Rettung vor der Tonne

Die Lebensmittelretter: Foodsharing in Landsberg

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Das soll nicht sein: Noch essbare Lebensmittel werden entsorgt, weil die Nachfrage zu gering war.

Landkreis – Foodsharer haben das Ziel, Lebensmittel vor der Tonne zu retten. Sie sind Teil der foodsharing-Initiative, die sich gegen die Verschwendung von Lebensmittel engagieren. Gerettet werden überflüssige und überproduzierte Lebensmittel in privaten Haushalten, sowie in Betrieben.

Die Initiative entstand 2012 in Berlin und ist mittlerweile zu einer internationalen Bewegung mit über 200.000 registrierten Nutzern in Deutschland, Österreich, der Schweiz und weiteren europäischen Ländern geworden. Seit 2016 gibt es auch in Landsberg eine aktive foodsharing-Community. Geleitet werden die 80 Mitglieder (30 davon aktiv) von Eva Maria Zotter. Zotter kam zum foodsharing durch die Idee, ohne Geld zu leben. „Ich hab mich informiert, wo rund um mein Büro foodsharing betrieben wird“, erklärt die Schondorferin.

Doch wie wird man eigentlich Foodsharer? „Es gibt ein Rangsystem, bei dem man, je höher man positioniert ist, mehr Verantwortung übertragen bekommt.“ Zu Beginn steigt man als Foodsaver ein. In diesem System werden einem die Werte, Regeln und Themen von einem ranghöheren Mitglied erklärt. Im Anschluss absolviert man ein Quiz. Wenn man das besteht, erreicht man den nächsten Rang. Nach drei Einführungsabholungen von Lebensmitteln erhält man den Foodsaver-Ausweis.

Durch ungefähr 20 weitere Abholungen innerhalb eines halben Jahres qualifiziert man sich für das nächste Quiz. Bei erneutem Bestehen gehört man zu den Betriebsverantwortlichen. Diese besetzen Abholtermine für Lebensmittel mit Foodsavern im zuständigen Bereich, werben neue Betriebe an und schließen Kooperationen ab. Eine offizielle Kooperation ist Pflicht, da bei größeren Unternehmerketten wie zum Beispiel Aldi, Edeka, Lidl oder Rewe die Verantwortlichen das Ausgeben von ungewollten oder überproduzierten Lebensmitteln erlauben müssen. Sollte man über längere Zeit ein Betriebsverantwortlicher sein, besteht durch ein Quiz die Möglichkeit, zum Botschafter des Food­sharings zu werden.

Als Botschafterin übernahm Zotter den bereits existierenden Bezirk Landsberg. „Es gab zwar Foodsaver, aber keine Kooperationen und einen sehr inaktiven Bezirk“, erklärt Zotter. So sei es vor dreieinhalb Jahren zu einem initiierenden Treffen gekommen, bei der sie sich mit ein paar Foodsavern Landsbergs zusammengetan habe. Aktuell habe der Bezirk sieben Kooperationen. Bei 700 Abholungen haben Zotter und Co. knapp viereinhalb Tonnen Lebensmittel gerettet. Zotter würde sich dennoch mehr Kooperationen wünschen, denn das Potenzial, noch mehr Lebensmittel zu retten wäre vorhanden. „Wir haben 30 wirklich aktive Mitglieder, auf die ich sehr stolz bin, aber sie tun sich schwer Unternehmen anzusprechen.“ Aus diesem Grund hoffe sie, dass die Unternehmen des Landkreises sich trauen würden, zu ihnen zu kommen. „Wir freuen uns über jedes Café, Restaurant oder jeden Bäcker.“ Man würde nehmen, was man bekommt, meint Zotter. „Bei den Abholungen legen wir natürlich Wert auf das Image, das wir hinterlassen.“ Von vielen Betrieben hätten die Foodsaver bereits Lob bekommen, so die Schondorferin.

In ihrer Heimat sucht Zotter aktuell einen öffentlichen Platz für einen Fair-Teiler. Das ist ein öffentlich zugänglicher Kühlschrank, bei dem jeder Bürger nicht benötigte Lebensmittel deponieren oder benötigte Lebensmittel herausnehmen kann. „Das Angebot ist selbstverständlich kostenlos.“ Nötig sei nur ein Ort, der zu jeder Zeit zugänglich ist. „Der Fair-Teiler-Kühlschrank muss außerhalb eines Ladens stehen, eine eigene Stromquelle besitzen und vor schlechtem Wetter geschützt sein.“

In Kontakt treten mit den Foodsavern kann man Per E-Mai: landsberg.am.lech@foodsharing.network.
Matthias Gschwind

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