Macchiavelli ohne Face-Shield

Landsberger Theatergarten: Moreth Company mit Macchiavellis "Mandragola" 

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Musikalische Probe für „Mandragola“: (von links im Uhrzeigersinn) Michaela Weingartner, Hannah Moreth, Sebastian Gerasch, Carsten Gnettner und Konstantin Moreth.

Landsberg – Das Theaterleben startet vorsichtig. Aber dafür mit Leichtigkeit. „Ich habe etwas Flottes, Spritziges, Kurzweiliges gesucht“, beschreibt der in Dießen lebende Schauspieler Constantin Moreth seine Kriterien für die Stückauswahl. Spritzig und flott, denn es ist das Sommertheater im Theatergarten. Und kurzweilig nicht nur vom Inhalt her, sondern auch ganz konkret von der Spieldauer. Denn wegen der geltenden Einschränkungen darf das Stück keine Pause haben. „Momentan habe ich 75 Minuten angedacht“, rechnet Moreth. Das Stück: „Mandragola“ von Niccolò Macchiavelli. Die Aufführungen sollen in der ersten Augusthälfte stattfinden.

Ist das der Maccchiavelli? Ja genau der, der vor allem als Philosoph und Politiker, und da nicht unbedingt als Menschenfreund bekannt ist. Aber er war auch Dichter. Und drei seiner satirischen Komödien sind erhalten. „Wir haben uns für die Fassung von Herbert Rosendorfer entschieden“, sagt Moreth, der auch als Regisseur fungiert. Vielleicht, weil Rosendorfer nicht nur Drehbücher für diverse TV-Krimiformate geschrieben, sondern eben auch Erzählungen verfasst hat, die bis ins Groteske reichen. Und dieses Groteske gerne auch zeichnerisch festgehalten hat.

Regisseure bestellen sich meist mehrere Textfassungen bei Theaterverlagen. Und vergleichen. „Rosendorfers Fassung hat mich angelacht“, begründet Moreth seine Wahl. Eigentlich für 14 Rollen geschrieben, hat der 49-Jährige das Stück auf sieben Schauspieler reduziert: „Es ist jetzt eine schlanke Fassung.“ Und das passt zu den Bedingungen, die eingehalten werden müssen. Zum Beispiel der Mindestabstand auf der Bühne von eineinhalb Metern. „Vielleicht ändert sich bis August noch etwas“, hofft Moreth. Aber momentan lege er das Stück so aus, dass der Abstand gewahrt werden könne. Face-Shields will Moreth nicht einsetzen. Auch wenn die bei dem „Cyrano“ der Moreth-Company, die ab morgen in München gespielt wird, tatsächlich notwendig werden. „Ich will nicht einfach nur in Untätigkeit versinken. Deshalb muss ich mich mit den geltenden Bedingungen arrangieren.“

Musikalische Probe für „Mandragola“: (von links im Uhrzeigersinn) Michaela Weingartner, Hannah Moreth, Sebastian Gerasch, Carsten Gnettner und Konstantin Moreth.

Auch die Zuschauerzahl ist bisher aus Abstandsgründen noch begrenzt: „In den Theatergarten dürfen unter den geltenden Bedingungen knapp 90 Leute.“

Neben Moreth spielen seine Tochter Hannah, Michaela Weingartner, Carsten Gnettner – den kennen die Landsberger schon als künstlerischen Leiter vom „Weißen Rössl“ der Landsberger Bühne –, Franck Oskar Schindler und Sebastian Gerasch. Der war nicht nur in diversen TV-Krimis, sondern auch als Martin Luther in der Tournée-Produktion der Theaterlust in München zu sehen. Das sind sechs. Der siebte soll Theaterleiter Florian Werner werden. Ob das klappt, steht aber noch nicht fest.

Das Thema des Stückes fasst Moreth in drei Worten zusammen: „Alle betrügen alle.“ Die Figuren? „Entweder vergreist, pleite, sexsüchtig oder alles zusammen.“ Es sei eine Comedia dell arte, eben auch mit Zynismus und Satire gespickt. Was bedeute, dass man mit dem „chauvinistischen Inhalt“ und den damit einhergehenden Klischees auch spielerisch umgehen könne, ja, sogar müsse. Macchiavellis Stück wird nicht umsonst auch als Allegorie auf die Politik gesehen.

Die Handlung ist ein Verwechsel- und Betrugsspiel. Da ist Don Federico, der abgebrannte Lebemann und Spieler mit seinem Diener Arlecchino. Und da ist natürlich eine Frau. Die wird Don Federico als Gewinn von deren Liebhaber angeboten. Das Problem: Die Dame ist verheiratet. Eine klassische Komödienkon­stellation also, in der letztendlich die Alraune, auf italienisch La Mandragola, als Mittel der List eine bedeutende Rolle spielt – und dem Stück den Titel gibt.

Schauspieler als Band

Das Besondere an Moreths Inszenierung: Es ist, wie schon bei „Der Meister und Margarita“, Musik dabei. „Fast alle der sieben Schauspieler spielen auch ein Instrument“, freut sich Moreth. Er habe unbedingt Live-Musik im Stück haben wollen. „Und dass die Schauspieler selbst diese Musik machen, hat Charme.“ Moreth selbst spielt klassische Gitarre und hat dafür auch seit Längerem Unterricht genommen. Dazu kommen Kontrabass, Geige – da ist Hannah Moreth am Bogen – , Trompete, Synthi und Schlagwerk. Letzteres bedient Gerasch – mit den Worten: „Klappern gehört eben auch zum Handwerk.“

Insgesamt ergibt sich so eine richtige Bühnenband. Das Repertoire besteht aus bekannten Liedern wie „Wenn ich einmal reich wär“ aus „Anatevka“ oder auch „Sigh no more“, das schon dem Film „Shakespeare in Love“ kiloweise Schmalz einhauchte.

An „Perhaps“, den meisten aus Doris Days Mund bekannt, versuchen sich die fünf Musiker gleich bei einer der ersten Proben im Foyer des Stadttheaters – zwischen Desinfektionsmittel und Einbahnstraßenschildchen. Was sich da unter dem Musik-Arrangeur Carsten Gnettner innerhalb einer Stunde entwickelt, ist fast bühnenreif. Samt Trompete mit mexikanischem Flair, einer temperamentvollen Gitarre mit Ausbrüchen in den Flamenco und Stimmen mit Format. Der Fuß wippt mit, die Mundwinkel stellen sich auf Komödie ein. Es kann losgehen.

Die genauen Aufführungsdaten werden demnächst unter www.stadttheater-landsberg.de bekanntgegeben.
Susanne Greiner

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