Opium für Landsberg

Landsberger Rapper Winston mit neuer Single »Endorphin«

Landsberger Rapper Winston
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Der Landsberger Rapper Winston meldet sich mit „Endorphin“ zurück.
  • Dietrich Limper
    vonDietrich Limper
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Landsberg – Lange Zeit war es still um den Rapper aus der Lechstadt: Christian Seidl aka Winston. Seit dem letzten Album „waschecht“ sind schon fast vier Jahre vergangen. Aber seit Freitag letzter Woche ist seine neue Single „Endorphin“ bei Spotify, Amazon oder iTunes zu hören. Der Mann mit dem sonoren Sprechgesang meldet sich mit einem Liebeslied zurück.

Endorphin – das Wort setzt sich zusammen aus „endogenes Morphin“ und bedeutet nichts anderes als „ein vom Körper selbst produziertes Opioid“. Auch wenn die Opioide seit Jahren zur häufigsten Todesursache in den USA geworden sind – Rapper Winston hat mit der Pharmaindustrie nichts zu tun. Sein Endorphin ist die Liebe, wie er im Gespräch mit dem KREISBOTEN erzählt: „Wie es im Rap so üblich ist, habe ich reichlich Metaphern in die Strophen eingestrickt. Die lassen genügend Spielraum für Spekulationen. Im Refrain wird allerdings schon klar, dass es wohl um das Gefühl des frisch-verliebt-seins geht. Endorphin eben. Nicht nur Teenagerherzen dürfen beim Küssen Samba tanzen. Aber da möchte ich nicht unbedingt zu weit vorgreifen - selbst anhören ist Trumpf!“

Um einen geschmeidigen Piano-Loop herum perlt der Beat vom Bremer Produzenten Bjorn von Kalt. Den 43-jährigen Sprachakrobaten Winston scheint es amourös schwer erwischt zu haben – anders sind seine Rhymes nicht zu interpretieren. Wie ist der Track entstanden? Winston berichtet: „Mein lieber Kollege und Beatbauer Bjorn hat mir den Beat zu ‚Endorphin‘ geschickt und ich hatte direkt einen Roten Faden im Sinn. Ich wusste zwar nicht von Anfang an, wo der hinführt, aber ich bin ihm gefolgt. Die drei Strophen waren innerhalb von zwei Tagen fertig und wurden seitdem auch nicht mehr verändert. Der Chorus, der die Strophen miteinander verheiratet und ihnen Sinn geben soll, kam etwas später, fast wie von selbst.“

Von der »Chefetage«

Der Rapper aus Landsberg ist kein unbeschriebenes Blatt. Bereits 1996 gründete er mit DJ Socka und Daster die „Chefetage“. Sie tourten durch Deutschland und veröffentlichten diverse Tonträger. Außerdem arbeitete er mit auf seinem Longplayer von 2017 mit DJ Stylewarz, PalOne, Donato, Tatwaffe, Spax und Flo Mega. Seitdem haben sich die Zeiten grundlegend geändert. Das Internet ist für die Distribution von Musik noch wichtiger geworden und physikalisch wird man „Endorphin“ niemals in Händen halten können. Und wie produziert man eine Single in Zeiten der Pandemie? „Als ich mit den Texten fertig war, herrschte strenger Lockdown. Das hat mir allerdings eher in die Karten gespielt, denn so war direkt am nächsten Tag im Studio SonauerSound in München ein Termin für mich und meine Aufnahmen frei. Dort stand ich regelkonform hinter Glas und kommunizierte über Kopfhörer und Mikro. Sicherer geht’s nimmer. Digitales Zeitalter. Fluch und Segen. Heute kann man Musik machen, ohne sich persönlich treffen zu müssen.“

Leben kann er von seiner Musik nicht, nach wie vor verdient er seine Brötchen als Vertriebler in einem Landsberger Unternehmen. Aber das findet er auch gut so und hat keine konkreten Pläne für die Zukunft: „Ich muss keinen Release-Terminen oder Label-Vorgaben hinterher hetzen. Ich kann ganz einfach warten, bis mich die Muse wieder küsst und mich was Feines schreiben lässt. Wann das sein wird, weiß ich nicht. Ich lass mich überraschen.“

Rap vom Osthügel

Diese Entspanntheit zeichnet auch „Endorphin“ aus. Winston beschwört treffende Metaphern und beeindruckende Bilder. Er variiert Reimtechniken und lässt seine Stimme wie ein Instrument auf den Hörer wirken. Wie würde er seinen Stil beschreiben? Hamburger Schule? Berliner Gangsta-Rap? Old School West Coast? Winston lacht: „Ich würde meinen Flow als relaxten Landsberg-Osthügel-Boom-Bap-Rap bezeichnen.“ Und etwas ernsthafter fügt er hinzu: „Es macht einfach Spaß, den Bleistift zu spitzen und mit Worten zu spielen. Wenn dabei ein rundes Stück Musik herauskommt, ist das großartig. Noch großartiger ist es, wenn sich die Leute das dann anhören können. Der Entstehungszeitraum vom Album von 2017 ging vom ersten Stück bis zur finalen Fertigstellung über zwei Jahre. Danach war erst mal Ruhe. Jetzt habe ich wieder Lust. Mal sehen wie viel Zeit diesmal vergeht, bis es mich wieder packt.“

Seine Fans werden sicher hoffen, dass er in naher Zukunft nicht nur von den Damen, sondern auch wieder von eben jener Muse geküsst wird. Landsberg, Deutschland und die ganze Welt kann seinen „mellow vibe“ in diesen Zeiten gut gebrauchen. Denn im Gegensatz zu den tödlichen Opioiden der Pharmaindustrie, ist Winstons Sound eher heilsam.

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