Europäisch aufstellen

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Bei den Tonröhrenbauten an der Erpftinger Straße soll ein Dokumentationszentrum entstehen, wenn es nach dem Verein „Europäische Holocaustgedenkstätte Stiftung“ geht.

Landsberg – Der eingetragene Verein „Europäische Holocaustgedenkstätte Stiftung“ hat das Ziel, bei den Tonröhrenbauten an der Erpftinger Straße, die Teil des KZ-Außenlagers Kaufering sind, ein Dokumentationszentrum entstehen zu lassen. Im Gespräch mit dem KREISBOTEN wird klar: Es bedarf vieler paralleler Schritte, um dieses Vorhaben zu verwirklichen – und eine Menge Fingerspitzengefühl.

Das kennt Manfred Deiler schon: Wenn er als Vorsitzender des Vereins „Europäische Holocaustgedenkstätte Stiftung“ von Journalisten befragt wird, herrscht enormer Informationsbedarf. Was will der Verein erreichen? In welchem Verhältnis steht er zur „Bürgervereinigung Landsberg im 20. Jahrhundert“, die mit dem Namen des verstorbenen Historikers Anton Posset verbunden ist? Wieso dauert das Verfahren so lang? Und was ist eigentlich Deilers Vision?

Die Stiftung ist seit 2009 Eigentümerin des Grundstücks, auf dem die Tonröhrenbauten stehen. Sie hat es aufgrund einer Spende des Buchloer Ehrenbürgers Alexander Moksel erwerben können, der seine jüdischen Eltern im Holocaust verlor und sich selbst nur mit Glück aus einem NS-Lager befreien konnte. Eigentümer der damals einsturzgefährdeten Bauten war der Bund. Vor der Übernahme waren zunächst drei Themen zu klären: Ist es möglich, sich gegen die Haftung aus der Verkehrssicherungspflicht zu versichern? Ist eine Konservierung der Tonröhrenbauten machbar? Und würde der Bund der Stiftung das Grundstück zu einem angemessenen Preis verkaufen?

Nachdem alle drei Fragen geklärt waren, konnte der neu gegründete Verein das Eigentum erlangen. Dass dazu ein paralleles Rechtsgefäß gebildet wurde, erfolgte nach Deilers Schilderung im Einvernehmen mit der „Bürgervereinigung Landsberg im 20. Jahrhundert“, die damals als so energisch und streitbar galt, dass ein Konsens mit allen einbezogenen Landes- und Bundesstellen nicht erreichbar gewesen wäre. Allerdings begann der Dialog mit diesen Stellen dennoch schleppend. Erst nach und nach wurden Meilensteine erreicht: Der Bund erklärte das „Kaufering VII“ genannte, aber auf Landsberger Boden befindliche, Gelände zum „Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung“.

Und die notwendigen Arbeiten zur Konservierung der Tonröhren konnten im April 2014 in Angriff genommen werden; sie sind inzwischen nahezu abgeschlossen. „Dadurch wird die Gedenkarbeit in Landsberg auf neue Beine gestellt“, resümierte Oberbürgermeister Mathias Neuner zu diesem Zeitpunkt und sagte: „Damit ist der Weg frei, das Leid erfahrbar zu machen. Wir müssen uns der Geschichte stellen. Es gibt Dinge, über die darf kein Gras wachsen“. Allerdings weiß auch der OB: Die bloße Besichtigung der konservierten Tonröhren ist wenig instruktiv. Außerdem braucht man eine bestimmte Infrastruktur dafür, beispielsweise Parkplätze und Toilettenanlagen. Manfred Deiler strebte daher bereits früh ein „Dokumentations- und Besucherzentrum“ auf dem vorgelagerten Grundstück der Stadt Landsberg an.

Wohlgemerkt: „Nicht eine Wand mit ein paar Schautafeln, sondern ein Gebäude, in dem die vertiefte Informationsgewinnung und Auseinandersetzung mit der Geschichte des KZ-Lagerkomplexes möglich ist“. Auf dem Weg dorthin wird gerade eine weitere Etappe absolviert. Die Stiftung Bayerischer Gedenkstätten hilft Landsberg und Kaufering derzeit, zu überlegen, wie man die KZ-Außenlager und -Friedhöfe „verbinden und erklären“ kann. Dazu wurde ein Konzept in Auftrag gegeben, bei dem auch digitale Elemente einbezogen werden sollen. Allerdings macht Deiler keinen Hehl daraus, dass er sich eine ausschließlich digitale Arbeit nicht vorstellen kann. Sein Gedanke ist offenbar, das Gelände der Stiftung zum Mittel- und Ausgangspunkt der Dokumentation zu machen. Dies könnte umso notwendiger sein, als die Welfenkaserne, die derzeit noch als Ort der Erklärung und des Zusammentreffen dient, irgendwann vermutlich nicht mehr existieren wird. Deiler denkt dabei aber nicht an eine Trägerschaft der Stadt oder des Kreises.

Selbst bayerische Institutionen könnten das Dokumentationszentrum auf Dauer nicht alleine stemmen. „Es ist eine Aufgabe für Europa“, meint Deiler und führt auch bereits Gespräche auf dieser Ebene. Parallel dazu hat er den Verein auf eine breitere Basis gestellt, um ihn gesellschaftlich noch stärker zu verankern. Vizepräsident ist nun der ehemalige Landsberger Oberbürgermeister Franz-Xaver Rößle. Parallel gründete der Verein ein Kuratorium, in dem sich alle engagieren können, die konkrete Projektarbeit leisten wollen. Erste Mitglieder sind der Bürgermeister des Markts Kaufering, Erich Püttner, der Rektor der Mittelschule Landsberg, Christian Karlstetter, und Oberstleutnant Gerhard Roletschek.

Werner Lauff

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