Das Zentrum und die Zentren

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Abweichend vom Bebauungsplan darf der Textilmarkt kik im „Forum“ an der Münchener Straße weitere fünf Jahre bestehen – seine Waren seien nicht innenstadtrelevant.

Landsberg – Der Wirtschafts- sowie der Bau-, Planungs- und Umweltausschuss des Stadtrats haben in der vergangenen Woche die Aufstellung eines Querschnitts-Bebauungsplans „Einzelhandelsnutzung“ beraten und beschlossen. Die knappe Mehrheit kam aber nur zustande, weil die Stadträte die inhaltlichen Vorschläge der Verwaltung lediglich „zur Kenntnis“ und nicht „zustimmend zur Kenntnis“ nahmen. Nun soll ein Arbeitskreis (aus Mitgliedern des Wirtschaftsausschusses), eine Lösung finden.

Die Kernfrage heißt: Welche Sortimente dürfen außerhalb der Altstadt verkauft werden? Und wo darf das genau geschehen? Bisher hat der Stadtrat dies in den einzelnen Bebauungsplänen von Gebiet zu Gebiet festgelegt. Außerdem hat er immer wieder Ausnahmen vom jeweiligen Bebauungsplan gemacht – zuletzt beim Textilmarkt kik im Forum an der Münchener Straße, der weitere fünf Jahre bestehen bleiben darf, weil seine Waren „nicht innenstadtrelevant“ sind. Nun aber wollen Stadtrat und Verwaltung einheitliche Regelungen treffen, die für alle Bau- und Stadtgebiete gelten.

Dazu hatte der Stadtrat im Januar 2015 bereits Grundsätze und eine Sortimentsliste beschlossen. Erster Grundsatz ist der „Schutz und die Stärkung der Altstadt“. Weitere Ziele sind die „Stärkung der Nahversorgung“ und der „Aufbau und Erhalt von Nebenzentren“. Die „Landsberger Liste“ differenziert zwischen zentrenrelevanten und nicht zentrenrelevanten Warengruppen. Beispielsweise ist „Jagdbedarf“ zentrenrelevant, Zooartikel sind es aber nicht.

Aber damit ist die Aufgabe nur halb erledigt, denn „Zentren“ heißt nicht „Zentrum“. Welche Gebiete sollen außerhalb der Altstadt als Zentren definiert werden, in denen man alles kaufen kann? Die Vorstellungen dazu gehen weit auseinander. Einige Stadträte fokussieren auf die Altstadt. Das schlägt thematisch sogar auf Fahrradwege an der Neuen Bergstraße und Parkplätze in der Schongauer Straße durch. Ihr Konzept heißt „Ungehinderte und schnelle Autofahrt zur Altstadt, möglichst kostenloses Parken nah bei den Geschäften und keine Zentren neben dem Zentrum“.

Andere Stadträte verweisen hingegen auf die begrenzte Kapazität der Altstadt und die reduzierten Verkaufsflächen – Manches sei in der Altstadt einfach nicht möglich. Einzelhandelsexperte Dr. Manfred Heider hatte dem Landsberger Zentrum zuvor ein „gutes Niveau“ attestiert. Zwar seien einige Geschäfte eher „Liebhaberei“, weil sie sich wohl betriebswirtschaftlich nie rechnen könnten. Insgesamt stehe der Einzelhandel in der Innenstadt mit 290 Millionen Euro Jahresumsatz aber gut da. Auch die Bindungsquote sei hoch; die Käufer kommen wieder und lassen sich auch durch Internet-Angebote nur in geringem Umfang davon abbringen, Waren in der Altstadt zu kaufen. Allerdings sah Heider noch Entwicklungspotential, insbesondere bei Lebensmitteln, Bekleidung und Haushaltswaren. Sein Fazit: Die Stadt verkraftet durchaus Nebenzentren wie das „Forum“.

Diesem Gedanken folgten die Stadtratsgremien aber nicht uneingeschränkt. Zwar konnte sich Wolfgang Neumeier (UBV) mit einem Geschäftsordnungsantrag zur Nichtbehandlung des Zentrenkonzepts nicht durchsetzen – neben ihm stimmte niemand dafür. Auch fand der Antrag, den Aufstellungsbeschluss zu verschieben, keine Mehrheit. Immerhin setzten die Skeptiker der Mehrere-­Zentren-Lösung aber durch, dass der Verwaltungsvorschlag nicht „zustimmend“ zur Kenntnis genommen wurde und nun im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens neben der Einbeziehung der Bürger auch noch einmal der Wirtschaftsausschuss „als Arbeitskreis“ tagt – was letztlich wohl bedeutet, dass die Öffentlichkeit an dieser Stelle ausgeschlossen sein soll.

Werner Lauff

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