Baumfrevel in Asch?

"Die Eichen waren pumperlgsund!"

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Immerhin: Eine steht noch, und das soll auch so bleiben. Mit der Fällung zweier rund 250 Jahre alten Eichen auf seiner Wiese an der Lechsbergstraße in Asch hat ein Landrat nicht nur Anwohner, sondern auch den Bürgermeister verärgert.

Asch – Im sonst so friedlichen Fuchstaler Ortsteil Asch kochen die Gemüter hoch. Der Grund: Ein Landwirt hat zwei von drei alten knorrigen Eichen auf seinem eigenen Grundstück gefällt. Die Empörung über diese Nacht- und Nebelaktion ist groß.

Ein „Shitstorm“, wie man so etwas im Internet nennt, tobt über die idyllische Gemeinde hinweg. An der Spitze der Bewegung hat sich Fuchstals Bürgermeister Erwin Karg gestellt. Er fragt sich und andere: Darf man so ohne wei­teres 250 Jahre alte Bäume fällen?

Die Antwort aus abstrakter formaljuristischer Sicht lautet: Ja. „Eigentlich sollte man es nicht dürfen“, meint Bürgermeister Karg. Er hatte in der jüngsten Gemeinderatssitzung seinen Rat darüber informiert, dass der Baumfrevel vor der Haustüre der Gemeinde in der Lechsbergstraße empörend sei. „Die Aktion hat Kopfschütteln im ganzen Dorf ausgelöst“, sagte Karg.

Als die Motorsägen am Morgen des 26. März auf der Wiese an der Lechsbergstraße aufheulten, war es zu spät. Zwar riefen aufgebrachte Anwohner im Landratsamt an. Die dort ansässige Untere Naturschutzbehörde musste ihnen allerdings bescheinigen, dass „wo­- möglich alles rechtens“ sei. Versprochen wurde den Anrufern, dass man mit dem Eigentümer Kontakt aufnehmen werde. Pressesprecher Wolfgang Müller zum KREISBOTEN: Da es keine Baumschutzverordnung gibt, kann man auch nicht dagegen verstoßen. Jeder Grundstückseigentümer könne mit seinen Bäumen machen, was er wolle.

Eine Einschränkung gibt es allerdings. Aus Vogelschutzgründen darf zwischen dem 1. März und dem 30. September jeden Jahres kein Baum gefällt werden. Den Verstoß sehe man in der Kreisbehörde aber als nicht gravierend an, da wegen des strengen Winters noch keine Vögel gebrütet hätten.

Krank und morsch?

Müller bestätigte zudem, dass das Landratsamt erst nach dem Bekanntwerden der Baumfällaktion beim Eigentümer des Grundstücks angerufen habe. Dieser habe argumentiert, die beiden Eichen seien krank, morsch und vom Pilzbefall betroffen gewesen. Der dritte und letzte noch stehende Baum in der Mitte des Feldes solle aber stehen bleiben.

So richtig Glauben schenken mochte Bürgermeister Karg der Begründung des Landwirts nicht. In einer Erklärung gegenüber unserer Zeitung sagt er wörtlich: „Dass ich nicht lache. Die Bäume hat sich keiner angesehen, bevor diese gefällt wurden. Meines Erachtens waren sie pumperlgsund. Es gibt auch Fotos davon. Hier versucht jemand nachträglich etwas zu verschönen.“ Karg ärgert sich auch über die Behörde: „Und der Herr im Landratsamt nimmt das einfach so zur Kenntnis.“

Auch dass das abgesägte Holz ganz schnell vom Feld verschwunden sei, ist für den Bürgermeister ein Indiz dafür, dass hier „etwas nicht stimmt“. Eine Gefahr für Anwohner und Wohngebäude habe nicht bestanden, da die Eichen auf einem Feld weitab von der Straße gestanden haben, meint Karg. Er vermutet andere Gründe hinter der Aktion.

Schade um jeden Baum

Viele Anwohner stellen sich die Frage, wie man solche alten Bäume in Zukunft schützen kann. Das Landratsamt mit seiner Naturschutzbehörde denkt nicht über eine Baumschutzverordnung nach, weil man dort dafür nicht zuständig sei, sagt Pressesprecher Müller. Er verweist auf die Zuständigkeit der Gemeinde. Bedauern kommt auch von Landrat Walter Eichner: „Natürlich ist es um jeden Baum schade, der gefällt wird, oder gefällt werden muss, ganz besonders dann, wenn es sich um sehr alte und mächtige Bäume handelt, die in unserem Landkreis oft markant das Landschaftsbild prägen.“

Und was sagt Fuchstals Bürgermeister? Er sieht eine Baumschutzverordnung eher kritisch. „Wenn jemand einen Baum fällen will, wird er dies tun. Es besteht sogar die Gefahr, dass man Bäume fällt, bevor sie unter die Baumschutzordnung fallen.“ Auf positive Erfahrungen mit einer Baumschutzverordnung kann dagegen Schondorf verweisen, übrigens die einzige Gemeinde im Landkreis Landsberg, die eine derartige Verordnung hat. Deren Bürgermeister Peter Wittmaack meint: „Man kommt mit den Leuten ins Gespräch“, sagt er. „Und wenn wir einer Fällaktion zustimmen, müssen Ersatzpflanzungen gemacht werden“.

Erwin Karg will in Asch um die letzte verbliebene Eiche im Zentrum der Wiese kämpfen und hofft dieses Mal auf Schützenhilfe vom Landratsamt.

Siegfried Spörer

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