre es freilich, wenn das klassische Streichquartett mit zwei Violinen, Bratsche und Cello zu so einem Anlass mit einem Kontrabass bereichert wird, der in so einem Kirchenraum das Cello unterstützt und das charakteristische Klangvolumen entfaltet sorgt.

Aus Amsterdam

Viel Beifall erhält der Holländer Boudewijn Zwart für das Spiel des Carillons – ob nun solistisch in Stücken wie „In a Landscape“ von John Cage oder im Wechsel mit der Orgel in der bekannten Toccata und Fuge d-moll von Bach. Der 52-jährige Interpret aus den Niederlanden, der das 3,5 Tonnen schwere Instrument selbst mit Jeep und Anhänger von Amsterdam nach Landsberg und wieder zurück steuert, wird nach dem Beifall von vielen interessierten und fragenden Besuchern umringt, die mehr zu diesem Instrument wissen möchten, das in Süddeutschland selten ist, aber von denen es in Holland mehr als 250 Stück gibt.

Für die Jubiläumsgala haben sich Johannes Skudlik und seine Frau Sabine freilich noch viel mehr einfallen lassen. Sie beziehen auch die Ursulinenkirche am südlichen Hauptplatz und die Johanneskirche im Vorder-anger in das Programm ein. Akustisch ansprechende, heimelige Sakralbauten. Geeignet für Darbietungen wie Orgel, Wort und Gesang mit Jürgen Geiger aus Weilheim (Orgel), Thomas Skambraks (Bariton) und Alex Dorow (Rezitation). Diese feine Musik – sie hat bei der Orgelgala genauso ihren festen Platz wie das furiose Finale.

Johannes Jais

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