Landsberger Rathauskonzerte

Baumtrompeter und Posaunenriesen

NoPhilBrass in Landsberg
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Spaß und Klamauk gepaart mit hervorragender Musik: Das tapfere Hörnchen – natürlich Hornspieler Carsten Carey Duffin (links unten) – mit seiner frisch Angetrauten (Uwe Schrodl, Posaune). Kaiser Stefan Tischler an der Tuba freut sich mit Baum (und Erzähler) Herbert Zimmermann an der Trompete am jungen Hörnchen-Glück.
  • Susanne Greiner
    VonSusanne Greiner
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Landsberg – Kinder mögen Musik. Zumindest dann, wenn sie nicht mit gezwungen kindgerechte Pädagogik vollgestopft wird. Müssen Kinder auch beim Spaß haben musikalische Begriffe wie Moll und Dur, Walzer oder Sonate lernen, ist der Spaß oft ganz schnell vorbei. In diese Falle ist „NoPhilBrass“ beim Kinderkonzert am Sonntagnachmittag nicht getappt. In der coronakonform ausverkauften Aula der Mittelschule dominierte Lachen die Geschichte des „Tapferen Hörnchens“. Große und kleine Zuhörer folgten gebannt der Abenteuerstory. Und manch Kind war so hingerissen, dass es gleich schuhplattelnd um die Sitzgruppe tanzte. Alles erlaubt. Denn auch für die vier Musiker hatten ganz offensichtlich ungemein Spaß an ihrem entzückenden Klamauk. 

Laut tönt es vor der Aula der Landsberger Mittelschule, die Tür geht auf und die (an diesem Tag) vier Musiker betreten den Raum – mit ihrem Marschlied, wie die Zuschauer gleich darauf lernen. Marschlied deshalb, weil auch die Zuhörer dabei aufstehen und auf der Stelle laufen dürfen. Das ist der erste Trick, der die Bläser aus dem BR-Symphonieorchester erfolgreich macht: Sie beziehen die Zuhörer – und dabei vor allem auch die Kinder – von Anfang an ins Geschehen mit ein. Und verhindern so, dass manchem Kind vielleicht doch beim Stillsitzen die Hummeln im Hintern durchgehen.

Die Geschichte vom „Tapferen Hörnchen“ ist dabei die extrem verkürzte ‚Horn-Variante‘ vom „Tapferen Schneiderlein“: Es erschlägt sieben Fliegen – die zum Vergnügen der Kinder am Faden um die Hörnchennase taumeln und sirren –, klaut den bösen Riesen ihre Hüte und damit ihre Kraft und darf die Kaiserstochter heiraten. Und sie leben glücklich und zufrieden.

Nach dem ersten Marsch werden die Instrumente vorgestellt, die die Kinder alle mit lautem Rufen benennen können. Hornspieler Carsten wird als „Hörnchen“ vorgestellt und punktet gleich mal bei den Kindern, indem er sich beim Liegestützen-Machen grandios verzählt. Dass der Postbote auf einem Holz-Steckenpferd reitet, bringt die Kinder ebenso zum Lachen wie der Hofnarr des Kaisers mit Bimmelkappe oder am Ende Posaunist Uwe als bärtige Braut.

Die Musik dazu kommt nicht im angestrengt zu lernendem Korsett daher. Die vier spielen auch mit ihr unter anderem durch Geräusche. Da heult nicht nur der Wolf, da mähen Schafe, der Kuckuck ruft, ein Huhn gackert und die Kuh muht. Der Specht hackt beflissen auf Baum Stefan, Trompeter und Erzähler, herum. Die Riesen schnarchen gottserbärmlich aus ihren Blasinstrumenten – jeder Schnarcher ein Lacher. Und wenn sie sich streiten, machen sie das mit lauten Posaunentönen, mit denen sie sich letztendlich selbst umhauen.

Aber auch ein bisschen Musiktheorie packen die Musiker unbemerkt ins Programm. Dass es moll und Dur gibt, hören die Kleinen, wenn NoPhilBrass „Alle Vögel sind schon da“ eben auch mal in moll spielt. Dann erklingt das Volkslied als Walzer, wird anschließend verziert und wandert Richtung Mozart, wo es letztendlich auch von der „Vogelfänger“-Melodie, natürlich als „Fliegenfänger“ benannt, eingeholt wird. „Das kenn ich“, ruft ein Kind. Die Freude ist ihm anzuhören.

Ab und zu darf‘s auch schonmal ein bisschen Klassik sein, bevor die Dorfglocken zum Kanon „Frère Jacques“ läuten oder des Kaisers Fanfare aus dem Waldhorn erklingt. Und ja, das kann man auch alles noch leicht anjazzen.

Die Moral von der Geschichte: „Mit Köpfchen und Mut kriegt man jeden Hut.“ Für Erwachsene: Klassische Musik abseits von Pop und Co. kann auch kleinen Kindern ungemein Spaß machen. Man muss nur die Idee vergessen, ihnen dabei etwas beibringen zu wollen. Dann funktioniert das mit dem Lernen ganz von allein. Ein hervorragendes Kinderkonzert, finanziert vom Förderverein der Rathauskonzerte, das die Saison eröffnete. Gerne mehr davon. Das nächste Rathauskonzert ‚für Große‘ ist am 28. November: Runge & Ammon planen die Roll-over-Beethoven-Revolution!

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