Schmuck, Geld und Diamanten

Abrechnung posthum

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Weil sie Schmuck, Geld und Diamanten im Wert von insgesamt 37000 Euro unterschlagen hatte, erhielt eine 68-jährige Landsbergerin eine Haftstrafe auf Bewährung.

Landsberg – Es ist der Alptraum eines jeden Vermieters: Nach dem Auszug des Mieters eines Tages mit einer heruntergekommenen, vermüllten Wohnung dazustehen und schlimmstenfalls selbst für die Sanierung aufkommen zu müssen. Das ist ärgerlich, aber keine Rechtfertigung für Selbstjustiz, wie das Amtsgericht Landsberg jetzt in aller Deutlichkeit einer 68-Jährigen klar machte. Nach dem Tod ihres Mieters behielt sie dessen Schmuck, Diamanten, Münzen und Bargeld einfach für sich – und landete prompt wegen Unterschlagung vor dem Richter.

„Ich war der Meinung, wenn mir der Dreck gehört, gehört mir auch der Rest“, räumte die Angeklagte unverblümt ein. Zehn Jahre hatte der alleinstehende Mann in ihrer Landsberger Eigentumswohnung gelebt, die sie ihm seinerzeit in bestem Zustand und mit einigen Einrichtungsgegenständen vermietet hatte. „In der Wohnung steckte viel Herzblut“, wie Verteidigerin Dr. Silke Ackermann sagte. Umso größer war der Schock, als die Frau nach dem Tod des Mieters zum ersten Mal seit langer Zeit die Wohnung wieder betrat. „Es hat gestunken und geschimmelt, Müllsäcke stapelten sich bis zur Decke“, berichtete die Landsbergerin. „Ich hätte flennen können, als ich das gesehen habe.“

Keiner der drei entfernten Verwandten des Mannes beteiligte sich am Ausräumen der Wohnung, es blieb an der 68-Jährigen und ihrem Enkel hängen. Dabei ging es nicht nur um die Beseitigung der Müllberge und eine Grundreinigung, sondern um eine regelrechte Sanierung. Als die Frau dann unter den Habseligkeiten des Verstorbenen 600 Euro Bargeld sowie ein Körbchen mit Schmuck, Münzen und Diamanten fand, stand für sie gleich fest, dass sie sich damit ihren finanziellen Schaden selbst ersetzen würde. Laut Anklageschrift hatten die Sachen einen Wert von insgesamt 37000 Euro.

Der Enkel der Frau verkaufte zunächst den Schmuck für über 16000 Euro. Einen Teil des Geldes gab ihm seine Großmutter für die Arbeiten in der Wohnung, für die sie eine neue Küche und neue Bodenbeläge kaufte. Den Rest verwendete sie für ihre anderen Enkelkinder, zahlte eine teure Zahnbehandlung und eine Belohnung für eine bestandene Gesellenprüfung. Sich selbst gönnte die Lechstädter allerdings nichts – ein Umstand, der nun vor Gericht zu ihren Gunsten gewertet wurde.

So ganz mochte die Frau auch auf der Anklagebank immer noch nicht einsehen, dass sie etwas falsch gemacht hatte.„Ich bin mir keiner Schuld bewusst“, ließ sie Richter Alexander Kessler wissen. Der wurde daraufhin sehr deutlich. „Sie haben in fremdes Eigentum eingegriffen. Das ist eine glasklare Straftat.“

Risiko des Vermieters

Selbst wenn es – anders als im vorliegenden Fall – keine Erben gebe, dürfe ein Vermieter die Sachen eines verstorbenen Mieters nicht einfach für sich behalten. Jeder Vermieter lebe mit dem Risiko, dass ihm die Wohnung heruntergewohnt werde. „Wenn man das nicht will, darf man keine Wohnung vermieten.“ Der richtige Weg wäre gewesen, die Sanierungskosten später gegenüber den Erben geltend zu machen, auch wenn dies „ein zähes Verfahren“ sei.

Der Enkel der Frau hat sich ebenfalls strafbar gemacht. Weil er für seine Großmutter den gefundenen Schmuck verkaufte, stand er bereits in einem früheren Verfahren wegen Betrugs vor Gericht. Die 68-Jährige erhielt eine Haftstrafe von einem Jahr und drei Monaten, die für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt ist. Außerdem muss die Landsbergerin 1000 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zahlen. Das Urteil ist rechtskräftig.

Ulrike Osman

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