„Negativ für die Schulfamilie“

Waldorfschule Landsberg distanziert sich von Impfkritiker Rolf Kron

rolf kron - impfgegner - Kaufering
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Der Arzt und Homöopath Rolf Kron im vergangenen Jahr auf einer Demo in Berlin vor der Polizei. Auf den Schultern trägt er seinen Sohn.
  • Susanne Greiner
    vonSusanne Greiner
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Landsbeg – Die Freie Waldorfschule Landsberg geht auf Distanz: Der Schulvertrag mit dem Kauferinger Arzt und Homöopathen Rolf Kron sei gekündigt worden,informiert der Vater eines Schülers den KREISBOTEN. Kron sei durch seine coronakritische Haltung „mehrfach aufgefallen“ und habe „negativ auf die Schulge­meinschaft gewirkt“. Auch einigen Eltern, die sich entsprechend dem Arzt verhalten hätten, sei gekündigt worden. Die Schule selbst will das alles weder bestätigen noch dementieren.

Ein Kind Krons besuchte seit Anfang des aktuellen Schuljahres die Waldorfschule im Osten der Lechstadt. Der „wesentliche Grund“ für die Vertragskündigung seitens des Schul-Vorstands sei Krons öffentliches Auftreten gewesen, so der Vater. Dieses sei mit den Werten der Schule nicht vereinbar. Zudem seien die ‚Masken-Atteste‘, die der Arzt für einige Kinder der „kritischen Familien“ ausgestellt habe, bereits seit Ende des Jahres nach Rücksprache des Vorstands mit dem Gesundheitsamt nicht mehr anerkannt worden.

„Über Vertragsverhältnisse dürfen wir aus datenschutzrechtlichen Gründen keine Auskünfte geben“, informiert Mika Fest, Finanzvorstand des Vereins Christian Morgenstern zur Förderung der Waldorfpädagogik (der Träger der Schule in Landsberg), auf Nachfrage des KREISBOTEN. Im Hinblick auf die „generelle Haltung der Waldorfschule in dieser Problematik“ schließe man sich der Stellungnahme des Bundes der Freien Waldorfschulen (BdFWS) vom 5. Oktober vergangenen Jahres an.

In dieser Stellungnahme steht unter anderem: „Der BdFWS agiert auf pädagogischem Feld und gibt keine Empfehlungen zu medizinischen Fragen. Diese sind Sache der medizinischen Fachwelt.“ Dennoch wird gleich im folgenden Satz darauf hingewiesen, dass auch Schulen in freier Trägerschaft wie die Waldorfschulen „dem Gesundheitsschutz dienenden Maßnahmen Folge zu leisten“ hätten, sowohl in Bezug auf Gesetze, aber auch in Bezug auf Verordnungen oder behördliche Anordnungen. Die für den BdFWS tätigen Juristen, Trägervereine und Schulleitungen klärten allerdings über ihre Rechten und Pflichten „nebst allen Konsequenzen auf, um Handlungsspielräume aufzuzeigen, die die Schulträger nutzen können“. Dass Krons Atteste vom Landsberger Waldorfschuvorstand nicht mehr anerkannt wurden, scheint somit eine ‚lokale‘ Entscheidung zu sein.

Das Tragen einer Maske – Kron spricht hier von „Maskenhypo­chondern“ – hatte der Arzt und Homöopath auf einer Kundgebung mit dem Zeigen des Hitler­grußes verglichen. Da er diesen auf der Bühne auch ausführte, erließ die Staatsanwaltschaft Kempten Strafanzeige gegen ihn. Zudem stellte er laut eigenem Bekunden deutschlandweit über 1.000 Atteste aus, die seinen Patienten bescheinigen, aus gesundheitlichen Gründen keine Maske tragen zu können.

Anfang Januar hatte die Kripo, wei im KREISBOTEN berichtet,Krons Praxis in Kaufering aufgrund des Verdachts „unrichtiger Gesundheitszeugnisse“ – sogenannte Gefälligkeits­atteste – durchsucht und „umfangreiches Beweismaterial“ sichergestellt. In einem Video, das nach der Hausdurchsuchung im Netz zu sehen war, sagte Kron, er vergebe Atteste aufgrund von E-Mails und Telefonaten. Für Video-Sprechstunden fehle im die Zeit, da seine Sekretärin bis zu 200 Anrufe pro Tag erhalte. Wünsche ein Patient eine Konsultation, werde er deshalb „Patient in Warteliste“. Dann stelle er aber bereits ein Attest aus, „weil ich will ihnen ja jetzt auch schon helfen“.

Dass sich der Waldorf-Vorstand in Landsberg auch kritisch gegenüber Krons allgemeiner Haltung in Bezug auf die Corona-­Pandemie zeigt, beruht wohl unter anderem auch auf einer Grundsatzerklärung des BdFWS vom Oktober: „Wir distanzieren uns ausdrücklich von simplifizierenden, mystifizierenden, diskriminierenden sowie demokratie- und staatsfeindlichen Aussagen.“ Zudem: „Vereinfachende Erklärungen für die Ursache und den Umgang mit der Pandemie helfen niemandem.“

Kron hat das Coronavirus in seiner Wirkung immer wieder als „mit einem Schnupfen vergleichbar“ bezeichnet. Die Corona-Pandemie sei eine Erfindung. Er spricht im Zusammenhang mit den Informationen zu und den Maßnahmen gegen die Pandemie von „Panikmache“ und „Volksverdummung“.

Ebenso zeigt sich Kron, auch schon lange vor der Corona-­Pandemie, als ausdrücklicher Impfgegner. Zur Impfung gegen COVID-19 äußert sich die Internationale Vereinigung anthroposophischer Ärztegesellschaften (IVAA) und die Medizinische Sektion am Goetheanum (Sitz und Tagungsort der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft in der Schweiz) allerdings deutlich anders: „Die IVAA und die Medizinische Sektion am Goetheanum begrüßen die Entwicklung verträglicher und wirksamer Impfungen gegen Sars-CoV-2 in der Hoffnung, dass sie eine zentrale Rolle in der Überwindung der Covid-19-Pandemie spielen werden.“

Der KREISBOTE hat Rolf Kron um eine Stellungnahme zur Kündigung des Schulvertrags gebeten. Bisher hat die Redaktion keine Antwort erhalten.

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