Waldbegang

Landsberger Stadtratssitzung im Grünen

Forstamtsleiter Michael Siller (2.v.r.) zeigt das Waldgebiet Schnebling.
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Forstamtsleiter Michael Siller (2.v.r.) zeigt das Waldgebiet Schnebling. Mit dabei (v.l.) die Forstamtsmitarbeiter Maximilian Dietmeier, Uli Teufel und Ulrich Metzger.
  • Susanne Greiner
    vonSusanne Greiner
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Landsberg – Der Wald ist nicht mehr nur Holzlieferant: Immer wichtiger wird der Klimaschutz. Für den müssen die Mitarbeiter des Städtischen Forstamtes einiges an Arbeit leisten – die sich allerdings nicht finanziell im Ertrag auszahlt. Unter anderem deshalb werden staatliche Förderprogramme immer wichtiger. Zum Beispiel im Waldgebiet Schnebling östlich von Schwifting. Was das bedeutet, zeigten die Stadtförster bei der Stadtratssitzung im Freien: dem jährlichen Waldbegang.

Es ist ein nahezu reiner Buchenwald mit teilweise über 100 Jahre alten Bäumen, der die Stadträte beim Waldbegang im Schnebling empfängt, dem mit 453 Hektar größten Waldgebiet der Stadt Landsberg. „Die Waldverjüngung läuft hier von alleine“, berichtet Revierförster Uli Teufel. „Ohne den Menschen sähe es hier nicht viel anders aus.“ Die Buche komme mit wenig Licht aus, halte mit ihrer breiten Krone aber auch andere Bäume vom Wachsen ab. Für diese „Altholzinsel“ hat die Stadt das Bayerische Vertragsnaturschutzprogramm (VNP) abgeschlossen: „Zwölf Jahre lassen wir diese Bäume in Ruhe.“ Würde man das Holz verkaufen, erhielte man pro Baum rund 200 Euro – wovon man aber noch Erntekosten und Ähnliches abziehen müsse. Im VNP erhalte die Stadt pro Baum ebenfalls 200 Euro – ohne dass Kosten für den Ernteaufwand abgezogen werden müssten. „Die Förderung lohnt sich also.“ Allerdings ist die Förderung mit 50.000 Euro pro Jahr gedeckelt.

Ein paar Schritte weiter empfängt die Stadträte eine kleine Moorlandschaft. „Seit 30 Jahren werden hier die Entwässerungsgräben nicht mehr gepflegt“, erklärt Teufel den hohen Grundwasserspiegel. Auch diesen Bereich habe man komplett aus der Bewitschaftungsfläche herausgenommen. So komme man auch der wohl bald kommenden Auflage entgegenkommen, generell zehn Prozent des Staatswaldes aus der Bewirtschaftung herausnehmen zu müssen.

Dürfen beim Waldbegang der Stadt Landsberg nicht fehlen: die Hunde der Förster.

Im Ellighofener Stadtwald mache man zurzeit „einen Spagat“, berichtet Forstamtsleiter Michael Siller. Einerseits stünden Erstaufforstungen an, um Ausgleichsflächen für die im Frauenwald in Gewerbegebiet umgewandelten Flächen zu schaffen. Andererseits gebe es aber auch Konflikte mit den Landwirten, denen die Flächen verloren gingen, und auch den Gemeinden, die sich für die Einhaltung gewisser Sichtachsen einsetzten – zum Beispiel der auf die Sepp-Kapelle. Dennoch habe man letztes Jahr hier mit rund 16.500 Pflanzen gut 3,6 Hektar Mischwald aufforsten können. Dei Aufforstung sei nicht einfach gewesen: „Im März haben wir gesetzt, und dann kam im April kein Niederschlag“, erzählt Siller. Man habe sich schon überlegt, ob man nicht das städtische Gießfahrzeug rausfahren lasse. Der starke Regen im Mai habe dann den trockenen Boden ausgewaschen und Ausbesserungen nötig gemacht. Nicht zu vergessen die Wühlmäuse.

Mit dem Mitarbeiter des Referats Stadtplanung Dr. Daniel Broschart habe er auch wegen des dortigen Radweges gesprochen, berichtet Siller. Der führe momentan noch durch einen Privatwald, „ziemlich matschig“. Eventuell könne man in verlegen: an der Kapelle und am Wiesbach entlang. „Das wären circa 300 Meter, die man da neu bauen müsste.“

Forstbilanz

Die riesigen Holzberge, die beim Waldbegang der Stadt Landsberg im letzten Jahr noch auf Halde lagen, sind weg. Holz ist momentan Mangelware, wie Forstamtsleiter Siller beim Waldbegang darlegt. Besser gesagt: Das Holz fehlt in den Sägewerken. Im Stadtwald vorhanden wäre hingegen noch einiges. Das darf aber momentan nicht geschlagen werden.

Einerseits habe der Staat die Holzbauoffensive gestartet – Holz werde also gebraucht, so Siller. Allerdings seien dafür überwiegend die kleineren Sägereien zuständig. „Aber die sind vom Markt verdrängt worden.“ Die wenigen, die noch übrig seien, „sägen sich einen Wolf“. Aufstocken könnten sie aber nicht, da der Markt in kurzer Zeit wieder ganz anders aussehen könnte. Dominierend seien die großen Sägewerke. Eine Handvoll davon gebe es in Süddeutschland – eines in Landsberg. An das könne man die großen Mengen an Schadholz verkaufen, beispielsweise die 7.000 Festmeter, die letztes Jahr durch Sturm Sabine entstanden seien. Denn das große Werk könne diese Mengen „schlagkräftig“ und damit schnell verarbeiten. Dazu kommen die Eschen, die wegen des Eschentriebsterbens gefällt werden mussten und den Markt momentan überschwemmen. Die müssten vorwiegend als Brennholz verkauft werden. Allerdings haben die großen Sägewerke eine Art Monopolstellung, sagt Siller: „Die geben uns den Preis vor.“

Hinzu komme das Forstschädenausgleichsgesetz, das eine Reduzierung der regulären Fichten-Frischholz-Einschläge um 15 Prozent fordere. Basis für die Berechnung der Einschlagsmenge seien aber die Jahre 2013 bis 2017– die auch dank Sturm Niklas einen deutlichen Überschuss an Schadholz hatten. „Deshalb muss das Holz gerade im Wald bleiben“, bedauert Siller. Auf eine dringliche Anfrage des Landsberger Sägewerkes nach Rundholz habe er nur auf die noch ausstehende, hinreichende Auslegung des Gesetzes vertrösten können: „Ich darf gerade nicht.“

Die schlechten Voraussetzungen für den Holzverkauf machen sich in der Bilanz des Städtischen Forstes bemerkbar: „Wir sind zu 90 Prozent von unseren Holzeinnahmen abhängig“, betont Siller. Habe man 2014, vor Niklas, noch knapp 95 Euro pro Laufmeter Holz bekommen, lag der Preis 2020 nur noch bei knapp 58 Euro. „In den letzten fünf Jahren sind uns durch das Schadholz rund 1,5 Millionen Euro durch die Lappen gegangen. Das sind pro Jahr 300.000 Euro“, rechnet der Forstamtsleiter. 2020 lag der Stadtforstertrag aus der Produktion von Holz bei gut 820.000 Euro. Für diese Produktion mussten jedoch rund 1.150.000 Euro aufgewendet werden.

Zu dem laut Siller „satten roten Ergebnis“ in der Bilanz für 2020 trage auch bei, dass der Arbeitsaufwand der 22 Mitarbeiter zunehmend in den Bereichen „Erholung und Umweltbildung“ sowie „Leistungen für Dritte“ liege. Die Funktion des Waldes als Holzproduzent trete dabei immer weiter hinter die beiden Aspekte Klimaschutz und Erholung und die dafür notwendigen Maßnahmen zurück. Letztendlich zeigt sich in der Bilanz aller Stadtforst-Bereiche ein Defizit von gut 900.000 Euro.

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