Ein Leben für die Kunst

Ein Leben für die Kunst: Franz Bernhard Weißhaar zeichnet das Wappen für Weihbischof Werner. Foto: Bistum Augsburg/Steber

Wappen gehören zu Franz Bernhard Weißhaar dazu – sie ge­hören zu seinem Leben, zu seinem künstlerischen Schaffen, zu seinem Denken, Tag und Nacht. Der Landsberger ist 79 Jahre alt, emeritierter Professor für christliche Kunst, er ist leidenschaftlicher Künstler und noch viel mehr: er ist „Heraldiker“, „Wappenkundler“. Nur ganz wenige gibt es davon in Deutschland. Auch bei Professor Weißhaar sei die Heraldik zuerst nur Hobby gewesen, dann immer mehr Nebenberuf, weil vermehrt Aufträge von Äbten und Bischöfen gekommen seien, ein Wappen für sie zu entwerfen, erzählt er.

Einen besonderen Auftrag hat der emeritierte Professor wiederum vor ein paar Tagen bekommen: Franz Bernhard Weißhaar wird das Wappen für Florian Wörner, den neu ernannten Weihbischof für das Bistum Augsburg, entwerfen. Die ersten Skizzen dafür stehen bereits fest. „Das Wappen eines Bischofs muss dessen pastorales Programm und das der Diözese wiedergeben. Bei Domvikar Wörner muss vor allem das Thema ,Neuevangelisierung‘ bildlich sichtbar werden“, erklärt Weißhaar. Was auf das Wappen soll, bestimmten die Auftraggeber selbst, für die bildliche und gestalterische Umsetzung sei der Heraldiker zuständig, sagt Weißhaar und nimmt dabei eines der vielen Bücher über „Heraldik“ in die Hand, die auf dem Tisch verstreut vor ihm liegen. „Ich überlege zuerst, wie man die Person des jeweiligen Auftraggebers, seinen Lebenslauf und pastoralen Auftrag mit christlichen Symbolen darstellen kann, mache sofort erste Skizzen mit dem Bleistift auf Papier und schaue dann in den Büchern über die heraldische Wissenschaft nach, ob die Ideen so umgesetzt werden dürfen oder nicht.“ Franz Bernhard Weißhaar sagt’s, hebt seinen Zeigefinger, schmunzelt und setzt erneut an: „Denn wissen’s in der Heraldik gibt’s viele Regeln, die so kompliziert sind, dass man sie gar nicht alle beherrschen kann“. Von Wappen fasziniert Weißhaar kennt nicht alle Regeln, aber ein Fachmann in der Wappenkunde ist er nichtsdestotrotz. Schon seit vielen Jahren beschäftigt sich der emeritierte Kunst-Professor mit der heraldischen Wissenschaft und dies alles, nicht nur von Berufs we­- gen. Schon in seiner Jugend sei er an Wappen interessiert gewesen, habe Wappen in sein Tagebuch gezeichnet, sei schon als Kind staunend vor der Westwand von St. Ulrich und Afra in Augsburg gestanden, vor den bunten Fenstern mit den Wappen drin, „das hat mich damals sehr fasziniert.“ Auch heute noch ist seine Faszination für Wappen, für ihre Geschichte und ihre Bedeutung ungebrochen: „Wenn ich im Urlaub durch eine fremde Stadt spaziere, bin ich immer mit offenen Augen unterwegs, halte gezielt Ausschau nach Wappen und nach Antiquariaten, wo ich nach Büchern über die Heraldik stöbere.“ Dass ihm neben all der Kunst kaum Zeit bleibt für andere Hobbys, bedauert Franz Bernhard Weißhaar nicht. „Die Kunst ist meine Berufung, dafür lebe ich“, sagt er. Dass sich seine beiden Söhne als Silberschmied und Kunstdesigner ebenfalls der Kunst verschrieben haben, freut ihn deshalb ganz besonders. Für viele Bischöfe hat Franz Bernhard Weißhaar bereits gezeichnet, auch die Wappen der Weihbischöfe Grünwald und Losinger tragen seine Handschrift. Dass er nun auch für den neuen Weihbischof zeichnen darf, ist für den Professor eine besondere Ehre. „Man freut sich, dass der Auftraggeber darauf vertraut, dass man es kann und richtig macht. Man setzt dann alles dafür ein, dass es schön und ästhetisch ansprechend wird.“ Und mit kirchlicher Ästhetik kennt sich der Kunst-Professor genau aus: für viele Kirchen hat Weißhaar bereits Kirchenfenster entworfen, die alle, wie er betont, in mühevoller Kleinarbeit in seinem Garten-Atelier in Landsberg entstanden sind. In seiner Pfarrgemeinde Mariä Himmelfahrt ist er darüber hinaus auch ehrenamtlich tätig: Er ist seit Jahren Mitglied in der Kirchenverwaltung und kümmert sich auch dort um alle Kunst- und Bauangelegenheiten. Für das Wappen von Florian Wörner, schwirren dem Künstler bereits viele Ideen im Kopf. Die Devise, also der Wappenspruch Wörners, heißt „Gottes Kraft und Gottes Weisheit“. Diesen Spruch gilt es für Weißhaar bildlich umzusetzen. Flammen, Nägel und die Farben des Bistums werden das zukünftige Wappen schmücken. Wie lange er für die Anfertigung eines Wappens braucht? Franz Bernhard Weißhaar überlegt, sagt lange nichts, dann langsam und zögernd „so 40 bis 50 Stunden, aber um die Stunden geht es mir da nicht“. Oft gehe es lange in die Nacht hinein, manchmal wache er auch mitten in der Nacht auf, habe dann neue Ideen, denke über die Heraldik nach, und träume davon.

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