Gestern Abend im Landsberger Stadtrat:

Weniger Parkplätze, sonst nichts

+
Der Stadtrat hat's gestern beschlossen: Anwohnerstellplätze aus dem Altstadtbereich, insbesondere aus dem Vorder- und Hinteranger sollen verlagert werden.

Landsberg – Der Stadtrat hat am Mittwoch mit 19:8 Stimmen den Grundsatzbeschluss gefasst, Anwohnerstellplätze aus dem Altstadtbereich, insbesondere aus dem Vorder- und Hinteranger, zu verlagern. Damit hat er die formale Voraussetzung für eine Bezuschussung der erwogenen Tiefgarage unter dem Jugendzentrum geschaffen. Vorschläge der Verwaltung zum weiteren Vorgehen waren aber nicht mehrheitsfähig. Dadurch ist die in Kürze anstehende Entscheidung über den Garagenbau erheblich erschwert.

Am Tag nach der hitzigen Debatte galt es, zunächst einmal Ordnung zu schaffen: Was ist in der angespannten Atmosphäre eigentlich vereinbart worden und was nicht? Die vielleicht wichtigste Nachricht: Eine Fußgängerzone „Vorderanger“ ist so gut wie vom Tisch. Zur Debatte steht allenfalls noch eine „Verkehrsberuhigung“, aber auch die erst nach konkreter Planung und Bürgerbeteiligung. Sie soll – da bestand tendenziell Einigkeit – alle Betroffenen und Interessierten einbeziehen, nicht nur Anwohner oder Einzelhändler.

Zu Beginn der Stadtratssitzung waren 30 Zuschauer im Saal, später 60.

Wie diese Planung und Bürgerbeteiligung erfolgen soll, hat der Stadtrat am Mittwoch aber noch nicht definiert. Zwar hatte die Stadtverwaltung dazu einen recht rudimentären Vorschlag vorgelegt; er scheiterte aber knapp. Offen blieb auch, wie viele Parkplätze am Hinteranger wegfallen sollen. Die Beschränkung auf „Anwohnerparkplätze“ lässt erahnen, dass es für die Reduzierung der Besucherparkplätze keine Mehrheit geben dürfte.

Das schließt eine zeitliche Begrenzung ihrer Nutzung etwa auf Hol- und Bringverkehr und damit eine Verringerung des Parksuchverkehrs zwar nicht aus. Aber die Vorstellungen über die Dauer dieser Nutzung dürften auseinandergehen. Darf man da zehn Minuten stehen? Eine halbe Stunde? Eine Stunde? Oder sogar mehr?

Wie Kämmerer Peter Jung unter diesen Voraussetzungen die Ertragspotentiale der erweiterten Tiefgarage ausrechnen soll, bleibt unklar. Wenn nur wenige Anwohnerparkplätze wegfallen und auch „Aufenthaltsparker“ vielleicht doch wieder den Hinteranger ansteuern, dürfte sich dort nicht viel ändern. Die Einnahmen in der Garage wären gering und die Zuschüsse der Regierung von Oberbayern stünden in Frage. Dann müsste man sich gegen die Garage entscheiden – und damit wäre der Beschluss vom Mittwoch wieder hinfällig.

Zwei Lager

Das Problem besteht vor allem darin, dass es in Landsberg zwei Lager gibt, die aus der Bedrohung des Einzelhandels durch die Digitalisierung unterschiedliche Konsequenzen ziehen. Die einen, vor allem OB Mathias Neuner und die CSU, sehen eine Lösung in der Aufwertung der Innenstadt durch Parkplatzwegfall, breitere Gehwege sowie „mehr Erlebnis und Genuss“. Dazu wollen sie viel städtisches Geld investieren. Auch Professor Hermann Knoflacher hatte in diese Richtung gedacht, zumal weniger Parkplätze auch weniger Parksuchverkehr bedeuten.

Die anderen, vor allem die UBV und die Landsberger Mitte, setzen mehr auf die herkömmliche Methode: Der E-Commerce ist besiegt, wenn man vors Geschäft fahren, einkaufen und schnell wieder wegfahren kann. Bei dieser Methode kann dann (kostengünstig) alles so bleiben, wie es ist – und auch die Parkgarage wird nicht benötigt. Es ist, salopp formuliert, das „Schuhhaus-Pflanz-Konzept“.

Klar ist: Die UBV und die Landsberger Mitte sind zwar seit Langem einzelhandelsnah und wachstumskritisch aufgestellt, brechen also nicht aus ihrem Schema aus. Aber sie führen ganz eindeutig Wahlkampf. Sie setzen auf die Wählerstimmen der Menschen, die sich um den Wert ihrer Immobilien und die Erträge ihrer Geschäfte sorgen. Die beiden Gruppierungen tun daher alles, um Entscheidungen hinauszuzögern. So wird die Wahl 2020 zum Richtungsentscheid.

Eine solche Konfrontation wird für konkurrierende Parteien angesichts der allgemeinen gesellschaftlichen Tendenzen kaum zu gewinnen sein. Oberbürgermeister Mathias Neuner wird daher eine Entscheidung treffen müssen. Setzt er sich weiter für weniger Verkehr und eine lebendigere Altstadt ein? Oder lässt er es einfach sein?

Werner Lauff

Auch interessant

Meistgelesen

Die Brautpaare der Woche im KREISBOTEN Landsberg
Die Brautpaare der Woche im KREISBOTEN Landsberg
Keine Spur von Kuschelkurs im Hause Wasserle
Keine Spur von Kuschelkurs im Hause Wasserle
Trotz positivem Landkreisgutachten: Eichinger hat Bedenken
Trotz positivem Landkreisgutachten: Eichinger hat Bedenken
The Wombats und Lili Tralala rocken die Kaltenberger Arena
The Wombats und Lili Tralala rocken die Kaltenberger Arena

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.