Tafel zieht um

Der "Übergang" ist gesichert

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Vorstandsvorsitzende Marlies Klocker (rechts) hat mit der Landsberger Tafel die neuen Räumlichkeiten bezogen. Die anderen Vorstände packten kräftig mit an (v. links): Daniela Kunschke, Anton Riedl, Bernhard Steinmaier und Barbara Berke.

Landsberg – Im Sommer feierte die „Landsberger Tafel“ zehnjähriges Bestehen „mit Sorgenfalten“ (der KREISBOTE berichtete). Denn zu dieser Zeit bangte der Vorstand des ehrenamtlichen Vereines um sein Zuhause. Nachdem der Mietvertrag in der früheren Pflugfabrik im Mai ausgelaufen war, schien zunächst kein neuer Tafel-Standort in Sicht. Inzwischen kann der Verein Entwarnung geben und sich über ein neues Domizil freuen: Der Umzug in die Ehrenpreisstraße ist bereits in vollem Gange. Diese Lösung ist aber nur für eine Übergangszeit vonnöten – voraussichtlich 2018 bezieht die Tafel ihre mittelfristige Bleibe im Heilig-Geist-Spital.

Ihre Anfänge hatte die Tafel in der Sozialstation St. Martin, ehe der Weg über das Jugendzentrum zum Standort an der ehemaligen Pflugfabrik führte. Dort entsteht jedoch im Rahmen des Projektes „Urbanes Leben am Papierbach“ ein neues Stadtquartier (der KREISBOTE berichtete), sodass die Tafel dort nicht mehr unterkommen kann. Nach Auslaufen des Mietvertrages musste eine neue Herberge her.

BRK bietet Lösung

Die langwierige Suche hatte zuletzt ein Ende, als Andreas Lehner, Geschäftsführer des Kreisverbandes des Roten Kreuzes, Abhilfe schaffte. Nach dem Umzug des Katastrophenschutzes in den Frauenwald bot er an, diese Räumlichkeiten künftig an die Tafel zu vermieten – festgeschrieben für zwei Jahre.

Der Umzug an die „Oberen Wiesen“ war eingetütet und wurde unmittelbar in die Tat umgesetzt: Bis zur Schlüsselübergabe in der Pflugfabrik am 29. Dezember zog die Tafel mit sämtlichem Inventar aus. Nachdem die Aufteilung der Räume in der Ehrenpreisstraße intern geregelt war, stand für die Vorstände des sozialen Vereins zu Beginn des Jahres Umzugsstress statt Neujahrsfeiern auf dem Programm. Schließlich drängt die Zeit: Schon ab dem 12. Januar findet die Essensausgabe am neuen Ort statt – ab dann immer montags und donnerstags.

Auf 200 Quadratmeter Gesamtfläche verbindet am neuen Tafel-Domizil ein langer Flur den Lebensmittellagerraum, die Küche, einen Aufenthaltsraum und zwei Zimmer, wo immer ab 11 Uhr die Lebensmittelausgabe stattfinden wird. Eine Verbesserung im Vergleich zu früher: In der Pflugfabrik gab es auf 80 Quadratmetern keinen eigenen Aufenthaltsraum, die Ausgabenummern wurden – wie auch künftig ab 10 Uhr – einfach im Flur gezogen.

Abholerzahl steigt

Der Flächenzuwachs kommt zum richtigen Zeitpunkt, denn die Abholerzahl habe sich in den vergangenen Jahren massiv erhöht, wie Vorstandsmitglied Bernhard Steinmaier hervorhebt: „Wir stehen derzeit absolut am Limit.“ Die großen Flüchtlingswellen, die in den vergangenen Jahren nach Deutschland schwappten, hätte auch die Tafel deutlich gespürt. „Etwa die Hälfte unserer Nutzer sind anerkannte Asylbewerber“, schätzt Steinmaier. Insgesamt kommen derzeit pro Tag im Schnitt etwa 120 Abholer, die damit rund 250 Leute ernähren. Die meisten seien Landsberger, doch auch aus den umliegenden Gemeinden, insbesondere Kaufering, werde die Tafel von zahlreichen Bürgern genutzt – in der Regel von Obdachlosen, Rentnern, Arbeitslosen oder eben Flüchtlingen.

Dass der für viele nun längere Weg zum Standort, der im Vergleich zur Pflugfabrik vermeintlich etwas „vom Schuss liegt“, abschrecken könnte, glaubt die Vorstandsvorsitzende Marlies Klocker nicht: „Der Stadtbus fährt bei uns fast vor der Haustür vorbei. Parkplätze sind hier ebenfalls genügend vorhanden. Und die Flüchtlinge kommen sowieso meist mit dem Fahrrad zu uns.“ Keine Bedenken also hinsichtlich der Infrastruktur, ebenso wenig wie zur Organisation. „Unser Team ist routiniert genug, um das hier von Beginn an gut hinzubekommen“, ist Klocker überzeugt. Ein großer Teil der 60 Ehrenamtlichen, die sich für die Tafel engagieren, ist schon seit vielen Jahren aktiv.

Nächster Umzug 2018

So vielversprechend der neue Standort für die Tafel sein mag, der nächste Umzug ist bereits in Planung.„Wir werden hier maximal die zwei Mietvertragsjahre bleiben, bis die Renovierungsarbeiten im Heilig-Geist-Spital abgeschlossen sind“, stellt Klocker klar. Dann sei – voraussichtlich 2018 – der Wechsel in die frisch hergerichteten Räume im Landsberger Osten vorgesehen. Als großen Vorteil dort sieht die Vorstandsvorsitzende eine eigene Rampe, die das Be- und Entladen der Lebensmittel von den Partnern deutlich erleichtere.

Deshalb sei die jetzige Situa­tion in der Ehrenpreisstraße„eine Übergangslösung“. Für Marlies Klocker war es, wie sie selbst betont, zugleich „die einzige Option“ für eine vorübergehende Bleibe.

Marco Tobisch

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