Probleme auf den Punkt gebracht

Landsbergs zweiter OB-Test: Bei den sozialen Fragen ging‘s zur Sache

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Moderiert von Erwin Karg (links), lieferten sich die OB-Bewerber Doris Baumgartl, Felix Bredschneijder, Moritz Hartmann und Mathias Neuner (von links) auf dem Podium im Sportzentrum eine lebhafte Diskussion.

Landsberg – Bezahlbarer Wohnraum, Kinderbetreuung, Pflege, Inklusion – es waren ebenso drängende wie umfangreiche Themen, zu denen der Arbeitskreis Wohlfahrtspflege die vier OB-Kandidaten Doris Baumgartl (UBV), Felix Bredschneijder (SPD), Moritz Hartmann (Grüne) und Mathias Neuner (CSU) zur Podiumsdiskussion ins Sportzentrum eingeladen hatte. So voll wie bei der Veranstaltung wenige Tage zuvor im Stadttheater wurde es dort zwar nicht. Dafür ging es lebhafter, kontroverser und mit mehr Beteiligung des Publikums zur Sache.

Als Moderator behielt der parteilose Fuchstaler Bürgermeister Erwin Karg die Zügel den ganzen Abend über sicher in der Hand. Und er verstand es, mit einfachen Fragen, Dinge auf den Punkt zu bringen – zum Beispiel zum Bedarf an Kinderbetreuungsplätzen. „Wann habt ihr den letzten Kindergarten eingeweiht?“ Antwort: 2014. Seitdem sind lediglich einzelne Gruppen und Interimslösungen hinzugekommen.

Während Baumgartl OB Neuner und der Verwaltung die stockende Umsetzung von Projekten ankreidete, warf der Amtsinhaber dem Stadtrat – dem alle drei Herausforderer angehören – vor, Planungen zu verhindern oder zu verzögern. Bredschneijders Forderung, aufgrund der stetig wachsenden Nachfrage „ein Stück über den Durst hinaus zu planen“, konterte Neuner mit dem Hinweis, dass man nicht mehr Plätze schaffen könne, als vom Landratsamt als notwendig anerkannt werden.

Moritz Hartmann sah Verbesserungsbedarf im Umgang mit den freien Trägern, der auf Augenhöhe stattfinden müsse, „auch finanziell“. Die Stadt lasse bei den Finanzverhandlungen gerne ihre Overhead-Kosten unter den Tisch fallen, was ein freier Träger nicht könne. „Aber auch die Verwaltung arbeitet nicht umsonst.“ Auch hänge die Kita-Planung mit dem Wohnungsbau zusammen. Wenn neue Wohngebiete nicht vorankommen, verzögere sich auch der Bau neuer Betreuungsstätten. „Da müssen wir uns im Stadtrat an die eigene Nase fassen.“

Unter den Zuhörern kam bei dem Thema Verärgerung auf. Eine Mutter befürchtete, dass es zu wenige integrative Plätze gibt, was Druck auf betroffene Eltern ausübe – bis hin zu der Frage, ob sie ein behindertes Kind überhaupt zur Welt bringen. Eine andere Zuhörerin kritisierte die lange Vorlaufzeit bei der Schaffung von Betreuungsplätzen. „Wenn die Planung sechs Jahre dauert, ist das Kind schon in der Schule.“ Vorgesehen ist bis 2035 die Schaffung von zehn neuen Kindergärten, wie Neuner sagte.

Einig waren sich alle vier Bewerber beim Thema Inklusion – sie soll vorangetrieben werden, unter anderem mit Hilfe des Bildungs-, Sozial- und Kulturausschusses, stärkerer fachlicher Beratung und mehr Vernetzung zwischen Akteuren. Auch eine Verbesserung des ÖPNV gehört dazu, lautete eine Forderung aus dem Publikum.

Wie die Landsberger zu mehr bezahlbarem Wohnraum kommen können, darüber gingen die Meinungen auseinander. Alle Herausforderer wollen, dass zügig und zahlreich kommunale Wohnungen gebaut werden und in städtischem Eigentum bleiben. Für Neuner soll die Stadt bei der Schaffung von Wohnraum zwar „mitwirken“, hauptsächlich sieht er das Heil aber in der Ausweisung und Verfügbarmachung von Baugrund.

Verärgerung wurde laut beim Thema Mitarbeiterwohnungen am Klinikum. Dass ein Stelzenbau des Landkreises über dem Parkplatz nicht zustande kommt, hatten Hartmann, Bredschneijder und Baumgartl aus dem Kreisboten erfahren. „Das Thema war nie im Stadtrat“, kritisierte Hartmann. Neuner erklärte, für die Wohnungen fehle der Stellplatznachweis. Baumgartl konterte: „Pflegewohnungen können nicht an Parkplätzen scheitern.“ Bredschneijder befand, dass „die Kommunikation zwischen Stadt und Landkreis dringend verbesserungswürdig ist“.

Wo sollen neue Pflegeheime entstehen und woher soll in Zeiten des Pflegekräftemangels das Personal kommen, lauteten weitere Fragen von Moderator Erwin Karg. Neuner kann sich von den zwei Heimen, die man in den nächsten 15 Jahren werde errichten müssen, eines an der Schongauer Straße vorstellen. Für Hartmann und Bredschneijder sollten die Standorte eher zentral liegen und gut an den ÖPNV angeschlossen sein. Baumgartl unterstrich auch einen Bedarf an Kurzzeit- und Tagespflegeplätzen. Außerdem solle die Stadt die Rahmenbedingungen für haushaltsnahe Dienstleistungen verbessern, zum Beispiel durch eine Ausdehnung der Nachbarschaftshilfe.
Ulrike Osman

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