Im Fischkutter nach oben

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„I Have a Boat“: Nach der Arbeit trifft sich Makrelenfischer Piet (links) mit seinen Kollegen bei einer Pina Colada. Das preisgekrönte Filmteam will übrigens nie wieder auf einem Fischkutter drehen.

Dießen – Beim Finale des 5. Dießener KurzFilmFestFestival des Heimatvereins  in der Schützenhalle neun kurze, durch­- weg großartige Spiel- und zwei Dokumentarfilme zu sehen. Das Publikum entschied: Der Dießener Filmpreis geht heuer nach Hamburg.

Die bereits mehrfach preisgekrönte Komödie „I Have a Boat“ (2011) von Regisseur Nathanal Nill wurde mit tosendem Applaus, einem Geldpreis von 1000 Euro und natürlich mit der Filmfahne aus dem Atelier der Glaskünstlerin Gertrud Hahn ausgezeichnet. 

Mathieu Miville (rechts), hier im Gespräch mit Thies Marsen, nahm den 1. Preis für die Filmkomödie „I Have a Boat“ entgegen.

Entgegengenommen hat den Preis Produzent Mathieu Miville, der beteuerte, trotz des Erfolges nie mehr einen Film auf einem Fischkutter drehen zu wollen: „Ein Filmteam von 32 Leuten auf einem Boot, da wird’s ganz schön eng“. Aber der spröde Charme Fischer im Fedderwardersiel sei als Filmvorlage einfach unwiderstehlich gewesen, erklärte Miville. Ein Markenzeichen des Films sind seine knappen, aber mitreißend witzigen Dialoge. Etwas redseliger zeigten sich die Protagonisten des Streifens „Der kleine Nazi“ (2010). Doch Tatsachen lassen sich nicht wegreden: Im Film schmückt der kleine Enkelsohn gemeinsam mit seiner schon etwas tüddeligen Oma den Weihnachtsbaum mit dem ererbten Christbaumschmuck im Hakenkreuz-Design, den der Kleine voller Stolz aus einer verstaubten Kiste herausgekramt hat. So wird das Fest der Feste schnell zur Satire.

Regisseurin Petra Lüschow aus Berlin wurde für ihren Film mit dem 2. Preis (500 Euro) ausgezeichnet. Ihr sei es ein Anliegen gewesen, erzählte sie auf der Bühne in der Schützenhalle, ein Stück unrühmliche  Familiengeschichte, wie sie in vielen deutschen Familien bis heute unter Verschluss gehalten wird, zu Tage zu befördern. Satire sei ihrer Ansicht nach im Genre Kurzfilm ein gutes filmisches Mittel, um ernste Themen wirkungsvoll zu transportieren. 

Augenblick

Den Preis der Jugendjury, die sich am Donnerstag beim Filmgalaabend im Ammersee-Gymnasium zwischen zehn Filmen entscheiden musste, erhielt die Tragikkomödie „Ein Augenblick in mir“ (Regie: David Lorenz, 2010), der bei der allgemeinen Schlussabstimmung am Samstag auf Platz 3 kam: Arne (Klaus Loch), ein einsamer Mann in einem Hochhaus, lässt seinen Plan, sich zu erhängen im letzten Moment fallen, als er bemerkt, dass ihn ein Kind beob­achtet. Stattdessen erinnert er sich an seine eigene Kindheit und führt für seinen kleinen Zuschauer eine wundervolle Pantomime auf.

Mit „Veronika“ (Regie: Mark Michel), dem Porträt einer körperbehinderten Autistin, die sich durch das Schreiben einen Weg in die Welt bahnt, schaffte es im Genre „Dokumentarfilm“ schließlich doch ein, mit zauberhaften Sandmalereien animierter Film auf das Sieger­treppchen des Filmfestivals. 

Zu den Höhepunkten des Abschlussabends zählten neben den Filmen zweifellos die kurzen Interviews, die die Moderatoren, Rundfunkjournalist Thies Marsen und Kulturjournalistin Katja Huber, mit den anwesenden, durchweg jungen Filmemachern führten. So konnte man etwa den putzmunteren Regisseur des Gruselstreifens „Souterrain“ (2010), Erwin Häcker, beim Smalltalk auf der Bühne bewundern. Wenige Minuten zuvor hatte den Zuschauern der vermeintlich fein-säuberlich abgetrennte Kopf des Shocking-Shorts-Award-Preisträgers (Münchner Filmfest) noch von der Leinwand entgegen gestarrt. Ursula Nagl

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