»Guter Konsens gefunden«

Lechfeldwiesen V: Kaufering bebaut zwei Drittel im kommunalen Wohnungsbauprogramm

Wohnung im Bau
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Im Baugebiet Lechfeldwiesen V entstehen vorwiegend Mietwohnungen.

Kaufering – Der Beschluss ist einstimmig gefallen. 23 Marktgemeinderäte sprachen sich am Mittwochabend im Marktgemeinderat dafür aus, dass das Gebiet Lechfeldwiesen V­ mit einer Fläche von rund 18.000 Quadratmeter für die Bebauung mit Geschosswohnungen überplant werden soll. Dabei werden 70 Prozent des Areals mit dem kommunalen Wohnungsbauförderprogramm (KommWFP) realisiert, zu dem der Freistaat 30 Prozent beisteuert. Die Marktgemeinde will dort selbst bauen und somit günstigen Mietwohnraum vor allem für junge Familien und Senioren anbieten. Der Rest der Wohnungen soll an Privat verkauft werden. 

Nachdem sich im Juli noch zwölf Räte – damals exakt die Hälfte – dafür einsetzten, nur 50 Prozent des Gebietes im KommWFP zu realisieren (SPD und Grüne votierten hingegen für 100 Prozent), habe man nun mit dem einstimmigen Beschluss wohl „einen guten Konsens gefunden, den alle mittragen können“, urteilt erster Bürgermeister Thomas Salzberger (SPD). Bei einem Fifty-Fifty wie im Juli wäre seine Stimme die entscheidende gewesen, „und das wollte ich natürlich nicht.“

Beim Verkauf der 30 Prozent soll zuerst das Einheimischen-Modell zum Tragen kommen – das muss die Verwaltung jedoch erst noch erarbeiten. „Dass jemand, der bereits ein Haus in Kaufering besitzt, nicht unter dieses Modell fällt, dürfte klar sein“, so Salzberger. Anschließend sollen Werkswohnungen für ansässige Firmen berücksichtigt werden, der Rest kommt laut Beschluss auf den freien Markt.

Das letzte Mal, dass die Gemeinde selbst Wohnungen errichtet habe, sei 1954 gewesen, berichtete Salzberger in seiner Präsentation. In der Absicht des Wohnungsbaus berufe man sich auf den Artikel 106 der Bayerischen Verfassung, der besagt, dass es die Aufgabe des Staates und der Gemeinden ist, billigen Wohnungsbau zu fördern. Kaufering habe – wie auch die Stadt Landsberg – dringenden Bedarf an bezahlbarem Wohnraum. „Hier ziehen immer mehr junge Menschen oder auch junge Familien weg, weil sie sich die Mieten nicht mehr leisten können“, sagt Salzberger. Man müsse den Menschen „das Hierbleiben erleichtern“. Was dadurch möglich werde, dass die Mieten innerhalb des KommWFP unter den ortsüblichen liegen werden. „Für 85 Prozent der Kauferinger Bürger wird das Wohnen dort erschwinglich sein.“

Entstehen sollen innerhalb des KommWFP 1,5 bis Vier-Zimmerwohnungen. Barrierefreiheit sei wichtig, um die Wohnung auch für Senioren attraktiv zu machen. Einige der Wohnungen würden rollstuhlgerecht gebaut.

Vertragsverhandlungen könne man in drei Monaten starten. Für Aufstellungsbeschluss, Planung, städtebaulichen Vertrag und den Bebauungsplan stellt Salzberger rund 14 Monate als Zeitplan auf. Die Bauzeit werde voraussichtlich eineinhalb Jahre betragen, sodass das gesamte Projekt in rund dreieinhalb bis vier Jahren abgeschlossen werden könnte.

Bei der Diskussion Ende Juli im Marktgemeinderat hatten sich Grüne, Kauferinger Mitte und SPD noch für 100 Prozent Bebauung im Rahmen des KommWFP ausgesprochen, UBV und CSU wollten eine Gleichgewichtung von Baugrund für Mietwohnungen und Eigentum erzielen. CSU-Fraktionssprecher Dr. Thomas Harbich bezog sich dabei auf eine Umfrage, die die Verwaltung selbst durchgeführt hatte. Die 80 Teilnehmer hätten den hohen Bedarf an Eigentumswohnungen bestätigt,Mietwohnungen seien kaum erwünscht gewesen. „Wir haben 4863 Haushalte in Kaufering“, antwortet Salzberger. 80 seien nicht repräsentativ.

Mit einer Ausweisung von 50 zu 50 Prozent Eigentums- versus Mietwohnungen hätte man aber auch „das Risiko, das so ein Wohnungsbau in diesem Ausmaß mit sich bringt, enorm minimieren“ können, so Harbich. Der Wohnungsverkauf wäre der corona­gebeutelten Gemeinde zugutegekommen, da unter anderem auch größere Projekte wie die Sanierung der Mittelschule (der KREISBOTE berichtete) oder auch „ein neues Rathaus“ anstünden. Zudem wäre so eine Zuweisung der Wohnungen an Kauferinger Bürger sichergestellt gewesen.

Der nun gefundene Kompromiss sei ein „gerade noch akzeptables Ergebnis“, urteilt Harbich. Die Aufgabe, die sich der Markt Kaufering mit der Bebauung gestellt habe, sei allerdings eine „sehr (zu) große“.

Die Grünen hätten sich zwar eine 100-prozentige Bebauung im kommunalen Wohnungsbau gewünscht, so der Sprecher der Grünen-Fraktion Jürgen Strickstrock. Es gehe jedoch darum, Kompromisse für die gesamte Bevölkerung zu finden. „Vor diesem Hintergrund haben wir aus unserer Sicht ein akzeptables Ergebnis erreicht.“ Die Zusammenarbeit im Gemeinderat bezeichnet Strickstrock gar als „Paradebeispiel für funktionierende Demokratie“.

Susanne Greiner

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