Landsberger Stadtrat lehnt Blitzer ab

Raserei am A96/B17-Kreisel: bis zu 600 Verstöße täglich

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Bis zu 600 Verstöße täglich, aber: Eine fest installierte Geschindigkeitsüberwachung am Kreisverkehr A96/B17neu lehnt der Stadt ab.

Landsberg – Der große Kreisel im Westen Landsbergs ist ein Unfallschwerpunkt. Im Bereich der Zufahrt von der B17neu krachte es 37 Mal allein in den Jahren 2015 bis 2017. Grund war meist überhöhte Geschwindigkeit. Deshalb will der Freistaat an der nördlichen Einfahrt in den Kreisel einen fest installierten Blitzer aufstellen. Wann das passiert, ist allerdings völlig offen. Deshalb wollte die Stadtverwaltung einspringen – was der Stadtrat jedoch knapp ablehnte.

Seit der Eröffnung des Kreisverkehrs im Jahr 2007 sind bereits diverse Maßnahmen ergriffen worden, um die Sicherheit zu erhöhen. Mittels eines Geschwindigkeitstrichters wurde die Höchstgeschwindigkeit auf 40 Stundenkilometer reduziert und an allen Leitplanken Gefahrenmarkierungen angebracht. Man verlängerte die Mittelleitplanke, installierte Gefahrblitzleuchten und änderte die wegweisende Beschilderung. Doch nichts half, wie Ordnungsamts­chef Ernst Müller im Stadtrat berichtete.

Nun soll ein fest installierter Blitzer im Bereich des Geschwindigkeitstrichters vor der Einfahrt in den Kreisel die Autofahrer dazu bringen, den Fuß vom Gas zu nehmen. Das ergab eine Besprechung von Vertretern von Stadt, Unfallkommission, Innenministerium, der Regierung von Oberbayern und der Zentralstelle für Verkehrssicherheit. Allerdings habe der Freistaat nicht sagen können, wann der Blitzer installiert werden könne, so Müller. So viel aber ist klar: Zeitnah wird es wohl nichts werden. Die Maßnahme ist aufwändig. Unter anderem müssen Betonfundamente sowie Leitplanken errichtet und eine neue Stromleitung verlegt werden. Eine grobe Kostenschätzung spricht von 500.000 Euro allein für die Vorarbeiten und die Aufstellung des Geräts. Hinzu kämen laufende Kosten für Unterhalt, Personal und Sachmittel von etwa 85.000 Euro im Jahr.

Ein Draufzahlgeschäft dürfte der Blitzer dennoch nicht werden. Bei bisherigen sporadischen Tempokontrollen wurden laut Müller in der Spitze 600 Verstöße pro Tag gezählt. Er geht – selbst bei konservativer Schätzung – von 30.000 Verstößen pro Jahr aus, was bei einem Ordnungsgeld von 20 Euro bereits innerhalb eines Jahres mehr in die Stadtkasse spülen würde als die Installation kostet. Selbst wenn man davon ausgeht, dass der Blitzer bei Ortskundigen mittelfristig einen erzieherischen Effekt hat, die Zahl der Verstöße also abnimmt – an dieser Stelle fließt viel überörtlicher Verkehr.

Henrik Lüßmann (Grüne) begrüßte die Maßnahme für mehr Verkehrssicherheit, zumal es „unsere Rettungskräfte und unsere Feuerwehren sind, die bei Unfällen dort im Einsatz sind“. Insofern hätte er es fair gefunden, wenn die Stadt auch den Blitzer betreibt. Berthold Lesch (CSU) plädierte ebenfalls dafür, die Sicherheit am Kreisel zeitnah zu erhöhen. „Das fordern wir anderswo im Stadtgebiet ja auch.“

Dieter Völkel (SPD) hingegen war nicht dafür, dass die Stadt dem Freistaat Aufgaben abnimmt. „Vielleicht müssen wir dann auch andere Sachen übernehmen, die nicht so lohnend sind.“ Ähnlich sah es die UBV. „Wenn es um die Sicherheit geht, wird der Freistaat es machen, und dann ist es auch sein Job“, so Christoph Jell.

Der Vorstoß scheiterte knapp mit 10:11 Stimmen.

Ulrike Osman

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