Ein halbes Jahr geschlossen:

Update: Lechmauer-Sanierung versperrt Lechpark-Zugang übers Klösterl

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Schon im September starten die Sanierungsarbeiten der Lechmauer - und damit auch die Sperrung des Zugangs in den Park übers Klösterl.

Landsberg – Jetzt wird es ernst: Die Arbeiten zur Sanierung der Lechmauer starten Mitte September. Bäume werden gefällt, Zufahrtswege errichtet, der Parkplatz am Klösterl gesperrt und vor allem der Zugang zum Lechpark Pössinger Au von der Altstadt und vom Campingplatz aus gesperrt. Wenn‘s schlecht läuft bis zum Ende der Sanierungsarbeiten auf der Ostseite: bis Ende März 2020.

„Wir prüfen im Moment, ob der Zugang über das Klösterl oder den Campingplatz in der Bauphase doch möglich ist“, sagt Gunther Haas vom Wasser­wirtschaftsamt Weilheim. Auf dem Weg vom Campingplatz werde allerdings der Schwerlastverkehr erfolgten, auch versicherungstechnisch sei es wohl schwierig. Eine Entscheidung über die Zugänge falle erst innerhalb der kommenden 14 Tage.

Ein für die SPD Landsberg sowohl in Hinblick auf die Landsberger als auch auf Touristen „inakzeptabler“ Zustand, auch weil dies der einzige ebenerdige Radweg nach Pitzling sei: „Beide Zugänge für über ein halbes Jahr zu sperren, das darf nicht sein“, wettert Felix Bredschneijder. Man habe bereits Oberbürgermeister Mathias Neuner aufgefordert, „sofort zu handeln und alle Möglichkeiten auszuschöpfen, dass der Zugang zum Lechpark gerade über diese beiden stark frequentierten Wege so lange und so weit wie möglich geöffnet bleibt“. Man sei sich sicher, dass der gesamte Stadtrat die Lage so einschätze.

Muss die Sperrung der Wege Klösterl und Campingplatzz in der Bauphase noch geprüft werden, ist bereits sicher, dass die beiden Zugänge während der Baustelleneinrichtung aus Sicherheitsgründen gesperrt werden. In dieser Zeit sei der Lechpark ausschließlich über den steilen Zugang vom Krachenberg aus, dem „Eselsteig“ und die Villgradter Schlucht (circa 300 Meter nördlich des Reitclubs) erreichbar, so das Wasserwirtschaftsamt. Diese beiden Zugänge seien auf jeden Fall auch während der Sanierungsarbeiten möglich.

Auf der Ostseite des Lechs soll die direkt an die Karolinenbrücke anschließende 90 Meter lange Ufermauer entlang des Klösterls durch eine im Fluss vorgesetzte Stahlbetonmauer stabilisiert werden, informiert das Wasserwirtschaftsamt. Für die Bauarbeiten werde vorübergehend ein Plateau aus Kies im Lech aufgeschüttet. Die Zufahrt zur Baustelle erfolge von Süden her über den Campingplatz, die Staustufe 15 und entlang des Weges entlang des Ufers – der dazu vorübergehend als Baustraße hergerichtet werden muss. Dazu zählen auch das Beschneiden oder Fällen einiger Bäume.

Auch der Parkplatz am Klösterl werde für die gesamte Bauzeit gesperrt. Die Nutzer seien aber rechtzeitig – vor gut einem Jahr – informiert worden, sagt eine Nutzerin der rund 40 Parkplätze am Lechpark-Eingang. Man hätte sich also rechtzeitig als Alternative einen Dauerstellplatz in der Schlossberggarage reservieren können. Einen Ersatzparkplatz konnte der Parkplatzbesitzer den Nutzern nicht anbieten.

Arbeiten im Westen

Auf der Westseite muss die 650 Meter lange Hochwasserschutzmauer entlang der Straße „Am Englischen Garten“ teilweise abgebrochen und eine neue Stahlbetonmauer davorgesetzt werden. Die Sanierung erfolgt vom Englischen Garten aus in 30-Meter-Abschnitten unter halbseitiger Sperrung der Straße. Die Anlieger würden aber rechtzeitig über die Verkehrssituation während der Bauarbeiten informiert, so das Amt.

Auf einem 150 Meter langen Teilabschnitt müssen die Bauarbeiten vom Englischen Garten aus erfolgen, da dort die bestehende Hochwasserschutzmauer teilweise überbaut beziehungsweise direkt an diese angebaut wurde. Hier werde ein Deich aufgeschüttet. Die dafür notwendigen Baumfällungen seien mit Naturschutzbehörde und Stadt abgestimmt „und wurden soweit wie möglich minimiert“. Eine ökologische Baubegleitung beaufsichtige die Arbeiten.

Die Sanierung der Hochwasser­schutzmauer West soll bis Juli kommenden Jahres abgeschlossen werden. Sie war nötig geworden, da die Standsicherheit der rund 100 Jahre alten Mauern nicht mehr nachgewiesen werden konnte

Insgesamt soll die Sanierung der Hochwasserschutzmauern an beiden Lechuferseiten mit vier Millionen Euro zu Buche schlagen.

Wohl keine Dauersperrung

Oberbürgermeister Mathias Neuner kann inzwischen etwas beruhigen: Eine komplette Dauersperrung wird es wohl nicht geben. Auf Nachfrage des KREISBOTEN betont Neuner, dass Art und Dauer der Sperrung noch nicht konkret festständen: „Wir sind gerade dabei zu prüfen, wie viel wir wann sperren müssen.“ Am 10. September werde es dazu eine Pressekonferenz gemeinsam mit dem Wasserwirtschaftsamt Weilheim geben. 

Sicher sei die komplette Sperrung bei Baustelleneinrichtung. In dieser Zeit müssten rund 200 LKW-Ladungen Kies angeliefert werden. Ansonsten bemühe man sich, die Wochenenden freizugeben. Und noch mehr stellt der OB in Aussicht: „Es kann auch mal eine Woche geben, da passiert nichts, da können wir dann auch öffnen.“

Einwände des Stadtrates zum Teil unbegründet

Ein Sturm der Entrüstung ist aus dem Stadtrat zu hören. Die vom Wasserwirtschaftsamt Weilheim bekanntgegebene Komplettsperrung des Lechparkzugangs via Klösterl und Campingplatz für ein halbes Jahr stößt auf Entsetzen. Die Sperrung sei inakzeptabel, Pitzling werde abgeschnitten, der Radverkehr ausgebremst, der Einzelhandel diskriminiert. Aber kommen die Maßnahmen tatsächlich so unerwartet? Immerhin war die Planung zur Lechmauersanierung bereits im September 2015 Thema im Stadtrat.

Die erste Unmutsreaktion kam von Felix Bredschneijder (SPD), der sein „nicht geringes Entsetzen“ über die Maßnahme äußerte. Man könne nicht den einzigen ebenerdigen Fahrradweg nach Pitzling sperren. Wolfgang Neumeier (UBV) schloss sich dem „vollumfänglich“ an, kritisierte aber zudem die „beiläufige“ Mitteilung der Sperrung via Pressemitteilung. Auch Petra Ruffing (CSU) sprach sich gegen eine vollständige Sperrung aus, wobei sie eine Sperrung von einem Monat in Anbetracht des Vorhabens für vertretbar halte.

Reinhard Skobrinsky (BAL) betonte, in Landsberg seien „immer noch der Stadtrat und der Oberbürgermeister die Herren im eigenen Hause, nicht das Wasserwirtschaftsamt“. Er sei zudem „schockiert“, dass nicht an den Einzelhandel im Klösterl gedacht werde. Auch Christoph Jell (UBV) forderte, dass Anwohner und Kunden des Klösterls jederzeit Zugang haben müssten, eine Vollsperrung „muss auf jeden Fall verhindert werden“. Jell hakte auch bei der Gestaltung der Schutzmauer auf der Flussseite nach: ob der „nackte Beton“ die Altstandansicht prägen werde.

Dr. Wolfgang Weisensee (Landsberger Mitte) brachte nochmals die Alternative auf, die Baustoffe beim Englischen Garten anzuliefern und auf Pontons gelagerten Förderbändern ans andere Ufer und wieder zurückzubringen – „up and away“. Die Idee habe man bereits im Stadtrat vorgestellt, sie sei aber „bedauerlicherweise lapidar abgelehnt“ worden.

Das hat allerdings auch seine Gründe: „Die Wirtschaftlichkeit dieses Vorhabens ist nicht gegeben, der Bauablauf ist so nicht durchführbar“, informierte das Wasserwirtschaftsamt laut Harry Reitmeir (CSU) bereits Ende 2015. Schon damals habe man im Stadtrat Alternativen geprüft: neben der Ponton-Lösung, für die man fraktionsintern gar mit der Bundeswehr gesprochen habe, auch den Gang über die Krachenbergschlucht oder gar die Baustoffanlieferung direkt über die Karolinenbrücke inklusive Abriss des Zollhäuschens. Alle Alternativen seien aber abgelehnt worden.

Vertraglich verpflichtet

Im Januar 2016 habe das Weilheimer Amt dem Stadtrat die Planung und Bauabwicklung vorgestellt, und der habe der Baustellenerschließung durchs Klösterl und vom Campingplatz her einstimmig zugestimmt. Ebenso sei die „aktuelle Planung“ im Stadtrat am 26. September 2018 einstimmig beschlossen worden. Inklusive vertraglicher Verpflichtung zur Bereitstellung des Klösterlparkplatzes und „zur Veranlassung der erforderlichen Verkehrsregelungen und Straßensperrungen“, so Reitmeir.

Ebenso bereits seit März 2018 war im Stadtrat bekannt, dass die von der UBV angemahnte Gestaltung der Schutzmauer vom Wasserwirtschaftsamt in die Planung einbezogen wurde: In den Unterlagen zur Sitzung am 14. März ist der Vorschlag einer „Matrizenschalung mit Mauerstruktur“ zu lesen. „Der Stadtrat darf sich sozusagen sogar die Tapete aussuchen, also wie der Beton genau gestaltet wird“, konkretisiert Oberbürgermeister Mathias Neuner (CSU).

Aber auch die Sperrung und Dauer habe man „durchaus in den Stadtratssitzungen angesprochen“, ergänzt das Stadt­oberhaupt. Deshalb seien ja überhaupt erst die Alternativen angedacht, überprüft und allesamt abgelehnt worden. Dass vier Wochen komplett gesperrt werde, habe man seiner Ansicht nach mitgeteilt. Dass das auch für Fußgänger gelte, sei doch nachvollziehbar, „wenn da dauernd Lkw hin und herfahren“. Insgesamt seien „die Ängste des Stadtrats zwar verständlich, aber sie wurden auch umfassend besprochen.“

Inwiefern der Einzelhandel, insbesondere das Café und das Fischereizubehörgeschäft im Klösterl betroffen sein werden, ist noch nicht absehbar. Die Sperrung ist allerdings bisher erst ab dem Klösterlparkplatz hin zum Lechpark geplant. Natürlich werde es dennoch den üblichen Baustellenverkehr geben, so Neuner. Aber Hochwasserschutz gehe eben vor: „Denn wenn die Stadt absäuft, dann geht es dem Einzelhandel erst recht schlecht.“

Susanne Greiner

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