Johannespassion in sanften Tönen

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Die drei männlichen Solisten Johannes Gruber, Christian Rathgeber und Felix Rathgeber (v. links) harmonierten bei Bachs Johannespassion in der Heilig-Kreuz-Kirche perfekt mit dem Kammerchor Landsberg unter der Leitung von Silvia Elvers und dem Orchester „La Banda“.

Landsberg – Vor knapp 300 Jahren wird Johann Sebastian Bachs Johannespassion zum ersten Mal aufgeführt: In der Leipziger Nikolaikirche ist Bach als Thomaskantor, dem Leiter des Thomanerchores, auch 1724 für die musikalische Gestaltung der Karfreitagsmesse verantwortlich. Am vergangenen Palmsonntag erlebten die Zuhörer in der Heilig-Kreuz-Kirche eine Version von Bachs Johannespassion, die klanglich an die damalige Zeit erinnern konnte: Der Landsberger Kammerchor, fünf Solisten und das Originalklang-Orchester „La Banda“ mit ihren historischen Instrumenten boten eine Passion, die sich durch sanfte Töne und klangvolle Harmonie auszeichnete.

Im Mittelpunkt von Bachs Komposition steht dabei der Chor: Einerseits verkörpert er das israelische Volk, das gegen Pilatus‘ Aussage „Ich finde keine Schuld an ihm“ Jesus‘ Kreuzigung erzwingt, da er sich als Gottes Sohn bezeichnet. Diese als Turba-Chöre bezeichneten Passagen sind zusammen mit den Rezitativen der erzählende Teil.

Der Kammerchor Landsberg unter der Leitung von Silvia Elvers setzte die „Volksausrufe“ überzeugend um: lebendige Stimmenvielfalt ergänzte diese temporeichen Passagen. Auch in seiner „zweiten Rolle“ überzeugte der Kammerchor: Die Choräle, die das Geschehen für die Gemeinde interpretieren sollen, zeichnen sich durch eine getragene, kirchenliedhafte Weise aus, die im direkten Gegensatz zum Turba-Chor steht. Als Evangelist brillierte Tenor Christian Rathgeber: seine schlanke, lyrische Stimme passte sich Bachs ungewöhnlich freien Rezitativmelodien unbeschwert an.

Bei der Rezitativbegleitung durch einen Generalbass zeigte sich der ganz besondere Klang von „La Banda“: Alle Instrumente sind auf 415 Hertz gestimmt und damit tiefer als heutzutage gewohnt. Die kleine und kompakte Truhenorgel, die Gambe, Barockcelli und das Bassinstrument Theorbe mit seinen zwei Wirbelkästen haben einen weicheren Klang und harmonieren so weitaus besser mit den Stimmen. Die einzelnen Musiker spielen schon lange miteinander und haben sich über die damaligen Spieltechniken der Instrumente informiert: Bei ihren Tönen rutscht das moderne Ohr leicht in die Vergangenheit.

Auch bei den Arien, die die Deutung der Handlung durch den Einzelnen zeigen sollen, zeigten Solisten und „La Banda“ ihr Können: Ein von Franziska Gündert gesungener Alt-Part wurde von zwei Oboen begleitet, die Sopran­arien von Ina Maria Weißbach von den, wohlgemerkt hölzernen, Querflöten – Instrumente, die sich fast wie eine zweite Stimme anhörten. Der weiche, satte Bass von Solist Felix Rathgeber als Jesus harmonierte mit den Streichern, ebenso die Partien des Pilatus, gesungen vom Bariton Johannes Gruber.

Am Palmsonntag

Traditionell wird im Gottesdienst am Palmsonntag ein Evangelium der synoptischen Evangelisten gelesen. Auch die Musik des Barock orientierte sich eher an diesen Erzählungen. Dass Bach die Eigenheit eines Evangelisten herausstellte, war eher unüblich. Im Johannesevangelium steht die Botschaft „Jesus ist der Sohn Gottes“ im Mittelpunkt. Jesus als Mensch tritt nicht in Erscheinung: Er erleidet keine Schmerzen, erlebt keine innerlichen Konflikte.

Das angstvolle Gebet im Garten Gethsemane kommt nicht vor, auch nicht Jesus Ausruf „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Dazu passt Bachs ausdrucksstarke und mitnichten gefällige Komposition, die raffiniert mit den traditionellen Chorälen und den für damalige Zeit modernen Aspekten der Arien und Rezitativen spielt. Sicher mit ein Grund, warum Bachs Passion auch heute noch große Anerkennung findet: Das zahlreich erschienene Publikum in der Heilig-Kreuz-Kirche belohnte die Darbietung mit langanhaltendem Applaus.

Susanne Greiner

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