Corona-Pandemie belastet:

Angespannte Situation in den Wohnheimen der Lebenshilfe

+
Viele Ehrenamtliche und Lebenshilfe-Mitarbeiter wie Ulrike Paprocki (Foto)nähen derzeit Mundschutz für die Kollegen in den Wohnheimen oder unterstützen sie durch Einkäufe oder Betreuungsdienste.

Landkreis – Die Situation ist angespannt. Seit die Werkstätten vor zwei Wochen ihre Türen schließen mussten, betreuen die Mitarbeiter der Lebenshilfe Landsberg die Menschen in den Wohnheimen und -gruppen rund um die Uhr. Die Angst vor einer Ansteckung wächst und es mangelt an Schutzkleidung. Wohnheimleiter Stefan Arnold hat sich deshalb in einem Schreiben an das Gesundheitsamt und die Heimaufsicht gewandt.

In den Lebenshilfe-Wohnheimen in Landsberg, Kaufering und Seestall leben in 15 Gruppen insgesamt 125 erwachsene Menschen mit geistiger Behinderung. Viele von ihnen sind aufgrund ihres Alters und diverser Vorerkrankungen besonders gefährdet. Die Wohnheime haben sich deshalb schon vor der offiziell ausgesprochenen Ausgangsbeschränkung weitgehend abgeschottet.

Die Mitarbeiter besprachen Abstandsregeln und Präventiv­maßnahmen, verteilten Hygieneregeln in normaler und leichter Sprache gut sichtbar in allen Gruppen. Doch aufgrund ihrer geistigen Behinderungen und oftmals begleitender psychischer Störung können nicht alle Bewohner die Vorgaben entsprechend umsetzen.

Aufgrund der Einschränkungen wäre im Falle einer Infektion auch eine Isolierung im Bewohnerzimmer kaum umsetzbar, betont Stefan Arnold. Doch vermutlich müssten mit Covid-19-infizierte Bewohner weiter in den Wohnheimen betreut werden, wenn der Krankheitsverlauf nicht ganz schwer ist. Denn das Klinikum in Landsberg war bereits in „normalen Zeiten“ mit der Versorgung der Lebenshilfe-Bewohner oft sehr gefordert, weiß Arnolds Kollegin Barbara Gerner.

Die Lebenshilfe hat zwar über das Landratsamt Landsberg recht schnell 150 chinesische Masken – laut einem Schreiben der Klasse FFP1 – erhalten, dazu 150 OP-Mund- und Nasenschutz und 50 Einweg-Schutzanzüge. Außerdem haben Mitarbeiter noch rund 100 FFP2-Masken gekauft. Und es nähen Ehrenamtliche und etliche Mitarbeiter aus anderen Bereichen der Lebenshilfe selbst Masken. Doch all das reicht nicht, so Barbara Gerner.

Denn aufgrund der Zusatzschichten für die Rund-um-die-Uhr-Betreuung können auf Dauer nicht alle Mitarbeiter zu Hause bleiben, die Erkältungssymptome zeigen. Dann müssen die vorhandenen Masken zur Prophylaxe eingesetzt werden und stehen im Falle einer Infektion nicht mehr zur Verfügung. Um wirklich handeln zu können, wären mindestens 2.000 FFP-2-Masken und Schutzanzüge erforderlich, aber die sind im Moment einfach nicht zu bekommen.

So aber könne man im Fall des Falles keine Quarantänestation innerhalb der Lebenshilfe-Wohnheime einrichten, betont Wohnheimleiter Stefan Arnold. Er bittet deshalb in seinem Schreiben an das Gesundheitsamt auch um Ideen zum Aufbau einer solchen Quarantänestation für Menschen mit geistiger Behinderung.

Der Wohnheimleiter wünscht sich, dass Testungen von Mitarbeitern – die zum Teil selbst Risikogruppen angehören – und Bewohnern der Lebenshilfe hohe Priorität erhalten und rasch umgesetzt werden. So kann im Falle einer Infektion schneller gehandelt werden.

Außerdem würden Mitarbeiter, die lediglich erkältet sind, schneller eingesetzt. Denn auf Dauer fürchtet Stefan Arnold aufgrund der Situation auch einen Personalengpass. Auch wenn die Solidarität innerhalb der Lebenshilfe groß ist und viele Mitarbeiter aus anderen Bereichen die Wohnheime unterstützen.
Daniela Hollrotter

Auch interessant

Meistgelesen

Die Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Die Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Neues Zuhause gesucht: Helfen Sie diesen liebenswerten Vierbeinern!
Neues Zuhause gesucht: Helfen Sie diesen liebenswerten Vierbeinern!
Utting: Drei Millionen für „Haus der Kinder“
Utting: Drei Millionen für „Haus der Kinder“
Landsberg: Sommerunterhaltung mit „Mandragola“ und Moreth Company
Landsberg: Sommerunterhaltung mit „Mandragola“ und Moreth Company

Kommentare