Neuer Kratzer-Keller für Landsberg

"Ich sehe den Plan zum ersten Mal"

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Bereits im Oktober vergangenen Jahres unter anderem im KREISBOTEN veröffentlicht: Die 3D-Illustration des neuen Kratzer-Kellers am Katharinenberg.

Landsberg – „Beim Projekt Kratzer Keller geht es in erster Linie um Wohnungsbau“, hatte der KREISBOTE im Oktober vergangenen Jahres geschrieben und das geplante Vorhaben detailliert beschrieben sowie in 3D illustriert. In dem Artikel stand auch, dass das Vorhaben das Grundstück voll ausfüllt, kein größerer Abstand als bisher zur Straße geplant ist und die Tiefgaragenzufahrt (wie bislang die Parkplatzzufahrt) von der Katharinenstraße aus erfolgen soll. Dennoch zeigten sich einige Stadträte jetzt über diese Fakten überrascht.

Im Stadtrat vor zwei Wochen bekam man bei den Wort­mel­dun­gen von Dr. Reinhard Steuer (UBV) den Eindruck, die Gremien hätten das Vorhaben vorher noch nie zu Gesicht bekommen. „Man sollte das Gebäude zurückspringen lassen. Wir nutzen alles bis unter die Kante.“ Steuer sprach von einer „Verän­derung unserer Stadt in brutalster Form“. Stadtrat Hans-Jürgen Schulmeister (Landsberger Mitte) schrieb am Wochenende sogar an seine Kollegen, er habe auf der Website von Tröger Architekten eine dreidimensionale Zeichnung des Vorhabens entdeckt; „ich sehe diesen Plan zum ersten Mal“.

Vor 9 Monaten

Aber die Zeichnung war bereits vom KREISBOTEN publiziert worden. Auch war die in Frage gestellte Baulinie immer schon da; das Ersatzgebäude entsteht an gleicher Stelle. Natürlich gibt es bei der Aufstellung eines Bebauungsplans (verbunden mit der Gebietsänderung in ein Urbanes Gebiet mit mehr Lärmtoleranz und größerem zulässigen Wohnanteil) immer die Möglichkeit, mit dem Bauwerber über gewünschte Veränderungen zu sprechen. Aber das hätte der Bau-, Planungs- und Umweltausschuss bereits vor neun Monaten tun können.

Doch da beschloss er lediglich, dass die noch vorhandenen Bäume in den Plan einzuzeichnen sind. In Sachen Tiefgaragen­zufahrt entschied er gegen den Antrag der Grünen zugunsten der bestehenden Planung. Alles andere winkte er faktisch durch. Man darf sich nicht wundern, dass die Schaffung von Wohnraum – in diesem Fall sogar von sozialem Wohnraum – so lange dauert, wenn Stadträte in einer solch erratischen Form vorgehen.

Tatsächlich beendete Oberbürgermeister Mathias Neuner die Diskussion wenig später mit Hinweis auf noch zu klärende Fragen und zählte die Baulinie und die Tiefgaragenzufahrt dazu. Weitere offene Punkte sind die Durchwegung (der Stadtrat wünscht sich einen Weg für die Anwohner parallel zur Saarburgstraße) und die Entfernung von Parkplätzen auf der Augsburger Straße, um die Ausfahrt übersichtlicher zu machen.

Auf Nachfrage

Tatsächlich hatte der Ausschuss die Verwaltung bereits im Oktober 2017 um Prüfung der Durchwegung gebeten. Dabei ist sie offenbar zu einer ablehnenden Empfehlung gekommen, was Stadtbaumeisterin Birgit Weber aber erst auf Nachfrage zu erkennen gab. Auch fehlte die klar beauftragte Einzeichnung der Bäume. Dieser Teil der Ehrenrunde hätte sich durch bessere Vorbereitung daher auch noch erübrigen lassen.

Generell ist anzumerken: Wenn Bauträger viel Geld ausgeben, um ein Grundstück zu erwerben, darf es nicht Jahre dauern, bis dort Baurecht entsteht. Deswegen ist zu hoffen, dass beide Seiten, Stadtrat und Verwaltung, sich in Sachen Kratzer-Keller nun ein wenig beeilen. Zumal vielen die Gastronomie an dieser Stelle schmerzlich fehlt.

Werner Lauff

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