Nicht in die Falle gegangen

Landsbergs teuflisch kluger Biber

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Der Inselbadbiber hatte sich ins Becken verirrt und konnte deshalb gefangen werden.

Landsberg – „Biberfalle – Bitte nicht berühren und die Falle auslösen!“ Wer in letzter Zeit in der Teufelsküche unterwegs war, hat das Fallenhinweisschild vielleicht gesehen. Auch wenn die Falle selbst schon lange wieder weg ist. „Der Teufelsküchen-Biber hat sich leider nicht fangen lassen“, berichtet Stephan Wenning von der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt, der jüngst den Inselbad-Biber fing (der KREISBOTE berichtete). Und seit Mitte März haben die Nager sowieso nichts mehr zu befürchten: Denn jetzt ist Biber­schonzeit.

Knapp zwei Meter ist so eine Biberfalle lang und über einen halben Meter hoch und breit. Innen liegen Schmankerl für den eifrigen Nager: Mais, Äpfel oder auch Zuckerrüben. Natürlich hat die Falle Klappen an beiden Enden. Denn der Biber, das mit einer Länge von bis zu 1,4 Metern und einem Gewicht bis 35 Kilogramm größte Nagetier Europas, soll lebendig gefangen werden.

Jetzt werden die Bäume in der Teufelsküche nur noch durch Draht vor dem Biber geschützt.

Wäre das in der Teufelsküche gelungen, hätte man ihn umsiedeln können. Die neue Biberheimat muss dabei gar nicht so weit entfernt sein, sagt Wenning. „Wichtig ist nur, dass dort keine Bebauung ist, die gefährdet werden kann, dass keine intensive Landwirtschaft betrieben wird und vor allem: dass dort nicht schon ein anderer Biber im Revier unterwegs ist!“ Inzwischen sei es gar nicht mehr so leicht, noch ‚biberfreie‘ Gebiete im Landkreis zu finden. „Deshalb wurden auch schon Biber nach England ausgesiedelt. Die sogenannten Brexit-Biber.“

Zuständig für den Biberfang in der Teufelsküche sind eigentlich die Stadtwerke Landsberg, die Untere Naturschutzbehörde unterstützt nur. Denn den Stadtwerken gehört das Gebiet, genauer, das Trinkwasserschutzgebiet Teufelsküche. Und genau deshalb muss der Biber auch weg: „Dort stehen sehr viele Bäume am Hang“, erklärt Landschaftsplaner und Ingenierökologe Wenning. Wenn der Biber diese nach und nach fällt, droht der Hang abzurutschen, direkt in den kleinen türkisblauen Stausee. Das Aus für das Wasserschutzgebiet.

Biber in Nahaufnahme: das Tier, das sich ins Inselbad verlaufen hatte.

Da der Teufelsküchen-Biber offenbar zu schlau ist – die Falle stand sechs Wochen dort, zeitweise habe man sogar zwei aufgestellt – werden die Bäume jetzt durch Draht so gut wie möglich vor den Zähnen des Nagers geschützt. Die bisher zugefügten Schäden sind mit einer Paste ‚verarztet‘, „und im Herbst werden dann wohl wieder Fallen aufgestellt“, vermutet Wenning. Mit ein Grund für den Misserfolg sei sicher auch, dass in der Teufelsküche viele Menschen unterwegs sind. „Sobald jemand die Falle berührt oder ein Hund hinbieselt, geht der Biber mit seinem guten Riecher da nicht mehr hin.“ Einige lösten die Falle auch absichtlich aus – „obwohl auf dem Schild zu lesen ist, dass wir das Tier nicht töten.“ Denn töten darf man einen Biber nur in Ausnahmefällen: Er steht nicht im Jagdrecht, dafür unter Naturschutz. Erst wenn alles Machbare getan wurde – sogenannte Vergrämungs-Maßnahmen wie Fallen oder auch der Schutz der Baumstämme mit Draht – und der Biber sein Umfeld gefährdet, wie das im Trinkwasserschutzgebiet Teufelsküche der Fall ist, darf er eventuell geschossen werden. Da muss allerdings auch erst die Untere Naturschutzbehörde zustimmen.

Auch am neuen Lechsteg sind auf der Lech-Ostseite angenagte Bäume zu sehen. Und vor Kurzem konnte Wenning einen Biber fangen, der sich versehentlich ins Inselbad verirrt hatte und nicht mehr aus dem Becken herauskam. Wenn man ihn fange, müsse man allerdings gut aufpassen. Die Zähne sind groß und scharf. „Das Tier war sozusagen 30 Kilo reine Muskelmasse.“ Allerdings wird das Problem am Steg wohl noch nicht gelöst sein: „Ich vermute, dass da noch ein Biber unterwegs ist.“
Susanne Greiner

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