Langjähriger Kauferinger Gemeinderat legt Amt nieder

Goldener Ehrenring für Manfred Nieß

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Manfred Nieß (Mitte), hier mit Ehefrau Gerhild, erhielt kürzlich aus den Händen von Bürgermeister Erich Püttner (l.) zum Ende seiner Amtszeit als Marktgemeinderat den Goldenen Ehrenring verliehen.

Kaufering – Manfred Nieß, Marktgemeinderat seit 1990, hat sein Amt aus persönlichen und gesundheitlichen Gründen niedergelegt. In der jüngsten Marktgemeinderatssitzung stimmte das Gremium über diese Niederlegung ab. Was dann folgte, überraschte den 83-jährigen Manfred Nieß derart, dass ihm die Tränen kamen. Kauferings noch amtierender Bürgermeister Erich Püttner legte seine Amtskette an, hielt eine flammende Dankesrede und überreichte Nieß den Goldenen Ehrenring des Marktes. Es ist die höchste Auszeichnung, die Kaufering zu vergeben hat. Alle Marktgemeinderäte hatten sich von ihren Stühlen erhoben, um seine Leistungen mit stehenden Ovationen zu würdigen. Einem gerührten Manfred Nieß fehlten schlichtweg die Worte. 

Es ist nicht die erste Ehrung für den rüstigen 83-Jährigen. 2003 erhielt er die Silberne und 2010 die Goldene Bürgermedaille für seine Verdienste um die Gemeinde. Manfred Nieß habe sich immer für die Belange der Bürger eingesetzt, betonte Bürgermeister Erich Püttner. Dabei hätten ihn gültige Gesetze nicht gestört. Zitat Nieß: „Dann muss man halt das Gesetz ändern“. Viele Teilnehmer der Ratssitzungen können sich erinnern, dass Manfred Nieß ein erklärter Gegner der umstrittenen Straßenausbaubeitragssatzung gewesen ist. Immer wieder hatte er zu zivilen Ungehorsam aufgerufen, da er dieses Gesetz als absolut ungerecht gegenüber den Bürgern empfand. Es ärgert ihn heute noch, dass Kaufering bei der Abstimmung kein politisches Signal gesetzt, sondern im „vorauseilenden Gehorsam“ für die Einführung gestimmt habe, obwohl bereits im Landtag über eine Abschaffung der Beitragssatzung diskutiert wurde. Andere Gemeinden im Landkreis und Bayern waren da mutiger, so Nieß. 

Vielen Bürgern ist in der Vergangenheit oft positiv aufgefallen, dass Manfred Nieß mit gesundem Menschenverstand argumentierte, ohne gleich populistisch zu sein. Obwohl er das ältestes Marktgemeindemitglied ist, fiel Manfred Nieß immer wieder durch seine Modernität und Aufgeschlossenheit auf. Er hätte sich ein modernes Gebäude auf dem Gelände des Schmittenbauerhofes vorstellen können, wie es vor einigen Jahren von einem Architektenteam präsentiert wurde. Seine These von damals, die er mit dem zweitältesten Marktgemeinderatsmitglied Norbert Sepp vertrat: „Mit dem Argument „das passe nicht ins Ortsbild“ hätte vor einhundert Jahren auch die Schule nicht gebaut werden dürfen, denn die habe damals mit Sicherheit auch nicht ins Ortsbild gepasst. 

Ende April endet die Amtszeit von Manfred Nieß. Die wohl letzte große Amtshandlung dürfte die Vereidigung der zukünftigen Bürgermeisterin Bärbel Wagener-Bühler sein. Diese Aufgabe steht dem ältesten Marktgemeindemitglied zu. 

Manfred Nieß wurde 1935 in Kaufbeuren geboren. Nach einer landwirtschaftlichen Ausbildung und Auslandspraktika in England und der Schweiz absolvierte er ein Studium zum Dipl.-Ingenieur für tropische und subtropische Landwirtschaft. Mehrjährige Tätigkeiten bei Fendt in Marktoberdorf und der Firma Eberhardt in Ulm schlossen sich an. Nach Kaufering zog die Familie 1971, nachdem Nieß eine Anstellung im Ausbildungszentrum der Landmaschinenschule in Landsberg erhalten hatte, die er später auch leitete. 1997 ging Manfred Nieß in den Ruhestand.

Für die CSU wurde er 1990 in den Gemeinderat gewählt. Zwischen 1996 und 2002 gehörte Nieß auch dem Kreistag an und von 2008 bis 2014 war er Dritter Bürgermeister der Marktgemeinderat Kaufering. Für die CSU war er jahrelang Erster Vorsitzender des CSU-Arbeitskreises Landwirtschaft und Vorsitzender der CSU im Ortsverband Kaufering. Auch den Fraktionsvorsitz hatte er inne. Darüber hinaus war er Mitbegründer des Radsportvereins und Vorsitzender der Kauferinger Gartenfreunde. In dieser Funktion brachte Manfred Nieß beim 25-jährigen Bestehen auch erstmals ein Bierzelt auf die Festwiese nach Kaufering. 2013 gab er nach 28 Jahren den Verein in jüngere Hände. 

Der Abschied aus dem Marktgemeinderat fällt Manfred Nieß nicht leicht. „Ich habe immer meine Meinung gesagt, auch wenn sie nicht mit der Mehrheit konform ging“, sagte der 83-Jährige gegenüber des KREISBOTEN. Ganz loslassen will Nieß aber nicht. „Ich denke, dass ich an der einen oder andere Sitzung des Marktgemeinderates teilnehmen werde – als Besucher natürlich“. Aber auch dort kann er dann bei Bürgeranfragen seinen ehemaligen Ratskollegen die richtigen Fragen stellen.

Siegfried Spörer

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