Anton Lichtenstern ist gestroben

Landsbergs Stadthistoriker Anton Lichtenstern ist tot

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Im Januar 2019 ehrte auch die Stadt Landsberg ihren Chronisten Anton Lichtenstern (rechts) zum 80. Geburtstag. Hier mit Manfred Treml vom Verband bayerischer Geschichtsvereine.

Landsberg – Er unterrichtete im Ignaz-Kögler-Gymnasium, saß sechs Jahre im Stadtrat und ließ Landsberg jahrzehntelang sein historisches Wissen zugutekommen. 1991 erhielt er die Denkmalschutzmedaille des Wissenschaftsministeriums, 2008 den Goldenen Ehrenring der Stadt Landsberg. Vor einem Jahr wurde er zu seinem 80. Geburtstag mit der Ehrennadel der bayerischen Geschichtsvereine ausgezeichnet. Und dass das Salzstadl noch steht, ist auch ihm zu verdanken. Der ehemalige denkmal- und Stadtheimatpfleger Anton Lichtenstern starb am Sonntag vergangener Woche im Alter von 81 Jahren.

Als junger Bub habe er Zigaretten an die GIs verscherbelt, erzählte Lichtenstern verschmitzt bei der Ehrung zu seinem 80. Geburtstag. Auch dass er als Ministrant –vor dem zweiten Vatikanischen Konzil – lateinische Gebete lernte, „die wir nicht verstanden, aber auf die wir sehr stolz waren“. In seiner Zeit als Pfadfinder habe er mit den anderen den Erpftinger KZ-Friedhof entdeckt. Und eine seiner ersten Aktionen als Mitglied des Historischen Vereins seien die Erhaltung der Sandauer Kirche gewesen.

Nicht nur die Sandauer Kirche und deren Turm, einiges in Landsberg trage Lichtensterns Handschrift, betonte OB Mathias Neuner auf der Jubilarsfeier. Doch trotz des großen Lobes seiner Person blieb Lichtenstern wie immer bescheiden. Nicht er sei es gewesen, sondern viele miteinander. Immer sei ihm das Bauamt zur Seite gestanden, andere hätten geholfen. Dennoch war er der unermüdliche Motor.

Der am 25. Dezember 1938 in Landsberg geborene Lichtenstern studierte Geschichte, Germanistik und Geographie in München Seine Zeit im Stadtrat begann für ihn schon 1972, im Alter von 33 Jahren. Zeitgleich wurde er Referent für Denkmalpflege. Ab 1991 war er Stadtheimatpfleger. Und als er nach 17 Jahren das Amt niederlegte – obwohl er bereits 2001 in Pension ging –, konnte er vier Jahre später zum 850. Geburtstag seiner Geburtsstadt eine Stadtgeschichte als Geschenk überreichen.

Schreiben war eine seiner Leidenschaften. Schon 1975 verfasste Lichtenstern eine Broschüre anlässlich einer Ausstellung zur Denkmalpflege in Landsberg. Und deren Titel macht deutlich, was die Denkmalpflege für ihn bedeutete: „Eine Zukunft für unserer Vergangenheit“. Die Auseinandersetzung mit dem Vergangenen war ihm wichtig: „Du bist und bleibst unser Gewissen“, formulierte das Sigrid Knollmüller, Vorsitzende des Historischen Vereins Landsberg, in dem auch Lichtenstern über 50 Jahre lang ein äußerst aktives Mitglied war, gut 40 Jahre lang auch im Vorstand – ein „Fundament des Vereins“. Für Lichtenstern sei es wichtig gewesen, „zu bewahren, was uns verbindet“. Weshalb er auch für zahlreiche Landsberger Geschichtsblättern Aufsätze verfasste.

„Ad multos annos“, schrieb Knollmüller in ihrem Beitrag der Landsberger Geschichtsblätter 2019 zum 80. Geburtstag Lichtensterns. Ein Wunsch, der nicht mehr in Erfüllung ging. Schon wenige Zeit später verschlimmerte sich Lichtensterns Gesundheitszustand und er zog sich zurück.

Sein Name wird den Landsbergern im Gedächtnis bleiben. Knollmüller: „Indem man über Menschen und Dinge schreibt, kann man sie dem Vergessen entreißen und zu neuem Leben erwecken.“

Die kirchliche Bestattung ist heute um 13 Uhr in der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt. Anton Lichtenstern wird auf dem alten Friedhof im Familiengrab beerdigt.
Susanne Greiner

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