Stadtrats-Symposium »Alternative Wohnformen«

Landsberg sucht neue Wege zu bezahlbarem Wohnraum

Dahoam im Inntal - Blick ins Quartier
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Leben und arbeiten auf einem ehemaligen Bundeswehrareal in Brannenburg im Landkreis Rosenheim: Das preisgekrönte Leuchtturmprojekt „Dahoam im Inntal“ funktioniert ohne kommunale Beteiligung.

Landsberg – Generationenübergreifende Wohnformen sowie sozialen und preisgünstigen Wohnungsbau hat die Stadt bereits in ihrem Strategiepapier „Landsberg 2035“ als Ziel für die Stadtentwicklung festgeschrieben. OBin Doris Baumgartl (UBV) räumt dem Thema einen hohen Stellenwert ein und lud deshalb den Stadtrat zum Symposium „Alternative Wohnformen“ ins Landratsamt. Sechs Referenten präsentierten unterschiedliche Konzepte, wie in der Stadt bezahlbare Wohnungen für Familien, Singles, Senioren und Menschen mit Behinderung entstehen könnten.

„Das Thema liegt uns allen am Herzen“, betonte Baumgartl eingangs. Auch etliche Bürger verfolgten von der Zuschauergalerie des Sitzungssaals aus die Präsentationen. Stadtbaumeisterin Birgit Weber hofft, dass alternative Wohnformen umge­setzt werden können – trotz der „großen, großen Hürde“ des knappen und teuren Baulands. „Ich hoffe sehr, dass es heute gelingt, Impulse zu setzen, die den Kreislauf durchstoßen“, so Weber. „Wir vom Bauamt machen sehr gerne mit bei der Baurechtschaffung.“ Als „erfahrene Beamtin“ wisse sie jedoch auch, dass dies für die Kommunen nicht einfach sei.

• Mietshäuser-Syndikat. Eine durchaus etablierte, in der Region aber kaum bekannte Wohnform stellt das Mietshäuser-Syndikat dar. Es hat bis dato 158 Wohnprojekte für fast 4.000 Bewohner im gesamten Bundesgebiet realisiert. Es handele sich beim Mietshäuser-Syndikat um „eine Art Genossenschaft“ – eigentlich eine GmbH, aber ohne Gewinnerzielungsabsicht – mit selbstverwaltenden Strukturen, wie Referent York Runte berichtete. Objekte werden mit wenig Eigenkapital angekauft, die notwendigen Kredite über die Mieten abgezahlt. Das Besondere an dem Modell: Die Mieten sollen lediglich die Kosten decken und keine Rendite abwerfen. Das Syndikat verhindert, dass die Immobilien jemals weiterverkauft – und so zu Spekulationsobjekten – werden können.

• Leben und arbeiten. Ebenfalls ohne kommunale Beteiligung funktioniert das Leuchtturmprojekt „Dahoam im Inn­tal“. Es bietet auf 16 Hektar Bundeswehr-Konversionsfläche in Brannenburg (Landkreis Rosenheim) Wohnraum für etwa 1.000 Menschen sowie 440 Arbeitsplätze in einem integrierten Gewerbegebiet. Die Häuser und Wohnungen wurden und werden ausschließlich an Eigennutzer verkauft, Familien mit Kindern erhalten einen Rabatt.

Es gilt das Prinzip der Generationen-Durchmischung, wie Geschäftsführer und Projektleiter Rupert Voß erläuterte. Ein Kinderhaus gehört ebenso dazu wie ein Pflegeheim. Voß beobachtet die Baulandspekulation mit Sorge und appelliert an Kommunen, die Auflagen der Sozialgerechten Bodennutzung (SoBoN) deutlich zu erhöhen. „30 Prozent sind einfach viel zu wenig.“

• Generationenpark. Die Stadt Königsbrunn verfügt mit der Gesellschaft für Wohnungsbau und Gewerbeansiedlung (GWG) seit fast 50 Jahren über ein Tochterunternehmen, das für sozialverträglichen Wohnraum für alle Generationen sorgt. Aus demografischen Überlegungen heraus entstand der Generationenpark Königsbrunn, der unter anderem mit einem zinslosen Darlehen der Stadt finanziert wurde. Hier leben Singles, Paare, Senioren, Alleinerziehende und Familien unterschiedlichster Herkunft und Nationalität in einer aktiven, von gegenseitiger Unterstützung geprägten Nachbarschaft zusammen. GWG-Geschäftsführer Günther Riebel brachte nach Landsberg die Botschaft mit: „Sozialer Wohnungsbau durch eine kommunale Gesellschaft ist machbar.“

• Tiny Haus und Mitbauzen­trale. Weitere Aspekte des Themas bezahlbarer Wohnraum brachten Katharina Winter von der Münchener „mitbauzentrale“, Architekt Hans-Peter Burkhardt und Herbert Maier vom Verein Tiny Haus Lechrain zur Sprache. Der erst vor wenigen Wochen gegründete Verein hat das Ziel, eine Tiny-Haus-Dorfgemeinschaft als Teil einer Gemeinde im Raum Landsberg zu schaffen. Wie im KREISBOTEN berichtet, gibt es neben der Suche nach einem geeigneten Grundstück die Herausforderung, Behörden von der Wohnform Mini-Haus zu überzeugen, die im etablierten Baurecht bisher nicht vorgesehen ist.
Ulrike Osman

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