Ministerin Huml zeichnet Landsbergerin aus:

In der Krebshilfe engagiert: Ein "Weißer Engel" für Edith Faßbender

Ist mit Leib und Seele Ehrenamtlerin und hat soeben die Auszeichnung „Weißer Engel“ für ihr vorbildliches Engagement erhalten: Edith Faßbender, Leiterin der „Selbsthilfegruppe nach Krebs“ in Landsberg.Foto: Pätz

Landsberg – Graue Behördenbriefe enthalten in der Regel ernste Nachrichten, im Falle der Landsbergerin Edith Faßbender gar eine, die sie „voll geplättet hat“. Der Absender, in diesem Falle das Bayerische Gesundheitsministerium, teilt der 69-Jährigen darin mit, dass sie mit der Auszeichnung „Weißer Engel“ zu rechnen habe. Ein Preis, der „vorbildliches ehrenamtliches Engagement im Bereich Gesundheit und Pflege“ würdigt. Edith Faßbender bekleidet seit rund 13 Jahren das Amt als Leiterin der Landsberger „Selbsthilfegruppe nach Krebs“, aber eigentlich mehr als das. Viele ihrer Schützlinge begleitet sie bis zum letzten Atemzug, aber auch beim Gang zurück ins Leben. Dafür wurde sie heute auf Schloss Nymphenburg ausgezeichnet.

Eigentlich fühlt sich die agile Landsbergerin, die sich selbst als „neunundsechzigeinhalb“ bezeichnet, in ihrer Rolle als Geehrte gar nicht so wohl. Denn darum geht es ihr nicht. Viel wichtiger in ihren Augen seien doch die Momente der Anteilnahme, der Aufmerksamkeit, des Zuhörens, die sie den Frauen und Männern ihrer Selbsthilfegruppe zuteil werden lassen könne. Denn davon profitiere sie doch auch selbst, sagt Faßbender.

Was sie genau damit meint, erklärt sich schnell, wenn man die persönliche Lebensgeschichte der Ruheständlerin hört. Eine Geschichte, die selbst voller Höhen und Tiefen ist. Noch im jungen Alter von 33 Jahren wird Edith Faßbender Witwe, ein tiefer Schlag für sie. Obwohl sie in ihrem jetzigen Ehemann Helmut eine feste Stütze gefunden hat, merkt man ihr beim Zuhören an, dass da immer noch Punkte in ihrem Inneren berührt werden.

Dann wird Edith Faßbender selbst krank, 1998 bekommt sie die Diagnose: Krebs. Von da ab ist alles anders für die damals knapp 50-Jährige. Was ihr in dieser Zeit besonders fehlte, war ein emotionaler Rückhalt, in irgendeiner Form. „Mit der Diagnose stürzt man erstmal durch bis Neuseeland“, fasst sie zusammen. Noch wie heute kann sie sich an die Zeit erinnern, als sie die Nacht vor der gefürchteten Operation im Bett der Krankenstation lag, den Kopf weit unter die Decke vergraben, unter bitterlich geweinten Tränen. Plötzlich habe sich die Bettnachbarin zu ihr gesetzt, sie gefragt, warum sie so weine, erinnert sich Faßbender. „Du brauchst doch keine Angst zu haben“, habe sie zu ihr gesagt und dabei ihr Nachthemd vorne geöffnet. „Schau, so wirst du nachher aussehen, alles halb so schlimm!“

Heute weiß Edith Faßbender, wie wichtig ehrliche Anteilnahme, Trost und gefühlvolle Auseinandersetzung mit der Krankheit für Betroffene sind, damals kam das einer Labung ihrer Seele gleich. „Ich war so dankbar für die Anwesenheit der Frau, auch heute noch muss ich daran denken“, sagt sie rückblickend.

Schwere fünf Jahre lang kämpft sie sich durch die Erkrankung, mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Phasen kommen und gehen. „Es gab Zeiten, da dachte ich ans Sterben, dann wieder hatte ich keinen Mut mehr, schließlich kam die Wut“. Dennoch schafft sie es, wenn auch körperlich gezeichnet.

Der Aufgabe gewachsen?

Wie so oft im Leben sollte der Zufall die Geschicke leiten. Edith Faßbender bekommt die Leitung der Selbsthilfegruppe in die Hände gelegt, die Vorgängerin sollte aufgrund eines ferneren Umzugs nicht mehr zur Verfügung stehen. Ob sie gezögert hat? Gerade erst wieder zu Kräften gekommen, wollte sie schon wissen, ob sie der Aufgabe gewachsen sei. „Auf meine Nachfrage beim Bayerischen Roten Kreuz hieß es, ich hätte alle Rechte, aber keine Pflichten“, lacht Edith in der Erinnerung. Wahrscheinlich hatten die Herrschaften damals schon ein Gefühl dafür, welch Juwel sie da in Aussicht haben. Und Faßbender erfüllt den Auftrag wie selbstverständlich.

Mittlerweile hat sich die Selbsthilfegruppe etabliert. Sie kommen jeden ersten Dienstag in Räumen des BRK zum Treff zusammen. Das darf sich auch die Leiterin auf die Fahnen schreiben lassen. „Wir reden über alles, aber nicht über Krankheiten.“ Auch wer anfänglich Berührungsängste hat, wird von Edith Faßbender liebevoll eingeführt. Manchmal finden erste Treffen nur zwischen ihr und dem/der Betroffenen statt – auf neutralem Boden. Dann, in der Gruppe, hilft zumeist das Ansprechen mittels Vornamen zu einer schnell geschaffenen, warmen Atmosphäre.

Manches Mal geht das Verarbeiten des Unfassbaren nur schriftlich, auch da steht Edith Faßbender zur Stelle. Etliche Kurznachrichten laufen auf ihrem Handy ein, die sie alle in gebotenem Maß beantwortet. Selbst wer nicht – oder nicht mehr – in der Lage sein sollte, an den Gruppentreffen teilzunehmen, bleibt in der Regel nicht außen vor. So wurde einer älteren Dame, die sich damals bereits im Pollinger Hospiz befand, aus der restlichen Runde via Telefon Grüße durchgegeben. Was für eine kurze, aber tiefe Freude für die Patientin.

Überhaupt, die Menschen am Leben teilhaben lassen, auch wenn sie selbst durch ihr Handy­cap daran gehindert werden, darin erkennt Edith Faßbender großen Sinn in ihrem Tun. Einer Freundin habe sie nach dem Rechten gesehen, als diese im Krankenhaus lag. Über das Telefon erzählte sie ihr von der Entwicklung der Orchideen auf dem Fensterbrett, schilderte Blütenzahl und Farbe. „Und wieviel Tomaten ich von ihrem Strauch gepflückt und gegessen habe“, lacht Faßbender. Am anderen Ende der Leitung wurde dieser Blick in die Normalität mit freudigen Zwischenrufen belohnt.

Zeit fürs Ehrenamt

Wieviel Zeit die Landsbergerin für ihr Ehrenamt im Schnitt aufbringt, da fehlen der eloquenten Leiterin selbst die Worte. Sie habe kein Gefühl für die Stunden, die da zusammenkommen. Weil sie es gern tut und froh ist, anderen das zu ermöglichen, was sie selbst nach ihrer Erkrankung so dringend gebraucht hätte.

Manchmal wurde es fast zu viel, dann musste Edith Faßbender abwägen, wem und wann sie ihre Unterstützung zuteil werden lässt. Denn im hohen Alter von 90 Jahren erkrankte ihr Vater; neben ihrem Ehrenamt begleitete sie ihn selbstverständlich durch sein schweres Krebsleiden.

Trotz des immensen, auch seelisch kräftezehrenden Pensums, trotz ihrer eigenen Krankheitsgeschichte, ist Edith Faßbender bei sich angekommen, wie sie selbst sagt. „Ich bin mit mir eins“, sagt sie und nickt dabei. Wenn sie einmal durchschnaufen möchte, geht sie alleine in die Landsberger Innenstadt, setzt sich an einen der unzähligen Cafétische und beobachtet Passanten. Oder ab in die Natur, auch das hilft beim Kräftetanken.

• Kontakt & Info: Selbshilfegruppe nach Krebs, BRK Landsberg, jeden ersten Dienstag im Monat von 14 bis 17 Uhr, Telefon 08191/66124.

Regine Pätz

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