Überraschungen inklusive

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Für das Landsberger Team geht es auf die spektakuläre Oberstaufen-Orient-Rallye. Für das Sponsoring hatte man sich zuvor bei dem Spezialkettenhersteller IWIS bedankt.

Landsberg – Fast ein Jahr Planung schützen nicht vor unerwarteten Wendungen: Das Landsberger Team, das derzeit an der spektakulären Oberstaufen-Orient-Rallye teilnimmt, weiß, dass es gelassen mit Überraschungen umgehen muss. 

Denn obwohl die Ausgaben teilweise durch die Regeln scharf beschränkt sind, wird die Rallye für die drei Teams mit je zwei Personen kein billiges Vergnügen, und das nicht nur, weil drei Wochen Urlaub genommen werden müssen. „Insgesamt kostet uns das alles voraussichtlich 18000 bis 20000 Euro, nur gut die Hälfte ist durch Sponsoren abgedeckt“, erzählt Sebastian Mattner, einer der jungen Fahrer. Darin enthalten sind die Kosten für die drei Autos, die nicht mehr als 1111 Euro kosten dürfen oder über 20 Jahre alt sein müssen. In diesem Fall neben „IWIS“ der „Hund“ (der immer noch nach den beiden Haustieren des Vorbesitzers riecht) und der „Diplomat“ (der einst dem tschechischen Botschafter, dann dem kroatischen Konsul in Deutschland gehörte). 

Letzte Reparaturen 

Ebenfalls in der Kostenliste dabei: Ein „Transferpaket“ nach Israel. Die Fahrzeuge werden per Schiff von der Türkei dorthin gebracht, die Fahrer fliegen. Womit man wieder bei den Überraschungen wäre: „Eigentlich sollte die Rallye über Zypern führen“, so Mattner, „aber da stellte sich heraus, dass man dort nur halb begeistert über unsere Ankunft wäre“. Nachdem die Crews in einer ähnlichen Situation im Vorjahr dann einige Tage auf dem Mittelmeer festsaß, strich man die Insel nun aus dem Programm. Zunächst führte die Rallye aber noch mitten durch Europa, nach drei Tagen war der Kosovo erreicht, bisher sind Autos und Fahrer wohlauf. Das hatte vor dem Start noch deutlich schlechter ausgesehen, in der Nacht musste bei einem der drei Mercedes-Kombis noch ein komplett neuer Kabelbaum eingezogen werden. Ohne die tatkräftige Unterstützung zweier Landsberger Unternehmer wäre das nicht mehr möglich gewesen, und wohl auch nicht ohne das Sponsoring von IWIS. 

Über die Summe, die er den Fahrern aus dem Marketingbudget zur Verfügung gestellt hat, möchte der Landsberger Werksleiter Dr. Stefan Thiemermann zwar nicht reden, allerdings betont er, dass das Engagement seiner Firma durchaus nicht willkürlich ist: „Wir wollten schon ein Auto sponsern, bei dem es eine Verbindung zu uns gibt und in dem auch IWIS drin ist.“ Das passt: In dem weißen Mercedes verrichtet eine „Duplex53“ ihren Dienst, wie Fachmann Thiemermann weiß. „Man sieht die Qualität“, sagt er mit einem Lächeln. „Nach einem solch stolzen Autoleben geht es noch nach Jordanien.“ Bis der Tross dort ankommt, vergehen aber noch über zwei Wochen. Dabei müssen die Teilnehmer unterwegs immer wieder Aufgaben erfüllen (zum Start erst einmal das Roadbook gesucht werden), sind dabei aber an strenge Regeln gebunden: Navigationssysteme aller Art sind genauso tabu wie Autobahnen und Mautstraßen, das Tageslimit liegt bei 666 Kilometern. 

Ein Kamel als Hauptpreis 

Unterwegs macht man auch in Istanbul Station. Dort haben die Veranstalter ein Grundstück gekauft, auf dem soziale Projekte verwirklicht werden. In diesem Jahr transportieren die Teilnehmer einen Dachstuhl, der im Allgäu gefertigt wurde, in die Türkei. Mattner: „Die Teile sind zwischen 40 Zentimetern und viereinhalb Metern lang. Ich hoffe natürlich, dass wir ein kleineres bekommen.“ Sozial geht es auch bei denjenigen weiter, die nach drei Wochen in Jordanien ankommen. Die Autos werden dort an das Königshaus übergeben und dann versteigert. Der Erlös fließt danach in Kindergärten, Schulen und ähnliche Projekte. Auch der stolze Gewinner behält seine Prämie nicht: Nachdem er ein Foto mit dem Hauptpreis, einem lebenden Kamel, gemacht hat, spendet er das Tier für eine bedürftige Familie. Wenn alles gut geht, besteigen die sechs Landsberger am 24. Mai die Flieger Richtung Heimat. In Oberstaufen beginnen dann sofort die Planungen für die Rallye 2015 – Überraschungen inklusive. 

In Landsberg wird schon jetzt eifrig gebastelt, geschraubt und nach Sponsoren gesucht: Das „Team Lechblech“, mit den Jordanien-Fahrern freundschaftlich verbunden (und bei der einen oder anderen Reparatur hilfreich zur Hand), bereitet sich im Moment auf ihr Highlight vor: Am 10. August geht es von Landsberg über 10000 Kilometer und durch zwei große Wüsten bis nach Pakistan – ebenfalls für einen wohltätigen Zweck. Die sechs Fahrer des Landsberger Teams „Schienenersatzverkehr Linie 49“: Sebastian Mattner (23, Gesundheitsmanager), Sebastian Dengler (32, HR-Manager), Dominik Francis (33, Application Engineering Manager), Felix Keller (24, Student), Kristof Kellermann (31, Wirtschaftsingenieur), Yves Eisenreich (24, Student). Portraits der Fahrer und ein Livetracking von der Rallye gibt es auf www.linie49sev.de. Bei Facebook gibt es – sofern die Teams unterwegs Internet zur Verfügung haben – täglich neue Bilder und Aktuelles auf ww.facebook.com/49SEV.

Christoph Kruse

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