Ein Spiel mit den Tasten

Die Landsberger Rathauskonzerte sind wieder da - mit Hisako Kawamura

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Endlich: Der Flügel im Rathausfestsaal erklingt wieder. Am Sonntag gab Hisako Kawamura gleich zwei Rathauskonzerte.

Landsberg – Hisako Kawamura ist Japans Lang Lang: fast schon ein Popstar. Das zeigt sich am Sonntagabend auch im Publikum: Fast die Hälfte der Zuhörer kommt aus Japan. Und alle haben ihren Nachwuchs mit dabei, festlich gekleidet. „Wir freuen uns, Sie nach der langen kulturellen Abstinenz wieder zu den Rathauskonzerten begrüßen zu können“, sagt der Vorsitzende des Fördervereins Rathauskonzerte Axel Flörke. Der Verein schießt finanziell kräftig zu, denn Kostendeckung ist mit maximal 50 Zuhörern nicht möglich. Aber immerhin gibt‘s von Ministerpräsident Söder noch ein kleines Geschenk: Ist man einmal am Platz, darf die Maske fallen.

Eine seltsame Stimmung. Es ist das erste Rathauskonzert seit Februar. Und nur knapp 50 Personen im Rathausfestsaal. Zwei Konzerte wird es geben, das erste startet um 17, das zweite um 19 Uhr. Und dann geht es erst wieder im Herbst weiter – wenn alles gut läuft. Jede zweite Reihe ist frei, die anderen sind nur am Anfang und am Ende besetzt. Das Stimmengewirr, die Vorfreude, die Festlichkeit gehen ein wenig abhanden. Aber dafür steigt die Brillanz. Denn was an Stimmung fehlt, wird durch den Steinway-Flügel wettgemacht – der bei weniger Personen und damit weniger „Schallschluckern“ einfach noch besser klingt.

Kawamura spielt Beethoven und Chopin. Namensgeber des Konzerts – „Das Wiedersehen“ – ist Beethovens Klaviersonate „Les Adieux“: „Wien am 4, Mai 1809, bei der Abreise seiner Kaiserlichen Hoheit, des verehrten Erzherzogs Rudolf“, vermerkt der Komponist zur Einleitung. Es ist eine Sonate über die Freundschaft zwischen Beethoven und seinem Gönner. Und schon die ersten Töne des ersten Satzes „Das Lebewohl“, ein dreisilbiges Motiv, machen die Wehmut des Abschieds deutlich. Im zweiten Satz, „Abwesenheit“, ist die Leerstelle zu hören, die der Erzherzog hinterlässt: Einerseits plätschert die Melodie dahin, andererseits scheint das Klavier die Töne nur stockend finden zu können. Doch welch ein Jubel im dritten Satz, „Das Wiedersehen“, geschrieben 1810: Läufe rasen, Dur jubiliert, Töne wie Fanfaren, die den Rückkehrer begrüßen.

Chopins Nocturne H-Dur steht dazu im Kontrast: ein erster Akkord führt ins romantische Drama, das sich in Lieblichkeit verwandelt. Schwelgerische Läufe und langanhaltende Triller: Die Töne befreien sich aus den Notenlinien, schweben außerhalb eines Rahmens. Auch die Verzierungen sind nicht festgesetzt wie noch in Barock und Klassik. „Scheinbare Zufälligkeit“ ist das Motto der Musik. Beim zweiten Chopin-Stück, dem Scherzo Nr. 4 in E-Dur wird der Rhythmus zu einem diffusen Tasten, das sich letztendlich aber wieder in Liedhaftigkeit fasst.

In Japan geboren, kommt die PIanistin bereits mit fünf Jahren nach Düsseldorf. Sie hat bereits zahlreiche Auszeichnungen erhalten, konzertiert weltweit. Zudem lehrt sie seit 2015 an der Folkwang Universität der Künste in Essen. Die 39-Jährige spielt, als ob die Töne aus ihren Finger tropften: Eine Abkürzung statt des Umwegs über Tasten und Hammer zur Saite. Das Spiel der 39-Jährigen ist leicht, klar, direkt, ungemein ausdrucksstark. Und die Technik so präzise, dass sie in Vergessenheit gerät: Kawamuras Spiel ist im wörtlichen Sinne Spiel.

Auch wenn der Applaus der 50 Zuhörer nicht die Lautstärke der ‚normalen‘ Konzerte erreichen kann, fehlt ihm nichts an Intensität. Weshalb sich Kawamura nochmals an den Flügel setzt. Und mit Chopins „Fantaisie-Impromtu“ den Sommerabend ausklingen lässt. Erhebend und grandios.
Susanne Greiner

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