Landschaftsschutz vor Jugendarbeit?

Das SWB-Segelcamp kann in diesem Jahr mangels Bootslagerfläche nicht stattfinden. Foto: SWB

„Die Belange des Landschafts- und Naturschutzes stehen im Landratsamt Landsberg über den Belangen der Jugendarbeit im Segelsport“, wettert Rainer Weindl, Vorsitzender des Segelvereins Weiß-Blau (SWB) in St. Alban. Eine „nicht nachvollziehbare Entscheidung“ der Abteilung Wasserrecht verbiete neuerdings die zeitlich begrenzte Lagerung von Kinder- und Jugendbooten am Seeufer. Daraufhin habe der Verein das Segelcamp vom 8. bis 12. August absagen müssen.

Konkret gehe es um die Lagerung von acht „Optimisten“ und vier „Lasern“ in einem Zeitraum von fünf Tagen für das Jugendcamp und maximal acht bis zehn Tagen für das vereinseigene Jugendtraining. Besagtes Ufergrundstück liegt nur einen Steinwurf weit von dem des Ammerseefischers Johann Ernst entfernt, wo die Schulboote bisher „geparkt“ worden waren. Doch eben jenem Fischer unter­sagte die Kreisbehörde den Bau eines Bootsliegeplatzes neben seinem Bootshaus. Johann Ernst beschritt daraufhin den Klageweg, unterlag zuletzt vor dem Bundesverwaltungs­ge­richt. Und darauf bezieht man sich nun im Landratsamt. „Wir würden uns selbst in Widerspruch setzen“, betont Pressesprecher Wolfgang Müller, „ein neuer Bezugsfall würde geschaffen.“ Das von dem Segelverein avisierte Ufergrundstück sei schon deshalb problematisch, weil es direkt an einem Verlandungsbereich und zudem im Land­- schaftsschutzgebiet liege. Die Absage der Kreisbehörde ist datiert auf 27. Juni. Allerdings habe man den SWB-Verantwortlichen laut Müller bereits beim Ortstermin Anfang Juni, dem auch ein Vertreter der Staatlichen Schlösser- und Seenverwaltung beiwohnte, Entsprechendes signalisiert. „Uns tut es leid“, beteuert Pressesprecher Müller. Aussicht auf ein Ersatzgrundstück gebe es nicht. Das jährlich stattfindende Segelcamp, heuer auch Bestandteil des Landsberger Ferienprogrammes, erfreue sich immer größerer Beliebtheit, so SWB-Vorsitzender Weindl. Viele Kinder aus dem gesamten Landkreis konnten erste positive Erfahrungen im Segelsport machen. „Zum größten Teil sind die Teilnehmer mit Begeisterung bei diesem Sport geblieben.“ Für das Camp 2011 lagen dem Verein bereits 20 Anmeldungen vor. „Wir, die betroffenen Eltern und andere Segelvereine sind sehr enttäuscht“, kommentiert der Vereinsvorsitzende die Entscheidung des Landratsamtes. Schließlich bedeute dieses Lagerungsverbot das Aus der aktiven Jugendarbeit im Verein und somit auf lange Sicht auch das Fehlen von Nachwuchs. Man könne und wolle sich mit dieser Zukunftsperspektive nicht abfinden und werde alle Mittel ausschöpfen, sich gegen die „Fehlentscheidung“ zu wehren. Der Bayerische Seglerverband wurde bereits über das Geschehen informiert. Wolfgang Müller rät SWB-Kapitän Weindl und seiner Crew, sich in der Nachbarschaft umzusehen. „Vielleicht gibt es ja bei einem der umliegenden Segelvereine zwischenzeitlich eine Lagerungsmöglichkeit.“

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