Markt ohne Christkind 

Mutig: "Landsberger Stadtweihnacht" geplant 

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Der altbekannte Landsberger Christkindlmarkt wird dieses Jahr in anderer Form stattfinden – hoffentlich.

Landsberg – Alle Jahre wieder gibt es ihn: den traditionellen Christkindlmarkt in der Landsberger Altstadt. Dieses Jahr ist alles anders. Es ist Corona. Und die Fallzahlen steigen. Ob und wie die Tradition fortgeführt werden kann, daran arbeiten das städtische Veranstaltungsmanagement und Ordnungsamt gemeinsam mit den Fieranten und Gastronomen seit Wochen. Nun haben sie ein Konzept vorgestellt, das unter Berücksichtigung der geltenden Coronaregeln einen schönen und stimmungsvollen Weihnachtsmarkt ermöglichen soll.

Man kombiniere weniger Buden mit viel mehr Platz. Die Lösung: „Wir machen es dezentral“, so Oberbürgermeisterin Doris Baumgartl in einer Presse­konferenz am Montag. Damit der Christkindlmarkt nicht erstmalig komplett ausfällt, ist jetzt eine ‚Landsberger Stadtweihnacht‘ geplant. Hübsch geschmückte Buden und Häuschen sollen sich, in fünf bis zehn Metern Entfernung zueinander, auf mehrere Plätze über die ganze Innenstadt verteilen: von Hauptplatz bis St.-Laurent-Du-Var-Promande. Von Sandauer Tor bis Bayertor. Wenn möglich, in Verbindung mit einer Gaststätte. „Damit möchten wir große Menschenansammlungen vermeiden“, sagt Baumgartl.

Die Besucher sollen sich bewegen, von einem Stand zum nächsten spazieren – und trotzdem vorweihnachtliche Stimmung genießen. Um größere Menschenaufläufe zu umgehen, gebe es in diesem Jahr weder Christkind und Nikolaus, noch Krippe oder feste Kapellenauftritte. Immerhin der Briefkasten für die Wunschzettel bleibe den Kindern erhalten. Um die Beweglichkeit noch besser zu erreichen, sei eine Rallye geplant: Für jeden Standbesuch solle es einen Stempel geben, was am Ende zu einer Verlosungsaktion führe. An einem festen Rahmenprogramm werde derzeit noch gearbeitet.

Weiterhin sieht das Konzept vor, jeweils eine Food-Bude und zwei Non-Food-Buden miteinander zu koppeln. Dabei müsse auch darauf geachtet werden, die Sortimente zu verteilen, damit es interessant bleibe für die Besucher. Man habe zum einen geschaut, die Interessen und Wünsche der Bürger zu treffen. Zum anderen sei es wichtig, die ortsansässigen Gastronomen zu unterstützen und damit die Innenstadt zu stärken. Das gepaart mit der Beachtung der Hygienregeln habe zum jetzigen Konzept geführt, so Baumartl.

Viel zu berücksichtigen

Hier gebe es jedoch noch viele Details zu berücksichtigen, meint Ordnungsamtschef Ernst Müller. Etwa beim Thema Schlangenbildung vor der Bude, Registrierungen, Pfandrückgabe, Ausschenken, ohne den Becher zu berühren. „Da sind wir dran.“ Ob und wie das Konzept umgesetzt werden kann, hänge zudem von weiteren Faktoren an. Natürlich vom aktuellen Geschehen: Falls die Zahlen noch weiter ansteigen, sei möglicherweise mit weiteren einschränkenden Maßnahmen zu rechnen, so Baumgartl. Aber auch vom Landrats-/Gesundheitsamt, das aus gesundheitsrechtlicher Sicht eine Genehmigung erteilen müsse. Und schließlich vom Freistaat Bayern, der zum 2. November ein allgemeines Hygiene- und Maßnahmenpaket als Rahmenkonzept für Weihnachtsmärkte herausbringen wird. Diese Deadline warte man noch ab. Dann müsse eine finale Entscheidung über die Durchführung der ‚Landsberger Stadtweihnacht‘ getroffen werden. „Schließlich wird das Aufbauen der Hütten auch noch einige Wochen in Anspruch nehmen und die Händler müssen ihre Waren ordern“, meint Baumgartl.

Die Gastronomen seien froh über den Plan, so Stadtrat Markus Salzinger. Das Klima hier habe sich extrem verschlechtert. Viele Gastronomen hätten mit Existenzängsten zu kämpfen. Daher seien auch alle sofort bereit gewesen, in dieser Form mitzuwirken. Um ihnen wiederum entgegenzukommen, sei man mit den Standgebühren so weit heruntergegangen, dass es „für alle erträglich“ ist, sagt Müller. „Wir decken damit nicht mal unsere Unkosten.“

Alkohol solle nach bisherigem Stand zugelassen werden – es sei denn, das Rahmenkonzept gebe etwas anderes vor. „Wir können es vertreten, Glühwein zuzulassen“, meint Müller, „da wir ja schon um 20 Uhr schließen.“ Man habe es also mit einer eher kurzen Zeitspanne zu tun. Die Überwachung werde nicht ganz einfach, weil das Weihnachtsmarktgebiet ja viel größer werde. Aber die Security solle ausgebaut werden, die Polizei mit patrouillieren, erklärt Müller.

Appell an die Bürger

Wichtig dabei sei jedoch, dass sich in Landsberg keine Corona-­Hotspots entwickeln. Müller appelliert an die Bürger, vernünftig zu sein, die Regeln einzuhalten und keine größeren Gruppen zu bilden, sollte es zur Stadtweihnacht kommen. „Wenn 20 Personen an einem Punkt stehen“, ist es nicht mehr durchführbar“, sagt er. „Wir möchten nicht verantwortlich sein für einen regionalen Lockdown.“ Es könne auch nicht sein, dass Landsberg eine Ersatzveranstaltung für alle abgesagten Weihnachtsmärkte biete. „Dann geht unser Konzept über den Jordan.“ Und es könne passieren, dass nach zehn Tagen Weihnachtsmarkt alles wieder abgebaut werde.

Der Grad sei zwar schmal, auf dem man sich bewege. Dennoch wünsche sich Oberbürgermeisterin Baumgartl, dass die geplante Stadtweihnacht durchgeführt werden kann. „Die Gesundheit steht immer an erster Stelle. Trotzdem wollen wir auch in schwierigen Zeiten ein positives Signal setzen und ein wenig Vorweihnachtsstimmung bieten“, sagt sie. „Mit tollen Ideen für ein schönes Ambiente.“ Und dankt allen Beteiligten für ihr engagiertes Mitwirken. „So wird Weihnachten in diesem Jahr wirklich zu einer Herzensangelegenheit.“ 

Andrea Schmelzle

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