Freiraumgestaltung durch "Drei Sterne plus"

"The Dominikus" als Entree im Landsberger Osten

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Auf bis zu sechs Etagen soll das neue Hotel "The Dominikus" bis 140 Zimmer bieten.

Landsberg – Es ist immer wieder erstaunlich, wie blumig die Stadtverwaltung Bauvorhaben anpreist. Auch diesmal kommt sie aus dem Schwärmen kaum heraus. Diese Aufwertung der Stadteinfahrt durch straßenraumbildende Bebauung! Diese hochwertige Freiraumgestaltung mit Anbindung an die freie Landschaft! Diese straßenbegleitende Anordnung! Dieses teilweise begrünte Flachdach! Diese akzentuierte Eckbebauung! Diese Vor- und Rücksprünge, die dazu führen, dass „ruhige Freiflächen im straßenabgewandten Bereich zu liegen kommen“! Ist das nicht herrlich? Muss man ein solches Bauvorhaben nicht mit Begeisterung beschließen?

Auf dieser bisher landwirtschaftlich genutzten Wiese an der Weilheimer Straße soll ein Sechs-Etagen-Hotel mit bis zu 140 Zimmern entstehen.

Angesichts einer solchen Symbiose von Verwaltungsästhetik und Investorenkalkül wundert man sich nicht, dass die Stadträte der Aufstellung des vorhabenbezogenen Bebauungsplans in der letzten Sitzung mit 22 gegen zwei Stimmen zugestimmt haben. Man fragt sich nur: Warum hat es denn für das neben Feneberg im Landsberger Osten geplante ganztägig geöffnete Sechs-Etagen-Hotel im gehobenen Segment (3 Sterne plus) mit 120 bis 140 Zimmern, davon 40 bis 50 Prozent Nutzung als Boarding-House, keinen Applaus gegeben?

Ein Restaurant und eine Bar mit Tagungsbereich für 150 Personen, ein Reha-Bereich samt Physiotherapie, ein Eingang mit Rezeption und Backoffice, eine Betriebsküche und 30 Beschäftigte – ist das etwa nichts? Und dann die Aussicht: Da nebenan alte Höfe liegen, wo Menschen anderthalbgeschossig wohnen, sieht man, „direkt am Siedlungsrand“, aus den oberen Stockwerken über die Relikte der Landwirtschaft hinweg. Das ist doch grandios!

„An der Ortseinfahrt an der Weilheimer Straße steht das Grundstück Flurnummer 2001, Gemarkung Landsberg, für eine Nachnutzung zur Verfügung“, heißt es in der ­Verwaltungsvorlage schlicht. Mit anderen Worten: Die Eigentümerin ist den Verlockungen der Schleier Grundstücks- und Vermögensverwaltungsgesellschaft mbH, Stadtbergen, vertreten durch die Landsberger Makowski Marketing & Projektmanagement Verwaltungsgesellschaft mbH, erlegen; sie hat verkauft. Die Landwirte nebenan hatten sich erhofft, den Charakter des Gebiets erhalten zu können. Sie hätten aber nur „normale ­Preise“ bezahlt. Bald schauen sie, wie Berthold Lesch (CSU) in der Sitzung zu bedenken gab, „gegen eine 15 Meter hohe Wand“.

The Dominikus

„Nicht, dass die Höfe nachher weg müssen“, warfen Reinhard Skobrinsky (BAL) und Stefan Meiser (ÖDP) in der Stadtratssitzung ein – man weiß ja, wie das mit heranrückender Bebauung so ist. Nein, „die Verträglichkeit der Nutzungen ist zu sichern“, antwortete Stadtbaumeisterin Birgit Weber. Vor einem Jahr hatte sie den Bau-, Planungs- und Umweltausschuss des Stadtrats ein erstes Mal über „The Dominikus“, so der Name des Hotels, informiert. Damals wollte der Projektentwickler im Erdgeschoss neben dem Physio-Bereich noch einen privaten Kindergarten und eine private Kinderkrippe errichten; davon ist nun keine Rede mehr. Dafür sind aus „zwei Sternen plus“ „drei Sterne plus“ geworden. Das Hotel hat schon vor seinem Bau Karriere gemacht.

Noch etwas Weiteres verwundert: Die Faschierung der Fenster ist eher bunt, die Kubatur des Hauses scheint aber schulmäßiger Geometrie zu entsprechen. Anders ausgedrückt: Besonders kreativ sehen die Baukörper nicht aus. Die planenden „tröger architekten“, die auch den neuen Kratzer Keller gestalten (mehr dazu auf Seite 4), fühlen sich hingegen eigenen Angaben zufolge von Landsberg inspiriert. „Volumen, variierend. Fassaden, springend. Lochfassaden, variierend. Putzoberflächen, farbig. Ornamente und Muster. Materialsichtigkeit“ steht substantiviert in der Sitzungsvorlage.

Aber davon verstehen wir nichts. Wenn wir die Pläne anschauen, sieht Landsbergs neues Ost-Entree ziemlich ibis-mäßig aus.

Doch das ist ja nur der Anfang. Nun kommt als nächstes ein Bebauungsplan, der alles aufklären und abwägen wird. Und eine Änderung des Flächennutzungsplans, weil es mit der Landwirtschaft nun vorbei ist. Dann wird der Stadtrat erneut beraten. Er wird in der Vorlage der Verwaltung von einer aufwertenden straßenraumbildenden hochwertigen freiraumgestaltenden straßenbegleitenden akzentuierten Bebauung lesen. Und vielleicht wird er dann ein wenig nachdenklich.

Werner Lauff

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