Neues Kultur- und Gesellschaftsmagazin

Das Lokalmagazin ELLELL widmet sich den Menschen in Landsberg und Umgebung

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Silke Feltes, Ute Fiedler und Chris Bleher (von links) haben es gewagt: Am 14. September erscheint die erste Ausgabe ihres neuen Lokalmagazins ELLELL.

Landsberg – Wer es heutzutage wagt, ein reines Printmedium zu machen, hat Mut. Insbesondere, wenn es sich dabei um ein Lokalmagazin handelt. Was mag es da schon zu erzählen geben, das nicht schon von anderen Medien zur Genüge durchgekaut wurde? Gibt es dafür überhaupt Leser? Und wer soll das bitte zahlen? Drei Landsberger haben sich dennoch getraut: Chefredakteurin Silke Feltes, Grafikdesignerin Ute Fiedler und Textchef Chris Bleher präsentieren in der Langen Kunstnacht die erste Ausgabe des neuen Lokalmagazins mit Schwerpunkt Kultur und Gesellschaft: die ELLELL.

Und so wird die ELLELL aussehen.

Auf der Titelseite prangt das Wahrzeichen: das Lechwehr mit der Essenz des Magazins, den Menschen. Dass aber auch das Drumherum Inhalt sein soll, zeigt die Rückseite: Da wandelt sich das Wehr zum Ammersee. Vorne ein „Mensch, Landsberg! – Geschichten vom Aufbruch zu neuen Ufern“. Der Tenor: Grenzen überschreiten, hinter die Fassaden schauen; Geschichten über Menschen erzählen, die in der Ferne Heimat suchen oder aus der Ferne kommend Heimat finden. Menschen, die sich gesellschaftlich outen oder freiwillig in den Knast gehen. Interviews mit Künstlern aus der Umgebung. Oder auch ganz einfach ein Blick auf den Bücherstapel neben dem Nachttischchen des Oberbürgermeisters.

„Ich habe im Laufe meiner Arbeit so viele interessante Menschen hier kennengelernt und so oft gedacht, da müsstest du nochmal hin und tiefer in deren Geschichte eintauchen“, sagt die Journalistin Silke Feltes. Ihr Ziel: gut recherchierte, längere Lesestücke mit hochwertigen Fotos. Und gemeinsam mit Grafikerin Ute Fiedler – die beiden kannten sich schon länger – entstand die Idee zu einem Lokalmagazin. „Den Namen in Anlehnung an das hiesige Autokennzeichen hatten wir gleich beim ersten Treffen“, erzählt Fiedler. Bis das Konzept stand, dauerte es etwas länger. Und in der Zwischenzeit kam Textchef Chris Bleher dazu, Dozent an der Akademie der Bayerischen Presse und im Blattmachen nicht unerfahren. „Silke hatte mich nach einem Essay für eine Nullnummer gefragt.“ Eine Nullnummer, also ein Exemplar, um zu sehen, wie so was aussehen könnte. Schnell wurde klar, dass es keine Nullnummer wird. Sondern gleich der Sprung ins kalte Wasser.Wobei Bleher vom Essay-Autor zum Textchef avancierte.

Autoren wurden gesucht. „Und es war gar nicht so einfach, welche zu finden“, sagt Feltes. Denn nicht nur mussten sie den hohen Ansprüchen der Redaktion genügen. Auch auf ein Honorar mussten sie verzichten. „Wir finanzieren die erste Ausgabe zum Teil über die Kulturförderung der Stadt“, sagt Fiedler. Für die gebe es aber einen Höchstsatz. Und allein der Druck habe schon weitaus mehr gekostet. Um eben herauszukommen, seien sie auf den Verkauf angewiesen: das Heft gibt es für fünf Euro in der langen Kunstnacht am 14. September, unter anderem im Rathausfoyer – sozusagen mit Frühbucherrabatt: Danach kostet es 6,50 Euro.

Dass das Heft erscheint, war nicht immer klar. „Es gab schon ein paar Momente, in denen wir alles hinwerfen wollten“, erzählt Feltes. Wenn jemand absprang. Ein Text nicht passte. Oder die Arbeit schlicht zu viel wurde. „Die letzten drei Monate waren echt stressig. Unser Hund oft mit vorwurfsvollem Blick vor der Tür, weil ich keine Zeit zum Gassigehen hatte“, lacht Fiedler. Ihre Kinder hätten schon öfter mal Leckereien aus der Tiefkühltruhe vorgesetzt bekommen, gesteht Feltes. Auch Bleher hat geschuftet: „Es war wesentlich mehr Arbeit als gedacht.“ Aber der in München Geborene sieht darin eine Art Dankeschön an die Stadt mit dem freundlichen Flair: „Auf den Landsberger Straßen sieht man öfter als anderswo Menschen mit einem Lächeln im Gesicht.“

Aber natürlich habe ihnen das Projekt auch viel Spaß gemacht, erzählen alle drei. „Wir haben uns gut im Team zusammengerauft und gemeinsam unser Baby aufgebaut“, sagt Feltes. Die auch als Autorin viel zum Heft beigetragen hat. Denn „am meisten Spaß macht es mir, die Menschen kennenzulernen und ihre Geschichten zu erzählen.“

Ob es weitergeht mit ELLELL, hängt von der Resonanz auf die erste Ausgabe ab. Ist die da, soll das Heft in Zukunft zweimal im Jahr erscheinen und die Arbeit aller Beteiligten honoriert werden. Die Kulturförderung der Stadt ist aber einmalig. Und deshalb müssen auch Sponsoren her. Denn auf Anzeigen wollen sie nach Möglichkeit verzichten, sagen die drei Blattmacher.

Mit dem Magazin wollen die drei Landsberger Redakteure die Menschen erreichen. Ihnen die Vielfalt des ‚Drumherums‘ zeigen, auch das, was erst einmal fremd erscheinen mag – aber eben nur, solange man es nicht kennt. „Auch wenn das jetzt kitschig klingen mag“, resümiert Feltes, „aber wir wünschen uns, dass wir mit unserem Magazin auch ein wenig zur Toleranz innerhalb der Gesellschaft beitragen können.“

Susanne Greiner

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