»Kasernencharme« auf dem Wiesengrund

Bebauungsplanentwurf für Wiesengrund stößt auf Kritik

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Dass Riegelbau nicht unbedingt hässlich sein muss, beweist das Dantebad in München. Es steht auf Stelzen und bietet Parkplätze unter dem Haus.

Landsberg – Der Wiesengrund lässt Landsberg nicht los. Sachstandsinfo zu „Wiesengrund – 2. Änderung“ stand als Punkt 6 auf der Tagesordnung des jüngsten Bau-, Planungs- und Umweltausschusses. Stadtbaumeisterin Birgit Weber stellte den Stand der Dinge vor. Und fragte, ob Zustimmung herrsche, „vorerst mal so weiterzuarbeiten“. Wurde die Erhöhung der Bauten und die Erschließung durch lediglich eine Straße noch hingenommen, erregte die geplante Riegelbauweise (der KREISBOTE berichtete) Unmut. Insbesondere die extreme Verdichtung der Geschossflächenzahl (GFZ) im Gebiet B wurde kritisiert.

Im nördlichen Bereich, dem Gebiet des Ulrichswerks, können die ersten Bewohner bereits im Herbst einziehen. Auf den beiden anderen Baufeldern, Gebiet B, das die Stadt verkaufen möchte, und Gebiet A, das sie selbst mit günstigen Eigentumswohnungen bebaut, tut sich nichts. Der Bebauungsplan ist noch nicht in trockenen Tüchern. Geplant ist ein Satzungsbeschluss für den Herbst. Ob das klappt, ist zweifelhaft.

In den Änderungen des Bebauungsplans von 2015 geht es vor allem um Wirtschaftlich­keit. Nur so ist bezahlbarer Wohnraum möglich. Eine vereinfachte Wegeführung und eine Erhöhung der Geschossflächenzahl (GFZ) trägt dazu bei. Erhöht sich die Verdichtung im Bereich A lediglich von 0,6 auf 0,8, ist für B jedoch eine GFZ von 1,12 vorgesehen – doppelt so viel wie zuvor. Diese Verdichtung wird durch den Wegfall der kleineren Verbindungswege und durch Riegelbauten möglich – vor allem zwei Gebäude entlang der Schongauer Straße mit einer Länge von jeweils circa 100 Metern. Bausubstanz, die im Bauausschuss auf massiven Widerstand stieß.

Das fertige Gebäude muss nicht so massiv aussehen, wie es im Plan wirkt: Der Riegel in Gebiet A könnte als Stelzenbau errichtet werden, um ebenerdig Parkplätze zu schaffen – nach dem Vorbild des Dantebads in München. Ebenso könnten einzelne Einheiten zurückgesetzt werden – wodurch die Fassadenfläche gebrochen wird. Es gehe hier um eine dichte Bebauung, „die dennoch Wohnqualität ermögliche“, fasste Weber zusammen. Zudem müsse man noch nicht so konkret werden. Vielmehr wolle man „große Baufenster: Der Bauraum kann, muss aber nicht bebaut werden.“

Das einzige, was bei Festlegung des Plans nicht mehr veränderbar sei, sei die Erschließungsachse durch nur eine Zufahrt von der Schongauer Straße, konkretisierte Bürgermeisterin Doris Baumgartl. Dass die zwei Gebäude entlang der Straße nun auch viergeschossig sind, dient dem Lärmschutz und der Kostenvermeidung. „Wir wollen den Bau von Glaswänden als Lärmschutz vermeiden“, begründet Weber.

»Ein Albtraum«

Wolfgang Neumeier (UBV) nannte den Entwurf einen „Albtraum“ und die GFZ ein „No-Go“. Ein Fortfahren der Planung in dieser Richtung sei nicht anzuraten. „Das hat den Charme von Bundeswehrwohnblocksiedlungen“ urteilte Jonas Pioch (Landsberger Mitte). Franz Dasch­ner (UBV) nannte es ein „Riesendrum“. Und Dieter Völkel (SPD) bezeichnete die Steigerung der GFZ als „fast zuviel des Guten“. Aber die Riegelbauweise sei, wenn sie ansprechend ausgeführt werde, in Ordnung, bekräftige auch Parteigenosse Ludwig Kaiser.

Auch Traudl Lüßmann (Grüne) und Hans-Jürgen Schulmeister (Landsberger Mitte) äußerten Bedenken wegen der starken Verdichtung. Stefan Meiser (ÖDP) kritisierte die Haltung der Grünen. Sonst mahne man die flächensparende Bauweise an. „Hier wird‘s gemacht, da sollte man nicht meckern.“ Die Baudichte werde sich allerorten erhöhen. Im Fall „Wiesengrund“ gehe es jetzt darum, endlich Beschlüsse zu fassen.

Petra Kohler-Ettner (CSU) sprach der geplanten Baustruktur „Kasernencharme“ zu. Zudem missfiel ihr die Idee eines ebenerdigen Parkdecks – das doch sicher durch Begrünung verdeckt werden könne? Was Weber bestätigte, schon allein aus Schallschutzgründen. Zudem könne man hier die Stellplatzsatzung senken, dafür den Busanschluss verbessern. Eine Haltestelle ist bereits eingeplant, berichtete Weber. Allerdings fahre der Bus bisher noch die ganze Schleife, bevor es wieder in die Stadt gehe. Hier müsse man noch optimieren.

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