Vor großen Veränderungen?

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Landsbergs Grünen-Chef Jan Bentele (rechts) forderte bei der Aufstellungsversammlung unter anderem mehr Transparenz und Bürgerbeteiligung in der Stadtpolitik.

Landsberg – Neue Leute an der Spitze, aber alle bewährten Kräfte wieder an Bord: In großer Einmütigkeit haben die Landsberger Grünen ihre Liste für die Stadtratswahl verabschiedet.

Die Kernthemen für den Wahlkampf bleiben Umwelt und Verkehr – „aber wir stehen auch für nachhaltige Politik bei den Finanzen“, wie der Ortsvorsitzende Jan Bentele (Platz 2) betonte. Man müsse zu einem Haushalt kommen, der ohne Grundstücksgeschäfte auskomme, so Bentele, „als Diplomkaufmann schaue ich auch aufs Geld.“

Das Thema teilte er unter anderem mit Erika Auge-Buck. Die ehemalige Buchhalterin gab ihrer Verwunderung Ausdruck, „dass Verwaltung und Stadtrat offenbar so wenig Ahnung von Buchhaltung haben, obwohl das eigentlich ganz einfach ist.“ Spitzenkandidatin Sonja Lischka indes sieht in der Finanzkrise auch eine Chance: „Leere Kassen haben den Vorteil, dass die Kreativität bei den Menschen wieder angestoßen wird.“

Eines der dominierenden Themen der Aufstellungsversammlung war bei vielen Kandidaten aber vor allem der Verkehr in der Lechstadt. „Das Auto genießt in Landsberg immer noch einen viel zu hohen Stellenwert“, bemängelte etwa Fotografin Conny Kurz. Auch Henrik Lüßmann mahnte an, die Empfehlungen aus den Gutachten von Prof. Hermann Knoflacher jetzt zu verwirklichen. „Der Oberbürgermeister hat ja gesagt, dass er 99 Prozent Zustimmung dazu hat. Das eine Pro­zent haben er und die anderen Fraktionen aber schon lange aufgebraucht.“ Die Haushaltslage müsse dabei kein Hindernis sein: „Viele Punkte kön­- nen sofort und kostenlos umgesetzt werden.“

Auch Florian Lipp, einer von mehreren Absolventen der Initiative „Guter Rat“ von landsbergblog und KREISBOTE hat sich als „primäres Ziel“ die Reduzierung des Autoverkehrs auf die Fahnen geschrieben. Angesichts der „speziellen Topografie“ will sich Sonja Lischka, die niederländische Staatsbürgerin ist, verstärkt darum kümmern, dass „Landsberg eine Stadt wird, in der Ältere, Behinderte und Kinder überall hinkommen.“ Mit dem Bau von Fahrradwegen alleine sei es da nicht getan, so die Geschäftsfrau, die demnächst zwei Supermärkte in Landsberg übernehmen wird. „Wir müssen auch an der fußläufigen Versorgung der Menschen arbeiten und Flächen nachverdichten, statt noch mehr neue Gebiete auszuweisen.“

Großen Nachholbedarf sehen etliche der Kandidaten auch bei den Themen Transparenz und Bürgerbeteiligung. „Das Wort ist im letzten Wahlkampf überstrapaziert worden“, erinnert Jan Bentele, „aber wir werden nicht müde, das scheinbar abgedroschene Thema wieder ganz nach vorne zu stellen. Denn wir müssen feststellen, dass immer wieder Dinge, die eindeutig öffentlich diskutiert werden müssen, in die nichtöffentlichen Sitzungen verschoben werden.“

Wenn es nach Bentele geht, sollten auch die Beschlüsse des Stadtrates „selbstverständlich“ öffentlich zugänglich gemacht werden, „und zwar im Internet und in der Stadtbücherei, so dass auch jeder die Möglichkeit zur Einsicht hat.“ Ein weiteres Ziel müsse die regelmäßige Befragung der Bürger bei der Erstellung des Haushalts sein. Ulrike Gömmer (Platz 5) ist es „leid, dass man immer wieder hinters Licht geführt wird“, und auch Jost Handtrack (10) brach eine Lanze für die Herstellung von mehr Transparenz. „Wir sollen eine Schule für 21 Millionen Euro bauen, das können wir uns nicht leisten und darüber muss jetzt öffentlich diskutiert werden.“

Über die Aufstellung Handtracks war im Vorfeld lange spekuliert worden, er selbst räumte ein, lange überlegt zu haben: „Es gab ja einige Turbulenzen und ich habe mir schon gedacht, ,tust du dir das nochmal an‘, aber dann auch, ,wer soll’s denn sonst machen?‘“, sagte der Pädagoge, der klare Ziele für die Kommunalwahl ausgab. „Es geht darum, die schwarz-rote Mehrheit zu brechen. In den letzten Jahren haben nur immer die kleinen Parteien kritisch nachgefragt. Des­wegen sollte unser Ziel schon sein, mindestens sechs Stadträte zu stellen.“

Diese Position vertritt auch Traudl Lüßmann. „Eine größere Fraktion wäre schon schön, wir sind ja oft bei finanziellen Dingen abgeschmettert worden.“ Dass das nicht so bleibt, vermutet ihr Fraktionskollege Dr. Andreas Hartmann, der ebenfalls noch einmal antritt. „Es war jetzt doch sehr spannend. Wir sind in den letzten Jahren immer wieder getäuscht worden, aber jetzt sollten wir nach vorne schauen. Auch in den anderen Parteien gibt es viele neue Leute, es kommt eine große Veränderung auf uns zu.“

Die Grüne Stadtratsliste

• Listenplatz 1: Sonja Lischka, Jan Bentele, Traudl Lüßmann, Ludwig Hartmann, Ulrike Gömmer, Henrik Lüßmann, Erika Auge-Buck, Andreas Hartmann, Sara Klein-Schild, 10. Jost Handtrack.

• 11. Helga Stöhr, Miguel Bertoll, Conny Kurz, Joachim Simon, Dagmar Trosien, Florian Lipp, Lisa Gwosdz, Moritz Hartmann, Katharina Ruess, 20. Monika Feldmer-Metzger.

• 21. Wilma Hofer-Filser, Leonhard Storz, Anita Kaiser, Markus Buchegger, Katharina Mattner, Helmut Roser, Hilde Bauer-Welz, Jürgen Krenss, Christine Bentele, 30. Heinz Stöhr.

• Ersatzkandidaten: Maria Krenss, Brigitte Schöner.

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