Mit Wasserstoff ans Ziel?

Kaufering: Dorow forciert Bau einer Wasserstofftankstelle

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In Niedersachsen sind die einzigen zwei Wasserstoff-Züge Deutschlands unterwegs. Bald auch in Kaufering? Zumindest der Bau einer Wasserstofftankstelle wird momentan angedacht.

Kaufering – Gerade eben ist der „Januar-Welfenbote“, das CSU-Mitteilungsblatt des Ortsverbands Kaufering, erschienen. Darin auch der Bericht aus München von Landtagsabgeordneten Alex Dorow, in dem er unter anderem auf das Thema Wasserstofftankstelle zu sprechen kommt: „Im Zuge des neuen bayerischen Wasserstoffprogramms (...) habe ich Kaufering als Standort für eine Wasserstofftankstelle vorgeschlagen.“ Die Staatsregierung wolle 100 dieser Tankstellen in Bayern fördern. Mit einem rechtzeitigen Förderantrag könne auch Kaufering davon profitieren.

Immerhin habe er bei der Eröffnung der ersten niederbayerischen Wasserstofftankstelle in Passau mit Staatsregierung, Bundesverkehrsministerium und Versorgergesellschaften sprechen und sie „von den guten Standort-Voraussetzungen Kauferings überzeugen“ können, schreibt Dorow. Dass Kaufering in die engere Auswahl komme, liege an dessen Lage: einerseits ein Verkehrsknotenpunkt aus A96, B17 und der Bahnlinie Richtung Schweiz – ein Land, das beim Thema Wasserstoff (H2) Deutschland ein paar Schritte voraus ist und in dem bereits mehrere Wasserstoffzüge unterwegs sind. Andererseits hätten die zahlreichen größeren Unternehmen in Kaufering an einer Wasserstofftankstelle sicher Interesse, da Experten die Zukunft des Wasserstoffantriebs neben der Schiene vor allem im Schwerlastverkehr sehen. „Diese Kombination prädestiniert Kaufering aus meiner Sicht als Standort für einen Versorgungspunkt mit Wasserstoff“, schließt Dorow.

Im Gespräch mit dem KREISBOTEN nennt der Landtagsabgeordnete einen weiteren Pluspunkt für den Standort Kaufering. Eine mögliche H2-Tankstelle läge gut im Dreieck Kaufering-Augsburg-München, wo es bereits solche Tankstellen gebe. Und auch wenn die Forschung zum Thema Wasserstoff noch in den Kinderschuhen steckt: „Früher Vogel fängt den Wurm“, so Dorow; es gehe darum, für die Förderung „jetzt laut und deutlich ‚Hier!‘ zu rufen“. In welcher Höhe gefördert werde, könne er aber noch nicht sagen.

Der Wasserstoffantrieb war in den 90er Jahren Thema, verlor aber gegenüber den E-Autos an Gewicht, was auch die Forschung etwas lahmlegte. Anfang 2019 waren gerade mal knapp 400 Pkw in Deutschland gemeldet – von insgesamt rund 60 Millionen. Nur ein Autobauer in Deutschland bietet einen Wasserstoff-SUV (!) für Firmenkunden an. Asien ist weiter. Allerdings sind diese H2-Pkw mit 70.000 Euro Neupreis noch teuer. Zudem kostet ein Kilo Wasserstoff, das für rund 100 Kilometer Fahrt reicht, 9,50 Euro. Die Fahrt mit einem E-Auto ist also bisher weitaus günstiger. Für die Erzeugung von einem Kilo Wasserstoff benötigt man momentan noch die dreifache Menge an Energie. Ein CO2-optimierter Antrieb kann zudem nur dann erreicht werden, wenn der Wasserstoff mittels regenerativer Energien erzeugt wird.

Der Schwerpunkt des Wasserstoffantriebs wird auf der Schiene, in der Luft, auf dem Wasser und im Schwerlastverkehr liegen, sagen Experten. Es gibt tatsächlich auch in Deutschland Züge, die mit Wasserstoff fahren: zwei, in Niedersachsen. Allerdings hat Hessen 27 Züge bestellt und das Unternehmen, das diese Züge konstruiert, sei auch mit anderen Bundesländern im Gespräch, ist auf dessen Webseite zu lesen. Ob Bayern bereits mit dem Unternehmen Kontakt aufgenommen hat, könne er nicht sagen, gibt Dorow zu. „Aber ich will das ankurbeln.“

Wasserstofftankstellen gibt es in Deutschland bisher knapp 80, in Bayern 16. Flächendeckend ist das nicht. „Das ist das Henne-Ei-Problem“, sagt Dorow. „Ist die Infrastruktur wichtiger oder die Technik?“ Für ihn stehe klar die Infrastruktur im Vordergrund. Das Berliner Unternehmen H2-Mobility kooperiere beim Wasserstofftankstellenbau mit Shell, OMV und Total und sei an einer Tankstelle in der Nähe des Kauferinger Bahnhofs interessiert, so Dorow. „Es ist noch nichts entschieden, aber wir wollen das jetzt ins Gespräch bringen.“

Wenn der Förderantrag durchgeht, vermutet CSU-Ortsvorsitzender Dr. Thomas Harbich den Baubeginn schon im kommenden Jahr. Ein Antrag sei aber auf jeden Fall jetzt sinnvoll, da zum Beispiel ein städtebaulicher Vertrag zwischen Kaufering und Landkreis länger dauern könne. Sind andere Projekte nicht dringender? Immerhin wurde die Bahnstrecke bei Kaufering gerade erst elektrifiziert. Zum Beispiel das Parkhaus am Bahnhof? „Das eine tun und das andere nicht lassen“, antwortet Dorow. Auch Harbich sieht hier keine Konflikte: „Zu dem Parkhaus gibt es keine Alternative. Aber auch das wird noch ein bisschen dauern.“
Susanne Greiner

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