Ratsschmankerl

Nur mit Rotwein

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Auf a Glaserl Wein zum Ratsschmankerl...

Landsberg - Dass Haushaltsreden und Anträge durchaus humorvoll sein können, bewiesen die Stadträte Felix Bredschneijder (SPD), Jonas Pioch (Landsberger Mitte) und Jost Handtrack (Grüne) in der jüngsten Sitzung des Landsberger Stadtrats.

Die Entstehung einer Haushaltsrede sei, so begann Felix Bredschneijder, ohne Bereitstellung einer Flasche angenehmen Rotweins unmöglich. Nach der Vertiefung in das komplizierte Zahlenwerk dränge sich die Frage auf, ob noch etwas Sinnvolles im Kühlschrank sei - ein Leberwurstbrot verspreche mehr Gewinn als mancher Haushaltstitel. Erfreulich sei, dass Kämmerer Peter Jung in die Haushaltsunterlagen viele Grafiken und Vergleiche aufgenommen habe. Daraus werde deutlich, dass wir „offenbar fast immer besser sind als irgendwelche andere - das muss ja gut sein“.

„Zu Beginn der zweiten Bouteille“, so Bredschneijder, komme die Hoffnung auf, beim Studium der Einzelbudgets irgendeine versteckte Ungeheuerlichkeit zu finden. „Die meiserliche Entdeckung!“, wünschte sich der SPD-Stadtrat in Anspielung auf seinen Kollegen Stefan Meiser von der ÖDP. So gehe man dann „in trüffelschweinischer Euphorisierung“ mitten hinein ins erste Budget. Und werde sofort fündig: Da gebe es ein horrendes Buchungskonto mit Aufwendungen in den Hunderttausenden, aber einem Ertrag von Null. Genaues Hinsehen führe dann aber zu der Erkenntnis, dass es das nicht zu beanstandende Budget des Oberbürgermeisters sei.

Auch Jonas Pioch begann seine Rede mit einer Erzählung. Er habe am Vorabend mit Freunden „auf eine Apfelschorle“ beisammengesessen. Einer davon habe den Landsberger Haushalt mit seinem eigenen verglichen. Zuhause wische er mal gelegentlich durch, damit der äußere Eindruck besser sei. Was sich in den Ecken und Schränken verstecke, interessiere ihn allenfalls mal in ein paar Jahren. Hauptsache, die Optik stimme.

Dieses Gefühl habe man auch beim Haushalt der Stadt: Er mache einen wirklich akzeptablen Eindruck. „Aber wir haben wahrscheinlich irgendwann mit den Staubablagerungen hinter den Schränken zu kämpfen“. Zu diesem Staub gehören nach Piochs Meinung beispielsweise die Folgekosten des Papierbach-Projekts, die Kostenmehrungen bei der Obdachlosenunterkunft und die steigende Kreisumlage, wenn das neue Landratsamt wirklich gebaut wird.

Das alles glauben wir Pioch. Die Apfelschorle stellen wir aber ebenso in Frage wie die „zweite Bouteille“ von SPD-Rat Felix Bredschneijder.

Das Thema Alkohol spielte in der Sitzung noch ein drittes Mal eine Rolle. Jost Handtrack hatte sich bei der Beratung des von Stadtrat Wolfgang Weisensee vorgeschlagenen Branntwein-Verbots am Lumpigen Donnerstag so über die Formulierung von zwei Stadträten geärgert, dass er kurz darauf einen nicht wirklich ernst gemeinten Antrag stellte. Die Stadträte hatten bei der Beratung im Dezember vom Selbstbestimmungsrecht der Bürger gesprochen. Wenn das ein valides Argument sei, dann fordere er nun auch die Aufhebung des Verbots, am Lumpigen Donnerstag in der Altstadt offen Alkohol zu konsumieren; auch das widerspreche dann dem Selbstbestimmungsrecht.

Wie so oft bei Ironie gab es allerdings ein Problem: Stadtverwaltung und Stadträte waren zunächst unsicher, ob Kollege Jost das ernst meint. Nachdem Oberbürgermeister Mathias Neuner schon mit der Lands berger Polizei gesprochen hatte und mit der Gefahrenquelle Glasscherben argumentierte, die es zu vermeiden gelte, zog Grünen-Rat Jost Handtrack den Antrag gerade noch rechtzeitig zurück.

Werner Lauff

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