"Langweilig war mir nie!" – Pfarrer Hans Schneider feiert sein Goldenes Priesterjubiläum

Seit 50 Jahren ist Hans Schneider Priester, 40 davon war er Pfarrer in Geltendorf. Grund genug für die Pfarrgemeinde und die politische Gemeinde seiner ehemaligen Wirkungsstätte, am kommenden Sonntag das Goldene Priesterjubiläum für den beliebten Geistlichen auszurichten. Zur Vorbereitung unternimmt er unmittelbar zuvor eine Reise nach Israel. Auf den Spuren Jesu zu wandeln, dem er sein ganzes Leben verschrieben hat, ist für ihn ein „Intensivkurs des Glaubens“.

Der Weg führt ihn an den See Genezareth, nach Jordanien auf den Berg Nebo, nach Aqaba und in die Felsenstadt Petra, nach Jericho, Bethlehem und Jerusalem. Allein schon die Aufzählung der vielen Stationen, die in zehn Tagen bewältigt werden, vermittelt einiges von der Anstrengung der Reise. „Ich hoffe, dass ich’s überstehe“, sagt der 74-Jährige und lacht schallend. „Sonst muss man das Jubiläum noch absagen.“ Sein Humor ist Wesenszug und Erfolgsgeheimnis zugleich. Um ein guter Seelsorger zu sein, müsse man den Menschen vorleben, dass der Glaube Freude macht. „Ein Sauertopf kann die frohe Botschaft nicht verkünden.“ Dass er Pfarrer werden würde, das wusste Schneider schon als Gymnasiast. In Marienbad im Sudetenland als ältestes von vier Kindern aufgewachsen, kam er als Zwölfjähriger nach der Vertreibung mit seiner Familie nach Augsburg. Sein Vater war Bankbeamter, seine Mutter Fürsorgerin. Nach ihrem Vorbild zog es alle vier Kinder in soziale Berufe. So wurde ein Bruder ebenfalls Pfarrer, und der zweite Psychotherapeut, die Schwester Erzieherin. Schneider studierte an der philosophisch-theologischen Hochschule in Dillingen, absolvierte einige Jahre als Stadtkaplan in Pfaffenhofen und Augsburg und wurde 1965 mit erst 31 Jahren als Pfarrer nach Geltendorf geschickt. Ein "frecher Hund" Dort hatte er nicht nur das kirchliche Tagesgeschäft zu erledigen, sondern auch den bischöflichen Auftrag, ein neues Pfarrzentrum zu bauen. „Ich war für damalige Verhältnisse ein sehr junger Pfarrer und hatte es mit lauter Verhandlungspartnern zu tun, die wesentlich älter waren“, erinnert er sich. Seinen Vorgesetzten war offensichtlich klar, dass er sich würde durchsetzen können, denn sie kannten ihn als einen, der sich traute, den Mund aufzumachen. Oder anders ausgedrückt: „Ich war schon immer ein frecher Hund.“ 1970 wurde das heute denkmalgeschützte Ensemble aus Kirche, Pfarrheim und Kindergarten eingeweiht. In der Folgezeit ging es darum, die Gebäude mit Leben zu füllen und die Gegensätze im Dorf ab- zubauen – zwischen Einheimischen und Neubürgern, zwischen Altort, Siedlung und Bahnhofsviertel, zwischen Fortschrittlichen und Konservativen. „Langweilig war mir nie“, schmunzelt Schneider und nennt damit einen der Gründe, warum es ihn nie in eine andere Pfarrei zog. „Ich musste nicht woanders hingehen, um neue Menschen kennenzulernen. Geltendorf war schon immer eine Zuzugsgemeinde und ergab ein buntes Bild.“ Umso schwerer fiel nach vier Jahrzehnten der Abschied. Glücklicherweise fand sich ein schönes neues Zuhause im Schatten des Dießener Marienmünsters mit Blick auf blühende Bäume und den Ammersee. Hier lebt Schneider als Ruhestandspriester, springt aber noch immer gerne ein, wenn der örtliche Pfarrer Unterstützung braucht. Ein bisschen genießt er es, keine Lokalprominenz mehr zu sein. „Hier wird nicht mehr jeder meiner Schritte registriert.“ Die Feier des Goldenen Priesterjubiläums am Sonntag, 10. Mai, beginnt um 9.30 Uhr mit dem Festgottesdienst in der Pfarrkirche „Zu den Hl. Engeln“ in Geltendorf. Festprediger wird Vertriebenen- und Weihbischof Gerhard Pieschl aus Limburg sein. Im Anschluss daran sind Empfang und Begegnung mit dem Jubilar vorgesehen – je nach Wetter auf dem Kirchplatz oder im Pfarrheim. Mittagsmahl und Kaffee sind ab 12.30 Uhr im Bürgerhaus geplant.

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